T Tierlexikon.net
← Lexikon

Drosselrohrsänger

D

Tierart – Vögel > Singvögel – Grasmücken & Laubsänger

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Acrocephalus arundinaceus
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Familie: Rohrsänger (Acrocephalidae)
  • Gattung: Acrocephalus
  • Lebensraum: Ausgedehnte Schilfbestände an Seen, Flüssen und Teichen
  • Größe: 16–21 cm (Körperlänge)
  • Gewicht: 25–40 g
  • Lebenserwartung: Etwa 8–10 Jahre (Höchstalter nachgewiesen bis 12 Jahre)

Aussehen & Merkmale

Der Drosselrohrsänger ist der größte europäische Vertreter der Gattung Acrocephalus und damit deutlich kräftiger gebaut als seine nahen Verwandten, der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) und der Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris). Die Oberseite des Gefieders zeigt ein warmes, gleichmäßiges Olivbraun, das an den Flügeln etwas dunkler ausfällt. Die Unterseite ist heller, rahmweiß bis blass beige, mit einer leichten bräunlichen Tönung an Flanken und Brust. Über dem Auge verläuft ein heller, diffuser Überaugenstreif, der allerdings weniger kontrastreich ist als bei manchen verwandten Arten.

Der Schnabel ist lang, kräftig und an der Basis breit – ein Merkmal, das den Drosselrohrsänger sofort von kleineren Rohrsängerarten unterscheidet. Die Beine sind kräftig und graubraun gefärbt, was dem Vogel einen sicheren Halt an Schilfhalmen ermöglicht. Die Geschlechter unterscheiden sich äußerlich nicht. Jungvögel ähneln den Altvögeln, zeigen jedoch gelegentlich eine etwas intensiver rostbraune Tönung am Bürzel und an den Oberschwanzdecken.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Drosselrohrsängers erstreckt sich von Westeuropa über Mitteleuropa und Osteuropa bis nach Zentralasien und in die westliche Mongolei. In Skandinavien erreicht die Art ihre nördliche Verbreitungsgrenze, auf der Iberischen Halbinsel und in Nordafrika die südwestliche. Als obligater Langstreckenzieher überwintert der Drosselrohrsänger im tropischen Afrika südlich der Sahara, vornehmlich in den Feuchtgebieten Ost- und Südostafrikas.

Sein bevorzugtes Habitat sind ausgedehnte, dichte Schilfbestände (Phragmites australis) an Seen, Fischteichen, langsam fließenden Flüssen und in Verlandungszonen. Der Drosselrohrsänger benötigt dabei im Vergleich zu anderen Rohrsängerarten besonders hohe und kräftige Schilfhalme, da er aufgrund seines Gewichts dünne Halme nicht nutzen kann. Kleinflächige oder lückige Schilfbestände werden in der Regel gemieden. Dieses spezifische Biotop macht ihn zu einem guten Indikator für die ökologische Qualität von Röhrichtbeständen.

In Deutschland kommt die Art vor allem in den Tieflagen Nord- und Ostdeutschlands vor, wo geeignete Feuchtgebiete mit großflächigem Schilfgürtel vorhanden sind. In den Mittelgebirgsregionen und im Alpenvorland ist der Drosselrohrsänger deutlich seltener oder fehlt ganz.

Ernährung

Der Drosselrohrsänger ernährt sich überwiegend von Insekten und deren Larven. Zu seinem Nahrungsspektrum gehören Libellen, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Käfer, Schmetterlinge und Blattläuse. Spinnen werden ebenfalls häufig erbeutet. Gelegentlich frisst die Art auch kleine Schnecken, Würmer und während der Zugzeit vereinzelt Beeren.

Die Nahrungssuche erfolgt vorwiegend im Schilf selbst: Der Vogel klettert geschickt an den Halmen entlang und liest Beute von Blättern und Stängeln ab. Gelegentlich werden Insekten auch im kurzen Flug aus der Luft gefangen. Selten sucht der Drosselrohrsänger am Boden oder auf Schwimmblättern nach Nahrung.

Verhalten & Lebensweise

Der Drosselrohrsänger ist tagaktiv, allerdings beginnt der Gesang bereits in der Morgendämmerung und kann sich bis in die Nachtstunden hinein erstrecken. Der Gesang ist ein besonders auffälliges Artmerkmal: laut, rau und rhythmisch, mit charakteristischen krächzenden und schnarrenden Elementen wie „karre-karre-kiet-kiet-kiet". Er gehört zu den lautesten Vogelstimmen im europäischen Schilfgürtel und ist über mehrere hundert Meter hörbar. Das Männchen singt ausdauernd von exponierten Schilfhalmen aus und markiert damit sein Revier.

Die Art ist territorial; Männchen verteidigen ihr Revier energisch gegen Artgenossen. Die Reviere werden unmittelbar nach der Ankunft aus dem Winterquartier – in Mitteleuropa zwischen Ende April und Mitte Mai – besetzt. Der Drosselrohrsänger lebt in der Regel fakultativ polygyn, das heißt, ein Männchen kann mit zwei oder gelegentlich drei Weibchen verpaart sein, wenn das Revier ausreichend groß und nahrungsreich ist.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz erfolgt über intensiven Gesang und auffällige Haltungen im Schilf. Das Weibchen baut das Nest eigenständig, ein tief napfförmiges, kunstvoll geflochtenes Gebilde, das an mehreren aufrechten Schilfhalmen befestigt und über der Wasseroberfläche angebracht wird. Als Nistmaterial dienen trockene Schilfblätter, Grashalme, Pflanzenfasern und Spinnengewebe.

Das Gelege besteht aus vier bis sechs Eiern, die bläulich-grün gefärbt und mit dunklen Flecken und Schnörkeln versehen sind. Die Brutdauer beträgt etwa 13 bis 15 Tage. Beide Altvögel füttern die Nestlinge, die nach 12 bis 14 Tagen das Nest verlassen. Die Jungvögel werden nach dem Ausfliegen noch einige Tage im Schilf von den Eltern geführt und mit Nahrung ver