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Hündin

H

Zucht & Fortpflanzung > Geschlecht & Status

Definition und Begriffsklärung

Als Hündin wird das weibliche Tier der Art Canis lupus familiaris – des Haushundes – bezeichnet. Der Begriff leitet sich vom althochdeutschen Wort „hunta" ab und ist die geschlechtsspezifische Bezeichnung im Gegensatz zum Rüden, dem männlichen Hund. In der Fachsprache der Kynologie, der Hundezucht und der Veterinärmedizin wird die Hündin auch als Fähe bezeichnet, wobei dieser Ausdruck ursprünglich aus der Jägersprache stammt und dort allgemein weibliche Caniden – einschließlich Wölfinnen und Füchsinnen – meint. Im Zuchtkontext ist die genaue Unterscheidung des Geschlechts grundlegend, da sich Hündinnen in Physiologie, Verhalten und züchterischer Nutzung erheblich vom Rüden unterscheiden.

Anatomie und geschlechtsspezifische Merkmale

Hündinnen unterscheiden sich vom Rüden durch mehrere äußere und innere Merkmale. Äußerlich ist die Vulva (Scheidenöffnung) das primäre Geschlechtsmerkmal. Im Vergleich zum Rüden sind Hündinnen derselben Rasse in der Regel etwas kleiner, leichter und zierlicher gebaut. Rassestandards vieler Zuchtverbände definieren daher getrennte Größen- und Gewichtsspannen für beide Geschlechter.

Die inneren Geschlechtsorgane der Hündin umfassen:

  • Eierstöcke (Ovarien) – die paarig angelegten Keimdrüsen, in denen Eizellen heranreifen und Geschlechtshormone produziert werden
  • Eileiter (Tuben) – die Verbindung zwischen Eierstöcken und Gebärmutter, in denen die Befruchtung stattfindet
  • Gebärmutter (Uterus) – ein zweihörniges Organ (Uterus bicornis), in dem sich die Welpen entwickeln
  • Scheide (Vagina) und Scheidenvorhof (Vestibulum) – der Geburtskanal

Der Sexualzyklus der Hündin

Im Gegensatz zu vielen anderen Haustieren ist die Hündin monoöstrisch – sie durchläuft typischerweise nur ein bis zwei Läufigkeiten pro Jahr. Der vollständige Zyklus wird in vier Phasen unterteilt:

  • Proöstrus (Vorbrunst) – Diese Phase dauert etwa 7 bis 10 Tage. Die Vulva schwillt an, es tritt blutiger Vaginalausfluss auf. Die Hündin ist für Rüden noch nicht deckbereit, zieht aber bereits deren Aufmerksamkeit auf sich.
  • Östrus (Brunst/Standhitze) – In dieser 5 bis 10 Tage dauernden Phase findet der Eisprung (Ovulation) statt. Der Ausfluss wird heller und wässriger. Die Hündin zeigt Duldungsbereitschaft und akzeptiert den Deckakt. Der optimale Deckzeitpunkt liegt meist zwischen dem 10. und 14. Tag nach Beginn der Läufigkeit, variiert jedoch individuell erheblich.
  • Metöstrus (Nachbrunst) – Die Phase nach der Brunst dauert etwa 9 bis 12 Wochen. Bei einer erfolgreichen Belegung entwickelt sich die Trächtigkeit. Auch ohne Trächtigkeit bildet der Gelbkörper (Corpus luteum) Progesteron, was bei manchen Hündinnen zu einer Scheinträchtigkeit führen kann.
  • Anöstrus (Ruhephase) – Die hormonelle Ruhephase zwischen zwei Zyklen dauert mehrere Monate und dient der Regeneration des Reproduktionstrakts.

Die erste Läufigkeit tritt je nach Rasse im Alter von 6 bis 24 Monaten ein. Kleine Rassen werden tendenziell früher geschlechtsreif als große und Riesenrassen. Die Geschlechtsreife ist jedoch nicht gleichbedeutend mit der Zuchtreife – die meisten Zuchtverbände schreiben ein Mindestalter und bestandene Gesundheitsprüfungen vor, bevor eine Hündin zur Zucht eingesetzt werden darf.

Trächtigkeit und Geburt

Die Tragezeit der Hündin beträgt durchschnittlich 63 Tage (58 bis 68 Tage nach dem Deckakt). Die Wurfgröße variiert stark nach Rasse und individueller Veranlagung – von einem einzelnen Welpen bei Zwergrassen bis zu über 12 Welpen bei großen Rassen. Während der Trächtigkeit steigt der Nährstoffbedarf der Hündin vor allem im letzten Drittel deutlich an.

Die Geburt (Partus) verläuft in drei Phasen: Eröffnungsphase mit Wehen und Unruhe, Austreibungsphase mit der eigentlichen Geburt der Welpen und Nachgeburtsphase mit dem Abgang der Plazenten. Eine gesunde Hündin bewältigt die Geburt in der Regel selbstständig, durchbeißt die Nabelschnur und leckt die Welpen trocken. Dennoch sollte der Züchter den Ablauf überwachen, um bei Komplikationen wie einer Geburtsstockung (Dystokie) rechtzeitig tierärztliche Hilfe einzuholen.

Bedeutung in der Hundezucht

In der planmäßigen Rassehundezucht nimmt die Hündin eine zentrale Stellung ein. Sie wird häufig als Zuchthündin bezeichnet, sobald sie für die Zucht zugelassen ist. Die Auswahl geeigneter Hündinnen erfolgt anhand von Rassestandard, Gesundheitsbefunden, Wesensbeurteilung und Abstammung. Die Zuchtverbände führen Zuchtbücher, in denen Abstammung und Wurfmeldungen dokumentiert werden.

Die Anzahl der Würfe, die eine Hündin im Laufe ihres Lebens haben darf, ist durch die Zuchtordnungen begrenzt. Die meisten Vereine unter dem Dach der FCI (Fédération Cynologique Internationale) gestatten höchstens einen Wurf pro Jahr und setzen eine Altersgrenze für den letzten Zuchteinsatz fest – häufig liegt diese bei acht Jahren. Diese Regelungen dienen dem Schutz der Gesundheit und des Wohlbefindens der Mutterhündin.