Henne
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Definition und Überblick
Als Henne wird das geschlechtsreife weibliche Haushuhn (Gallus gallus domesticus) bezeichnet. Der Begriff grenzt sich vom Hahn (männliches Tier) und vom Küken (Jungtier) ab. Eine junge weibliche Hühnerform, die noch nicht in der Lage ist, Eier zu legen, wird als Junghennen oder Pullet bezeichnet. Erst mit Erreichen der Legereife – je nach Rasse zwischen der 18. und 24. Lebenswoche – gilt das Tier als Henne im eigentlichen Sinn. In der Geflügelzucht und Nutztierhaltung nimmt die Henne eine zentrale Rolle ein, da sie sowohl für die Eierproduktion als auch für die Nachzucht unverzichtbar ist.
Der Begriff Henne wird darüber hinaus auch bei anderen Vogelarten verwendet, etwa bei Puten, Fasanen, Rebhühnern oder Pfauen. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezieht er sich jedoch fast ausschließlich auf das weibliche Haushuhn.
Geschlechtsmerkmale und Unterscheidung vom Hahn
Die Henne unterscheidet sich vom Hahn durch eine Reihe äußerer Geschlechtsmerkmale, die als Sexualdimorphismus zusammengefasst werden. Hennen sind in der Regel kleiner und leichter als Hähne derselben Rasse. Ihr Kamm und ihre Kehllappen fallen deutlich kleiner aus. Das Gefieder ist häufig schlichter gefärbt und dient in der natürlichen Umgebung als Tarnung während der Brut. Hennen besitzen keine Sporen an den Läufen – oder nur rudimentär ausgeprägte – und tragen kürzere, weniger gebogene Sichelfedern am Schwanz.
Die Geschlechtsbestimmung bei Küken, das sogenannte Sexen, erfolgt in der Praxis auf unterschiedliche Weise:
- Kloakenuntersuchung (japanische Methode): Ein geschulter Fachmann erkennt anhand winziger anatomischer Unterschiede an der Kloake das Geschlecht bereits am ersten Lebenstag.
- Federsexen: Bei bestimmten Zuchtlinien unterscheiden sich männliche und weibliche Küken durch die Länge der Flügelfedern.
- Farbsexen: Durch gezielte Kreuzung lassen sich Hennen- und Hahnenküken anhand der Daunenfarbe unterscheiden.
- In-ovo-Geschlechtsbestimmung: Neuere Verfahren ermöglichen die Bestimmung des Geschlechts bereits im bebrüteten Ei, um das Töten männlicher Eintagsküken zu vermeiden.
Fortpflanzung und Brutverhalten
Die Henne verfügt über einen einzigen funktionsfähigen Eierstock (in der Regel den linken) sowie einen Eileiter, in dem die Eizelle heranreift, befruchtet werden kann und mit Eiweiß, Schalenhaut und Kalkschale umhüllt wird. Der gesamte Prozess der Eibildung dauert etwa 24 bis 26 Stunden.
Zur Befruchtung kommt es durch die sogenannte Kloakenpressung (auch Tretakt genannt), bei der der Hahn die Henne besteigt und die Kloaken kurzzeitig aneinandergepresst werden. Die Henne kann Spermien in speziellen Drüsentaschen des Eileiters bis zu zwei Wochen speichern und so auch nach dem letzten Kontakt mit einem Hahn befruchtete Eier legen.
Nicht jedes Ei ist befruchtet. Hennen legen auch ohne Anwesenheit eines Hahnes Eier – diese sind dann unbefruchtet und können nicht ausgebrütet werden. In der kommerziellen Legehennenhaltung werden Hennen grundsätzlich ohne Hähne gehalten.
Zeigt eine Henne Brutverhalten (Glucke), setzt sie sich dauerhaft auf ein Gelege, dreht die Eier regelmäßig und verlässt das Nest nur kurz zur Nahrungs- und Wasseraufnahme. Die Brutdauer beim Haushuhn beträgt 21 Tage. Nicht alle Hennen werden glucking – durch Zucht auf hohe Legeleistung wurde der Bruttrieb bei vielen modernen Hybridrassen weitgehend herausgezüchtet. Alte Rassen wie das Seidenhuhn, die Cochin oder die Wyandotte zeigen den Bruttrieb dagegen noch zuverlässig.
Legeleistung und Nutzung
Die Legeleistung einer Henne variiert stark nach Rasse, Haltung, Fütterung und Lichtverhältnissen. Moderne Legehybriden wie die Lohmann Brown oder die LSL Classic erreichen über 300 Eier pro Jahr. Alte und seltene Hühnerrassen, sogenannte Zweinutzungsrassen, liegen häufig bei 150 bis 200 Eiern jährlich, bringen dafür aber auch einen brauchbaren Fleischansatz mit.
Die Legeleistung nimmt mit zunehmendem Alter ab. Nach der ersten Legeperiode folgt in der Regel eine Mauser, bei der die Henne ihr Gefieder erneuert und eine Legepause einlegt. In der zweiten Legeperiode sinkt die Eierproduktion um etwa 10 bis 20 Prozent. In der industriellen Haltung werden Legehennen daher häufig nach 12 bis 15 Monaten Nutzung ausgestallt und durch Junghennen ersetzt.
In der Rassegeflügelzucht werden Hennen gezielt nach bestimmten Kriterien ausgewählt: Körperbau, Gefiederfarbe, Kammform, Legeleistung und Bruteigenschaften spielen bei der Selektion eine wesentliche Rolle. Die Zuchtbuchführung dokumentiert Abstammung und Leistungsdaten jeder Henne.
Sozialverhalten und Stellung in der Gruppe
Innerhalb einer Hühnerherde bilden Hennen eine Hackordnung – eine lineare oder nahezu lineare Rangfolge, die durch Auseinandersetzungen in Form von Schnabelhieben und Drohen etabliert wird. Ranghöhere Hennen haben bevorzugten Zugang zu Futter,