Schnauben
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Definition & Überblick
Als Schnauben wird ein kurzes, stoßartiges Ausstoßen von Luft durch die Nüstern oder die Nase bezeichnet, das bei zahlreichen Säugetierarten als akustisches Signal dient. Es handelt sich um eine Form der vokalen bzw. respiratorischen Kommunikation, die je nach Tierart, Kontext und Intensität unterschiedliche Bedeutungen transportiert. In der Ethologie wird Schnauben den sogenannten nichttonalen Lautäußerungen zugeordnet, da es nicht durch Schwingungen der Stimmlippen erzeugt wird, sondern primär durch einen forcierten Luftstrom entsteht, der die Weichteile der Nasenhöhle in Vibration versetzt.
Schnauben kann sowohl als Warnsignal, als Ausdruck emotionaler Erregung, als Kommunikationsmittel im Sozialverhalten oder als rein physiologischer Reinigungsmechanismus der Atemwege auftreten. Die korrekte Interpretation erfordert stets die Berücksichtigung der Gesamtkörpersprache, des sozialen Kontexts und der artspezifischen Verhaltensrepertoires.
Biologischer Hintergrund
Aus physiologischer Sicht entsteht Schnauben durch eine abrupte Kontraktion der Bauch- und Zwischenrippenmuskulatur, die einen kräftigen Luftstoß durch die Nasengänge presst. Dabei werden die Nasenflügel kurzzeitig geweitet, und der resultierende Luftstrom kann Geschwindigkeiten erreichen, die ausreichen, um Fremdpartikel, Staub oder Insekten aus den oberen Atemwegen zu entfernen. Diese mechanische Reinigungsfunktion bildet vermutlich den evolutionären Ursprung des Verhaltens.
Im Laufe der Phylogenese hat sich das Schnauben bei vielen Arten jedoch über diese rein physiologische Funktion hinaus zu einem kommunikativen Signal entwickelt – ein Prozess, den Ethologen als Ritualisierung bezeichnen. Das ursprünglich funktionale Verhalten wurde dabei in seiner Form übertrieben, stereotypisiert und als Signalhandlung in das Verhaltensrepertoire integriert. Das Schnauben aktiviert bei Artgenossen häufig angeborene Reaktionsmuster, was auf eine starke instinktive Komponente sowohl auf Sender- als auch auf Empfängerseite hindeutet.
Neurophysiologisch steht Schnauben in engem Zusammenhang mit dem autonomen Nervensystem. Es tritt bevorzugt in Situationen sympathischer Aktivierung auf – also bei Stress, Angst, Erregung oder erhöhter Wachsamkeit. Die enge Kopplung an das Arousal-System erklärt, warum Schnauben häufig gemeinsam mit anderen Erregungsindikatoren wie aufgestellten Ohren, Schwanzschlagen oder erhöhter Muskelspannung beobachtet wird.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Schnauben ist im Tierreich weit verbreitet und besonders gut dokumentiert bei folgenden Gruppen:
- Pferde (Equiden): Schnauben gehört zu den am häufigsten beobachteten Lautäußerungen bei Pferden. Eine vielbeachtete Studie von Stomp et al. (2018) zeigte, dass Schnauben bei Pferden mit positiven emotionalen Zuständen und Entspannung korreliert – eine Erkenntnis, die das bis dahin vorherrschende Bild des Schnaubens als reines Erregungssignal differenziert hat.
- Rinder und Bisons: Rinder schnauben vorwiegend bei Unsicherheit, bei der Konfrontation mit unbekannten Reizen und als Warnsignal gegenüber Herdenmitgliedern. Bisons setzen explosives Schnauben als Drohgebärde im Kontext territorialer oder hierarchischer Auseinandersetzungen ein.
- Hirsche und Antilopen: Viele Cerviden und Boviden nutzen Schnauben als Alarmruf. Ein schnaubendes Reh etwa signalisiert Artgenossen, dass ein potenzieller Fressfeind wahrgenommen wurde. Diese Prädator-Kommunikation kann zugleich dem Feind signalisieren, dass er entdeckt wurde – ein Phänomen, das als Perception Advertisement bekannt ist.
- Katzen: Das Schnauben bei Katzen (oft als Fauchen-Schnauben-Komplex beschrieben) tritt als defensive Drohreaktion auf und ist häufig mit einer typischen Körperhaltung – Buckel, angelegte Ohren, gesträubtes Fell – verbunden.
- Nagetiere: Ratten, Chinchillas und Meerschweinchen zeigen Schnauben als Ausdruck von Irritation oder Unbehagen. Bei Igeln dient rhythmisches Schnauben der akustischen Erkundung der Umgebung.
- Wildtiere wie Nashörner, Nilpferde und Tapire: Bei diesen Großsäugern ist Schnauben ein zentrales Element der innerartlichen Kommunikation, das Dominanz, Erregung oder Revieransprüche signalisieren kann.
Auslöser & Funktion
Die Auslöser für Schnauben lassen sich in mehrere Kategorien einteilen:
- Wahrnehmung potenzieller Gefahren: Unbekannte Gerüche, plötzliche Bewegungen oder fremde Objekte lösen Schnauben als Teil der Orientierungsreaktion aus. Es dient hier sowohl der Selbstberuhigung durch Freiräumen der Atemwege für optimale olfaktorische Wahrnehmung als auch der Warnung von Artgenossen.
- Soziale Interaktion: Innerhalb einer Gruppe kann Schnauben Dominanz unterstreichen, Distanz einfordern oder als Beschwichtigungssignal wirken – je nach Art und Kontext.
- Emotionale Zustände: Neben negativen Emotionen wie Angst und Frustration kann Schnauben, wie bei Pferden gezeigt, auch Ausdruck von Wohlbefinden und Entspannung sein. Diese Ambivalenz macht eine kontextsensitive Interpretation zwingend erforderlich.
- Physiologische Auslöser: Staub, Pollen, Reizgase oder Fremdkörper in der Nase lösen reflexartiges Schnauben aus, das rein mechanisch motiviert ist und nicht der Kommunikation dient.
Funktional betrachtet erfüllt Schnauben damit mindestens vier Aufgaben: