T Tierlexikon.net
← Lexikon

Seidenschwanz

S

Tierart – Vögel > Singvögel – Würger & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Bombycilla garrulus
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Familie: Seidenschwänze (Bombycillidae)
  • Gattung: Bombycilla
  • Lebensraum: Boreale Nadelwälder (Taiga), im Winter auch Parks, Gärten und Siedlungsgebiete
  • Größe: 18–21 cm Körperlänge
  • Gewicht: 40–68 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 13 Jahre, durchschnittlich 5–6 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Seidenschwanz ist ein kompakter, starengroßer Singvogel mit einem auffälligen, seidig-weichen Gefieder, das ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat. Die Grundfärbung des Gefieders ist ein warmes Graubraun, das am Rücken etwas dunkler und an der Unterseite heller ausfällt. Besonders markant ist die spitz zulaufende Federhaube auf dem Kopf, die der Vogel je nach Erregungszustand aufstellen oder anlegen kann.

Das Gesicht ziert eine schwarze Gesichtsmaske, die von der Stirn über die Augen bis zum Hinterkopf verläuft und von einem schmalen weißen Rand eingefasst wird. Die Kehle ist ebenfalls schwarz gefärbt. Der kurze Schwanz endet in einer leuchtend gelben Binde, die bei skandinavischen Populationen gelegentlich orangerot ausfällt. Die Unterschwanzdecken sind kastanienbraun.

Ein namensgebendes Merkmal sind die wachsartigen, tropfenförmigen roten Anhängsel an den Spitzen der Armschwingen. Diese Strukturen bestehen aus verbreiterten, mit Carotinoid-Pigmenten angereicherten Federschaftenden. Ihre Anzahl nimmt mit dem Alter zu – ältere Vögel tragen bis zu acht dieser „Wachströpfchen" pro Flügel. Die Beine sind kurz und dunkelgrau, der Schnabel ist relativ kurz, breit und leicht nach unten gebogen. Männchen und Weibchen ähneln sich stark; Weibchen zeigen in der Regel eine schmalere Schwanzbinde und weniger Wachsplättchen an den Flügeln.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Seidenschwanzes erstreckt sich als breiter Gürtel über die boreale Zone der gesamten Nordhalbkugel. Die Brutgebiete liegen in der Taiga Skandinaviens, Nordrusslands und Sibiriens sowie im nördlichen Nordamerika. In Europa brütet die Art vor allem in Finnland, Schweden und Norwegen sowie im nördlichen Russland.

Als bevorzugtes Habitat dienen lichte Nadelwälder und Mischwälder der Taiga mit reichem Unterwuchs aus Beerensträuchern. Besonders Gebiete mit Wacholder, Ebereschen und Zwergbirken werden besiedelt. Im Winter verlässt der Seidenschwanz sein Brutgebiet und zieht in südlicher gelegene Regionen. In Mitteleuropa tritt er als Wintergast auf, wobei die Anzahl der eintreffenden Vögel von Jahr zu Jahr stark schwankt.

In sogenannten Invasionsjahren – ausgelöst durch Nahrungsmangel in den Brutgebieten und hohe Populationsdichten – können große Schwärme bis nach Süddeutschland, Österreich und in die Schweiz vordringen. Während dieser Invasionen sind Seidenschwänze häufig in Städten und Siedlungen anzutreffen, wo sie sich an Beerensträuchern in Parks, Gärten und an Straßenrändern einfinden.

Ernährung

Die Ernährung des Seidenschwanzes ist je nach Jahreszeit unterschiedlich zusammengesetzt. Während der Brutzeit im Sommer besteht die Nahrung überwiegend aus Insekten, die im Flug erbeutet werden – ähnlich wie bei Fliegenschnäppern. Mücken, Fliegen und andere Fluginsekten werden dabei von exponierten Sitzwarten aus in kurzen Flugmanövern gefangen.

Ab dem Spätsommer und während des gesamten Winterhalbjahres stellt der Seidenschwanz fast vollständig auf Beerennahrung um. Ebereschenbeeren, Mistelbeeren, Wacholderbeeren, Liguster, Schneeball und Hagebutten gehören zu den wichtigsten Nahrungsquellen. Die Vögel können in kurzer Zeit enorme Mengen an Beeren verzehren – täglich bis zum Doppelten ihres eigenen Körpergewichts. Der Verdauungstrakt ist an diese Ernährungsweise angepasst: Beeren passieren den Darm innerhalb von nur 15 bis 30 Minuten, wobei die Samen intakt ausgeschieden werden. Damit trägt der Seidenschwanz zur Verbreitung zahlreicher Pflanzenarten bei.

Verhalten & Lebensweise

Seidenschwänze sind ausgesprochen gesellige Vögel. Außerhalb der Brutzeit bilden sie Schwärme, die von wenigen Dutzend bis zu mehreren Tausend Individuen umfassen können. Diese Schwärme durchstreifen auf der Suche nach fruchtenden Bäumen und Sträuchern große Gebiete, ohne ein festes Revier zu beanspruchen. Das nomadische Verhalten im Winter ist direkt an die Verfügbarkeit von Beerennahrung gekoppelt.

Die Art ist tagaktiv. Der Gesang ist leise und besteht aus hohen, silbrigen Trillern – ein weiches „Sirrrr", das im Schwarm zu einem stetigen, feinen Klingeln verschmilzt. Seidenschwänze zeigen im Schwarm ein auffälliges Sozialverhalten: Einzelne Vögel reichen sich gegenseitig Beeren oder kleine Nahrungsstücke weiter, was als ritualisiertes Füttern gedeutet wird und vermutlich der Paarbindung dient.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit beginnt im Juni und erstreckt sich bis in den Juli. Seidenschwänze führen eine monogame Saisonehe. Die Balz umfasst gegenseitiges Füttern und eine ritualisierte Übergabe von Beeren oder Insekten. Das Nest wird bevorzugt in Nadelbäumen – vor allem Fichten und Kiefern – in Höhen von 2 bis 15 Metern angelegt. Es besteht aus Zweigen, Flechten, Gräsern und Moosen und wird innen mit feinen Federn und Haaren ausgepolstert.

Das Gelege umfasst in der