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Ausschlagen

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Definition & Überblick

Als Ausschlagen bezeichnet man in der Ethologie das kräftige, ruckartige Wegstrecken eines oder beider Hinterbeine bei Huftieren und einigen anderen Säugetieren. Die Bewegung erfolgt aus dem Stand oder aus der Bewegung heraus nach hinten, seltener nach seitlich-hinten, und dient je nach Kontext der Verteidigung, der innerartlichen Kommunikation oder dem Ausdruck von Unbehagen und Erregung. Der Begriff wird umgangssprachlich überwiegend im Zusammenhang mit Pferden und Eseln verwendet, beschreibt aber ein funktional verwandtes Bewegungsmuster, das bei zahlreichen Huf- und Klauentieren vorkommt.

In der Verhaltensforschung wird das Ausschlagen als eine motorische Handlung klassifiziert, die sowohl als agonistisches Verhalten (im Rahmen von Konflikten und Rangordnungsauseinandersetzungen) als auch als Abwehrverhalten gegenüber Prädatoren oder lästigen Reizen auftreten kann. Es handelt sich um eine weitgehend angeborene, im Erbkoordinationsmuster verankerte Bewegungssequenz, die durch Lernen und Erfahrung in ihrer Auslöseschwelle und Zielgenauigkeit modifiziert werden kann.

Biologischer Hintergrund

Das Ausschlagen ist biomechanisch durch die Anatomie der Hintergliedmaßen begünstigt: Die kräftige Kruppen- und Oberschenkelmuskulatur, die primär dem Antrieb bei der Fortbewegung dient, ermöglicht eine explosive Extension der Hinterhand. Bei Equiden wirkt dabei das sogenannte Sprunggelenk als Hebelverstärker, wodurch eine erhebliche kinetische Energie auf das Ziel übertragen wird. Tritte eines ausgewachsenen Pferdes können Kräfte von mehreren tausend Newton erzeugen und sind potenziell tödlich – sowohl für Beutegreifer als auch für Artgenossen und Menschen.

Neurobiologisch ist das Ausschlagen als eine Festhandlung (im Sinne der klassischen Ethologie nach Konrad Lorenz) zu verstehen, die nach Überschreiten einer bestimmten Reizschwelle nahezu stereotyp abläuft. Die Auslöseschwelle selbst wird durch das vegetative Nervensystem reguliert: Sympathikusaktivierung bei Angst, Schmerz oder Erregung senkt sie erheblich. Gleichzeitig unterliegt das Verhalten einer Konditionierung – Tiere, die mit Ausschlagen erfolgreich eine unangenehme Situation beenden konnten, zeigen es in vergleichbaren Situationen rascher und häufiger. Dies entspricht dem Prinzip der negativen Verstärkung in der operanten Lerntheorie.

Hormonell spielt vor allem Testosteron eine modulierende Rolle: Hengste und andere intakte männliche Tiere schlagen häufiger und mit niedrigerer Reizschwelle aus als Wallache oder Stuten, insbesondere im Kontext von Rivalenkämpfen und Paarungsverhalten.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

Das Ausschlagen ist am bekanntesten und systematisch am besten untersucht bei den Equiden (Pferde, Esel, Zebras, Maultiere). Es tritt jedoch in funktional vergleichbarer Form bei weiteren Tiergruppen auf:

  • Rinder und Büffel: Kühe und Bullen schlagen nach hinten aus, etwa bei Berührung am Euter, bei Insektenbelästigung oder in sozialen Konflikten. Die Bewegung ist weniger präzise als beim Pferd, aber durch das hohe Körpergewicht dennoch wirkungsvoll.
  • Zebras: Besonders bekannt für gezieltes Ausschlagen gegen Raubtiere. Beobachtungen in der Serengeti dokumentieren, dass Steppenzebras Löwen und Hyänen durch präzise Huftritte verletzen oder töten können.
  • Giraffen: Setzen ihre langen Hinterbeine als Verteidigungswaffe gegen Großkatzen ein. Ein einzelner Tritt kann einem Löwen den Schädel zertrümmern.
  • Kamele und Lamas: Zeigen ein verwandtes Verhalten, ergänzt durch Spucken als Distanzwaffe.
  • Kängurus: Obwohl systematisch keine Huftiere, zeigen sie mit dem kräftigen Abstoßen der Hinterbeine ein funktional analoges Verteidigungsmuster.

Auslöser & Funktion

Die Auslöser für das Ausschlagen lassen sich in mehrere Kategorien untergliedern:

  • Feindabwehr (Antipredationsverhalten): Annäherung eines Beutegreifers von hinten löst reflexartiges Ausschlagen aus. Dies ist ein zentraler Bestandteil des Flucht-Kampf-Repertoires, besonders wenn eine Flucht nicht möglich ist.
  • Soziale Konflikte: Im Rahmen des Sozialverhaltens dient das Ausschlagen der Durchsetzung von Rangordnung, der Verteidigung von Ressourcen wie Futter oder Wasser und dem Schutz des individuellen Distanzbereichs. In Pferdeherden ist es ein häufiges Element des agonistischen Verhaltens zwischen Stuten.
  • Territoriale Auseinandersetzungen: Hengste und andere männliche Tiere setzen Ausschlagen in Kombinationssequenzen mit Beißen, Steigen und Drängen ein, um Rivalen aus einem beanspruchten Territorium oder einem Haremverband zu vertreiben.
  • Schmerzreaktion und Irritation: Insektenstiche, unsachgemäße Berührung, schlecht sitzende Ausrüstung oder medizinische Eingriffe können Ausschlagen provozieren.
  • Überschussbewegungen und Spielverhalten: Junge Fohlen und Kälber schlagen spielerisch aus, was der motorischen Übung und der Perfektionierung der Bewegungskoordination dient. Auch bei adulten Tieren kann Ausschlagen als Ausdruck von Übermut oder Erregung auftreten, etwa beim Freilauf nach längerer Stallhaltung.

Funktional betrachtet ist das Ausschlagen ein multivalentes Signal: Es wirkt physisch als Waffe, gleichzeitig als visuelle und akustische Kommunikation (das Anheben der Hinterhand und das Geräusch des Huftritts signalisieren Artgenossen die Bereitschaft zur Eskalation). Häufig genügt bereits ein angedeutetes Ausschlagen als Drohgebärde, um den Konflikt zu deeskalieren – eine ritualisierte Form des Verh