Greifvogel
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Definition und Überblick
Als Greifvögel werden tagaktive Raubvögel aus der Ordnung der Accipitriformes sowie der Falkenartigen (Falconiformes) bezeichnet. Gemeinsam ist ihnen eine räuberische Lebensweise, ein kräftiger Hakenschnabel, scharfe Krallen (Fänge) und ein außerordentlich leistungsfähiges Sehvermögen. Die Gruppe umfasst weltweit rund 340 Arten, darunter Adler, Bussarde, Habichte, Milane, Weihen, Geier und Falken. In Mitteleuropa brüten etwa 35 Greifvogelarten regelmäßig.
Obwohl die Bezeichnung „Greifvogel" im allgemeinen Sprachgebrauch oft auch Eulen einschließt, werden diese in der zoologischen Systematik als eigenständige Ordnung (Strigiformes) geführt. Greifvögel im engeren Sinn sind ausschließlich tagaktiv oder dämmerungsaktiv.
Systematik und Verwandtschaft
Die moderne Taxonomie teilt die Greifvögel in zwei nicht näher miteinander verwandte Ordnungen auf:
- Accipitriformes – Hierzu gehören die Familien der Habichtartigen (Accipitridae) mit Bussarden, Adlern, Habichten, Sperbern, Milanen und Weihen, die Fischadler (Pandionidae), die Sekretäre (Sagittariidae) sowie die Neuweltgeier (Cathartidae).
- Falconiformes – Diese Ordnung umfasst ausschließlich die Falkenartigen (Falconidae), zu denen Wanderfalke, Turmfalke, Merlin und Gerfalke zählen.
Molekulargenetische Untersuchungen haben gezeigt, dass Falken näher mit Papageien und Sperlingsvögeln verwandt sind als mit den Habichtartigen. Die äußerlichen Ähnlichkeiten zwischen Falken und anderen Greifvögeln sind demnach ein Ergebnis konvergenter Evolution – ähnliche Lebensweisen haben unabhängig voneinander zu ähnlichen Körperbaumerkmalen geführt.
Körperbau und Anpassungen
Der Körperbau der Greifvögel ist auf das Ergreifen und Töten von Beute ausgelegt. Die Fänge – so die fachsprachliche Bezeichnung für die Füße – tragen kräftige, gebogene Krallen, mit denen Beutetiere gegriffen und getötet werden. Der Hakenschnabel mit der scharfen Oberschnabelkante dient dem Zerreißen der Nahrung, nicht dem eigentlichen Beutefang.
Das Sehvermögen übertrifft das des Menschen um ein Vielfaches. Greifvögel besitzen in der Netzhaut eine besonders hohe Dichte an Sinneszellen und verfügen über zwei Foveae (Sehgruben), die sowohl scharfes Frontal- als auch Seitensehen ermöglichen. Ein Steinadler kann ein Kaninchen aus über zwei Kilometern Entfernung erkennen.
Die Flügelform variiert je nach Jagdstrategie erheblich. Falken besitzen spitze, schmale Schwingen für den schnellen Verfolgungsflug. Bussarde und Adler haben breite, gefingerte Flügel, die langes Kreisen in der Thermik erlauben. Habichte und Sperber zeigen kurze, abgerundete Flügel in Kombination mit einem langen Schwanz – ideal für wendige Manöver in dichter Vegetation.
Ernährung und Jagdverhalten
Das Nahrungsspektrum der Greifvögel ist breit gefächert. Je nach Art werden Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische oder Insekten erbeutet. Einige Arten wie der Wespenbussard haben sich auf Insektenlarven spezialisiert, während Geier als Aasfresser eine ökologische Sonderstellung einnehmen.
Die Jagdstrategien sind ebenso vielfältig:
- Stoßflug – Der Wanderfalke stürzt sich im Sturzflug (Stoop) mit Geschwindigkeiten von über 300 km/h auf fliegende Beute und gilt damit als schnellstes Tier der Welt.
- Ansitzjagd – Mäusebussard und Turmfalke beobachten von erhöhten Warten oder im Rüttelflug das Gelände und schlagen dann gezielt zu.
- Pirschflug – Habicht und Sperber nutzen Deckung und überraschen ihre Beute durch kurze, explosive Beschleunigung.
- Suchflug – Weihen und Milane patrouillieren niedrig über offenes Gelände und greifen Beute im Überraschungsangriff.
Fortpflanzung und Lebensweise
Die meisten Greifvögel leben monogam und besetzen Reviere, die sie gegen Artgenossen verteidigen. Die Balz umfasst häufig spektakuläre Flugmanöver wie Girlandenflüge, bei denen das Männchen in wellenförmigen Bahnen über dem Brutrevier fliegt.
Der Horst – das Nest der Greifvögel – wird auf Bäumen, Felsvorsprüngen oder am Boden errichtet. Große Arten wie Seeadler nutzen denselben Horst über Jahrzehnte und bauen ihn stetig aus, sodass er mehrere Meter Durchmesser und ein Gewicht von über einer Tonne erreichen kann.
Die Gelegegröße reicht je nach Art von einem Ei (bei großen Adlern) bis zu sechs oder sieben Eiern (bei Turmfalken). Die Brutdauer beträgt zwischen 28 und 45 Tagen. Größere Arten weisen eine lange Jugendentwicklung auf und erreichen die Geschlechtsreife oft erst mit vier bis sechs Jahren. Die Lebenserwartung liegt bei kleineren Arten wie dem Sperber bei etwa 10 Jahren, während große Adler in freier Wildbahn 25 bis 30 Jahre alt werden können.
Lebensraum und Verbreitung
Greifvögel besiedeln nahezu alle Lebensräume der Erde – von der arktischen Tundra über tropische Regenwälder bis hin zu Wüsten und Hochgebirgen. Einige Arten wie der Wanderfalke zählen zu den am weitesten verbreiteten Vögeln überhaupt und kommen auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor. Andere Arten, etwa der Philippinenadler, haben extrem kleine Verbreitungsgebi