Schnurren
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Definition & Überblick
Das Schnurren bezeichnet eine niederfrequente, rhythmische Lautäußerung, die vor allem von Katzenartigen (Felidae) erzeugt wird und typischerweise im Frequenzbereich zwischen 20 und 150 Hertz liegt. Es handelt sich um ein kontinuierliches Vibrationssignal, das sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen produziert werden kann – ein Merkmal, das es von den meisten anderen Vokalisationen im Tierreich unterscheidet. In der Ethologie wird das Schnurren der akustischen Nahkommunikation zugeordnet, da es primär im direkten sozialen Kontakt zwischen Individuen auftritt und über größere Distanzen kaum wahrnehmbar ist.
Obwohl Schnurren im Alltag fast ausschließlich mit der Hauskatze (Felis catus) assoziiert wird, ist das Verhalten keineswegs auf diese Art beschränkt. Es erfüllt je nach Kontext unterschiedliche kommunikative und physiologische Funktionen, die weit über den oft angenommenen Ausdruck von Wohlbefinden hinausgehen.
Biologischer Hintergrund
Der genaue Mechanismus der Schnurrerzeugung war in der Veterinärmedizin und vergleichenden Anatomie lange umstritten. Die heute am weitesten akzeptierte Erklärung ist das sogenannte Kehlkopfmodell: Schnelle, rhythmische Kontraktionen der Kehlkopfmuskulatur (Musculi laryngeales) bewirken ein periodisches Öffnen und Schließen der Stimmritze (Glottis). Der dabei entstehende Luftstrom versetzt die Stimmbänder in Vibration und erzeugt das charakteristische, kontinuierliche Geräusch. Neuronale Impulse aus einem speziellen Oszillator im Hirnstamm steuern diese Muskelkontraktionen mit einer Frequenz von etwa 25 bis 30 Zyklen pro Sekunde.
Eine 2024 veröffentlichte Studie der Universität Wien ergänzte dieses Modell um einen wichtigen Aspekt: In das Bindegewebe der Stimmlippen von Hauskatzen sind spezielle Kollagenpolster eingelagert, die als passive Dämpfungselemente wirken. Diese anatomische Besonderheit ermöglicht es, Vibrationen bei sehr niedrigem Atemdruck aufrechtzuerhalten – ohne permanent aktive Muskelarbeit leisten zu müssen. Das Schnurren ist damit energetisch erstaunlich effizient.
Bemerkenswert ist, dass die Vibration nicht auf den Kehlkopf beschränkt bleibt, sondern sich über das gesamte Skelett des Tieres ausbreitet. Dies hat zur Hypothese der Selbstheilung geführt: Frequenzen zwischen 25 und 50 Hertz stimulieren nachweislich die Osteoblastenaktivität und damit das Knochenwachstum. Einige Biologen vermuten, dass Schnurren eine evolutionäre Anpassung an den energiesparenden Lebensstil von Katzen darstellt, die bis zu 16 Stunden täglich ruhen und deren Knochen ohne mechanische Belastungsreize an Dichte verlieren würden.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Schnurren ist kein universelles Merkmal aller Katzenartigen, sondern folgt einer taxonomischen Aufteilung, die eng mit der Anatomie des Zungenbeins zusammenhängt:
- Kleinkatzen (Felinae): Hauskatze, Gepard (Acinonyx jubatus), Puma (Puma concolor), Luchs (Lynx lynx), Ozelot und zahlreiche weitere Arten besitzen ein vollständig verknöchertes Zungenbein und können typisch schnurren.
- Großkatzen (Pantherinae): Löwe, Tiger, Leopard und Jaguar besitzen ein teilweise knorpeliges Zungenbein, das zwar das Brüllen ermöglicht, das klassische Schnurren im engeren Sinne jedoch nicht. Sie können allerdings schnurrähnliche Laute beim Ausatmen erzeugen.
Außerhalb der Felidae wurden schnurrähnliche Vokalisationen bei weiteren Säugetieren dokumentiert:
- Schleichkatzen (Viverridae), etwa die Ginsterkatze
- Hyänen (Hyaenidae)
- Waschbären (Procyonidae)
- Einzelne Primatenarten, darunter Gorillas, die während der Nahrungsaufnahme tiefe, vibrierende Brummlaute äußern
Ob diese Lautäußerungen dem Schnurren der Katzen homolog (gemeinsamer evolutionärer Ursprung) oder lediglich analog (unabhängig entstanden, aber funktional ähnlich) sind, ist Gegenstand laufender vergleichender Forschung.
Auslöser & Funktion
Schnurren ist kein eindeutiges Signal mit einer einzigen Bedeutung. Der jeweilige Kontext bestimmt die Funktion maßgeblich:
- Soziale Bindung und Kontaktpflege: Katzenmütter schnurren während des Säugens, Welpen beginnen bereits ab dem zweiten Lebenstag mit dem Schnurren. Es dient als taktiles und akustisches Signal, das den Zusammenhalt zwischen Muttertier und Nachwuchs stärkt. Dieses frühkindliche Verhalten bleibt bei domestizierten Katzen durch Neotenie – das Beibehalten juveniler Verhaltensweisen im Erwachsenenalter – erhalten und wird auf den Menschen als Sozialpartner übertragen.
- Wohlbefinden und Entspannung: In Ruhephasen, beim Streicheln oder im entspannten Sozialkontakt tritt Schnurren als Ausdruck eines positiven emotionalen Zustands auf.
- Stress, Schmerz und Angst: Katzen schnurren nachweislich auch in Belastungssituationen – etwa bei Verletzungen, beim Tierarztbesuch oder kurz vor dem Tod. In diesem Kontext wird dem Schnurren eine selbstberuhigende Funktion zugeschrieben, vergleichbar mit Übersprungshandlungen oder Komfortverhalten unter Stress.
- Solicitation Purr (Bittschnurren): Forschungen der Universität Sussex zeigten, dass Hauskatzen ein spezielles Schnurrmuster entwickelt haben, das einen hochfrequenten Anteil (200–600 Hz) enthält und vom Menschen als dringlicher wahrgenommen wird. Dieses instrumentelle Verhalten dient der Futterbeschaffung und ist ein Beispiel für operante Konditionierung im Zusammenleben mit