Stute
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Definition und Überblick
Als Stute wird ein weibliches Pferd bezeichnet, das in der Regel das Alter von vier Jahren erreicht oder überschritten hat. Der Begriff gilt gleichermaßen für alle Pferderassen, von Warmblütern über Kaltblüter bis hin zu Ponys. Jüngere weibliche Pferde, die noch nicht ausgewachsen sind, werden als Stutfohlen (im ersten Lebensjahr) bzw. als Jungstute oder Stutenjährling bezeichnet. In der Zucht, im Reitsport und in der allgemeinen Pferdehaltung nimmt die Stute eine zentrale Rolle ein, da sie nicht nur als Reit- und Arbeitspferd, sondern vor allem als Zuchtstute für den Fortbestand von Rassen und Zuchtlinien sorgt.
Biologische Merkmale und Geschlechtsbestimmung
Die Geschlechtsbestimmung beim Pferd erfolgt anhand der äußeren Geschlechtsorgane. Die Stute besitzt eine Vulva, die unterhalb des Schweifansatzes liegt, sowie innere Geschlechtsorgane wie Eierstöcke (Ovarien), Eileiter und Gebärmutter (Uterus). Im Vergleich zum Hengst, dem männlichen Geschlechtspartner, und zum Wallach, dem kastrierten männlichen Pferd, zeigt die Stute in der Regel einen etwas feineren Körperbau mit weniger stark ausgeprägter Bemuskelung im Hals- und Schulterbereich.
Das Verhalten der Stute wird maßgeblich durch ihren Hormonzyklus beeinflusst. Während der Rosse – der Brunstphase – zeigen viele Stuten typische Verhaltensänderungen wie vermehrtes Harnlassen, Aufstellen des Schweifes, sogenanntes „Blitzen" (rhythmisches Öffnen und Schließen der Vulvalippen) sowie erhöhte Empfindlichkeit gegenüber anderen Pferden und dem Menschen.
Der Zyklus der Stute
Stuten sind saisonal polyöstrisch, das heißt, sie durchlaufen ihren Fortpflanzungszyklus vorwiegend in den Monaten mit zunehmender Tageslichtlänge – typischerweise von Frühling bis Herbst. Ein einzelner Östrus-Zyklus dauert durchschnittlich 21 Tage und gliedert sich in zwei Phasen:
- Rosse (Östrus): Diese Phase dauert etwa 5 bis 7 Tage. Die Stute ist deckbereit und zeigt typisches Rosseverhalten. Gegen Ende der Rosse erfolgt der Eisprung (Ovulation).
- Zwischenrosse (Diöstrus): In dieser etwa 14 bis 16 Tage dauernden Phase lehnt die Stute den Hengst ab. Der Gelbkörper auf dem Eierstock produziert Progesteron, das eine erneute Rosse unterdrückt.
In den Wintermonaten treten viele Stuten in eine Phase der Anöstrie ein, in der kein Zyklus stattfindet. Diese saisonale Steuerung wird über das Hormon Melatonin und die Tageslichtdauer reguliert. In der modernen Zucht wird dieser Mechanismus durch Lichtprogramme im Stall beeinflusst, um den Zyklusbeginn vorzuverlegen.
Die Stute in der Zucht
In der Pferdezucht kommt der Stute eine tragende Bedeutung zu. Eine Zuchtstute wird nach strengen Kriterien ausgewählt, die je nach Zuchtverband und Rasse variieren. Zu den Auswahlkriterien zählen Exterieur (Körperbau), Interieur (Charakter und Temperament), Bewegungsqualität, Gesundheit und Abstammung. Viele Zuchtverbände führen Stutbucheinträge durch, bei denen die Stute vorgestellt und bewertet wird. Erst nach erfolgreicher Eintragung in das Stutbuch darf sie offiziell zur Zucht eingesetzt werden, und ihre Nachkommen erhalten vollwertige Zuchtpapiere.
Die Bedeckung kann auf natürlichem Weg durch den Hengst im Natursprung erfolgen oder durch künstliche Besamung (KB), die in der heutigen Pferdezucht weit verbreitet ist. Letztere ermöglicht den Einsatz genetisch wertvoller Hengste unabhängig vom Standort und reduziert das Verletzungsrisiko für beide Tiere.
Trächtigkeit und Geburt
Die Trächtigkeit der Stute dauert durchschnittlich etwa 340 Tage, wobei Schwankungen zwischen 320 und 360 Tagen normal sind. Während der Trächtigkeit verändert sich der Nährstoffbedarf der Stute, besonders im letzten Drittel, wenn das Fohlen am stärksten wächst. Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen, darunter Trächtigkeitsuntersuchungen per Ultraschall, gehören zur fachgerechten Betreuung.
Die Geburt, als Fohlen oder fachsprachlich Partus bezeichnet, verläuft bei der Stute in der Regel schnell. Die eigentliche Austreibungsphase dauert oft nur 15 bis 30 Minuten. Stuten gebären bevorzugt nachts, was als evolutionäres Schutzmuster gegenüber Fressfeinden gedeutet wird. Nach der Geburt bildet die Stute Kolostrum (Biestmilch), das für die Immunversorgung des Neugeborenen unverzichtbar ist. Die Phase nach der Geburt wird als Fohlenrosse bezeichnet – bereits 5 bis 12 Tage nach dem Abfohlen kann die Stute erneut rossig werden.
Verhalten und Sozialstruktur
In freilebenden Pferdeherden spielen Stuten eine zentrale Rolle in der Sozialstruktur. Während der Leithengst die Herde gegen Rivalen verteidigt, übernimmt häufig eine erfahrene Leitstute die Führung bei der Suche nach Wasser und Futterstellen. Diese Leitstute bestimmt die Wanderrouten und beeinflusst die Dynamik