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Mobbing

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Verhalten > Auffälligkeiten & Problemverhalten

Definition & Überblick

Der Begriff Mobbing (englisch mobbing, abgeleitet von to mob – bedrängen, anpöbeln) bezeichnet in der Ethologie ein kollektives Abwehr- und Belästigungsverhalten, bei dem eine Gruppe von Tieren gemeinsam gegen einen tatsächlichen oder vermeintlichen Feind vorgeht. Der Terminus wurde 1952 vom Verhaltensforscher Konrad Lorenz in die Verhaltensbiologie eingeführt, nachdem er das Phänomen systematisch bei Vögeln dokumentiert hatte. In der angloamerikanischen Fachliteratur wird synonym häufig der Begriff harassment verwendet.

Im Gegensatz zum umgangssprachlichen Gebrauch, der Mobbing als dauerhaftes Schikanieren eines Individuums innerhalb einer Gruppe beschreibt, meint der ethologische Fachbegriff primär die gemeinschaftliche Feindabwehr. Allerdings existieren im Tierreich durchaus auch Verhaltensweisen, die dem menschlichen Verständnis von Mobbing nahekommen – etwa das systematische Ausgrenzen, Bedrängen und Attackieren einzelner Gruppenmitglieder. Beide Phänomene werden im vorliegenden Artikel behandelt.

Biologischer Hintergrund

Mobbing als Feindabwehr ist ein angeborenes Verhaltensmuster, das durch bestimmte Schlüsselreize ausgelöst wird. Der Anblick eines Prädators – etwa einer ruhenden Eule am Tagesschlafplatz – aktiviert bei vielen Singvogelarten einen Instinkt, der sie zur Annäherung und zum lautstarken Alarm treibt. Dieses Verhalten widerspricht zunächst dem Fluchtreflex und stellt ein Paradoxon dar: Die potenzielle Beute nähert sich aktiv dem Fressfeind.

Neurobiologisch wird Mobbing durch eine Verschiebung im Gleichgewicht zwischen Flucht- und Angriffsmotivation erklärt. Die Anwesenheit mehrerer Artgenossen senkt die individuelle Hemmschwelle – ein Phänomen, das als Social Facilitation (soziale Erleichterung) bekannt ist. Die Stresshormonausschüttung, insbesondere von Corticosteron und Adrenalin, versetzt die beteiligten Tiere in einen Zustand erhöhter Erregung und Handlungsbereitschaft.

Bei der innerartlichen Form des Mobbings spielen hingegen soziale Hierarchien und Ressourcenkonkurrenz eine zentrale Rolle. Ranghohe Individuen können Koalitionen bilden, um rangtiefere Tiere systematisch von Futterquellen, Schlafplätzen oder Fortpflanzungspartnern fernzuhalten. Hier kommen Mechanismen der operanten Konditionierung zum Tragen: Erfolgreiches Verdrängen wird durch den Zugang zur Ressource positiv verstärkt.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

Mobbing im Sinne der kollektiven Feindabwehr ist im Tierreich weit verbreitet:

  • Vögel: Singvögel wie Amseln, Meisen, Buchfinken und Krähen zeigen ausgeprägtes Hassen (so die deutschsprachige Fachbezeichnung) gegenüber Greifvögeln und Eulen. Auch Möwen, Seeschwalben und Kiebitzen mobben Prädatoren gemeinschaftlich. Krähenvögel sind dafür bekannt, Habichte und Bussarde über weite Strecken zu verfolgen.
  • Säugetiere: Erdmännchen, Paviane und andere Primaten vertreiben Schlangen und kleine Raubtiere durch koordinierte Gruppenaktionen. Moschusochsen formieren sich zu einem Verteidigungsring gegen Wölfe – eine Sonderform des Mobbings, die als kooperative Feindabwehr klassifiziert wird.
  • Fische: Schwarmfische wie Barsche und Doktorfische bedrängen gelegentlich einzelne Raubfische durch synchrones Heranschwimmen.
  • Insekten: Honigbienen umhüllen eindringende Hornissen in einer sogenannten Bienentraube und töten sie durch Überhitzung – eine hochspezialisierte Form gemeinschaftlicher Verteidigung.

Innerartliches Mobbing im Sinne von Ausgrenzung und systematischer Aggression gegen Einzeltiere findet sich besonders bei sozial lebenden Arten mit komplexer Gruppenstruktur: Hühner (bekannt als Federpicken), Pferde, Schafe, Primaten und zahlreiche in Gruppen gehaltene Heimtiere wie Meerschweinchen und Kaninchen.

Auslöser & Funktion

Das zwischenartliche Mobbing erfüllt mehrere adaptive Funktionen, die seinen scheinbar riskanten Charakter evolutionsbiologisch rechtfertigen:

  • Vertreibung des Prädators: Durch permanente Belästigung wird der Beutegreifer zum Ortswechsel gezwungen, was die unmittelbare Gefahr für Brut und Nachwuchs reduziert.
  • Kommunikation und Warnung: Mobbing-Rufe informieren Artgenossen und artfremde Tiere über die Anwesenheit eines Feindes. Diese akustische Kommunikation funktioniert als überartliches Alarmsystem.
  • Lernfunktion: Unerfahrene Jungtiere lernen durch Beobachtung, welche Arten als Feinde einzustufen sind. Studien an Amseln (Turdus merula) zeigten, dass Jungvögel Feindbilder durch soziale Tradierung übernehmen, selbst wenn sie den Prädator zuvor nie erlebt hatten.
  • Inspektion: Die Annäherung an den Feind liefert Informationen über dessen Motivationszustand – ein hungriger, jagdbereiter Greifvogel löst stärkeres Mobbing aus als ein satter, ruhender.

Innerartliches Mobbing wird dagegen häufig durch Stress, Enge, Ressourcenmangel und gestörte Sozialstrukturen ausgelöst. Fremde Individuen, kranke oder geschwächte Tiere sowie solche mit abweichendem Erscheinungsbild werden bevorzugt zu Opfern. In der Verhaltensökologie wird dies teilweise als Mechanismus zur Stabilisierung der Gruppenhomogenität interpretiert.

Bedeutung für die Haltung

In der Tierhaltung stellt innerartliches Mobbing ein gravierendes Tierschutzproblem dar. In Legehennenbetrieben kann exzessives