Unterordnung
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Definition & Überblick
Als Unterordnung (auch Submission oder subordinates Verhalten) bezeichnet die Ethologie ein Verhaltensmuster, bei dem ein Individuum gegenüber einem ranghöheren Artgenossen seine unterlegene Position signalisiert und anerkennt. Diese Signale dienen dazu, Konflikte zu vermeiden, Aggressionen abzubauen und die soziale Stabilität innerhalb einer Gruppe aufrechtzuerhalten. Unterordnung ist keine Schwäche im biologischen Sinne, sondern eine hochadaptive Verhaltensstrategie, die das Überleben des unterlegenen Individuums sichert und gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt der Gruppe stärkt.
Im Kontext des Sozialverhaltens bildet Unterordnung das Gegenstück zur Dominanz. Beide Verhaltensweisen sind untrennbar miteinander verbunden und konstituieren gemeinsam die Rangordnung (Hierarchie) einer sozialen Gruppe. Ohne die Bereitschaft einzelner Individuen zur Unterordnung wäre die Bildung stabiler sozialer Strukturen nicht möglich – jede Begegnung würde in eskalierende Auseinandersetzungen münden.
Biologischer Hintergrund
Unterordnungsverhalten ist neurobiologisch eng mit dem Stresssystem und dem Belohnungssystem des Gehirns verknüpft. Bei einer Konfrontation mit einem überlegenen Artgenossen schüttet der Organismus des unterlegenen Tieres Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin aus. Die Entscheidung zwischen Kampf, Flucht oder Submission fällt innerhalb von Sekundenbruchteilen, wobei das Tier frühere Erfahrungen, die Körpergröße des Gegenübers und situative Faktoren verarbeitet.
Submissives Verhalten hat eine starke angeborene Komponente – es handelt sich um einen phylogenetisch alten Instinkt, der in den motorischen Programmen des Gehirns verankert ist. Gleichzeitig wird die Feinabstimmung dieses Verhaltens durch Lernen und individuelle Erfahrung modifiziert. Junge Tiere erlernen durch wiederholte soziale Interaktionen, gegenüber welchen Individuen Unterordnung angemessen ist – ein Prozess, der Elemente sowohl der klassischen Konditionierung als auch des sozialen Lernens enthält.
Aus evolutionsbiologischer Perspektive hat sich Unterordnung als kosten-nutzen-optimierte Strategie durchgesetzt. Ein unterlegenes Tier, das rechtzeitig Submission zeigt, vermeidet Verletzungen und erhält sich die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt selbst in der Rangordnung aufzusteigen. Die natürliche Selektion hat deshalb ritualisierte Unterordnungsgesten begünstigt, die vom Gegenüber eindeutig erkannt werden und in der Regel eine Aggressionshemmung beim dominanten Tier auslösen.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Unterordnungsverhalten findet sich bei nahezu allen Tierarten, die in sozialen Gruppen leben. Besonders gut erforscht ist es bei folgenden Gruppen:
- Wölfe und Haushunde (Canidae): Submissive Individuen zeigen charakteristische Körperhaltungen wie das Anlegen der Ohren, das Einziehen der Rute, geduckte Körperhaltung, Maulwinkel-Lecken sowie die sogenannte passive Submission, bei der sich das Tier auf den Rücken dreht und die Bauchseite exponiert.
- Primaten: Bei Schimpansen, Bonobos und Pavianen äußert sich Unterordnung durch Präsentieren des Hinterteils, Abwenden des Blicks, Ducken, spezifische Lautäußerungen (z. B. Unterwürfigkeitsrufe) und ritualisiertes Grooming gegenüber ranghöheren Tieren.
- Hühnervögel: Die sogenannte Hackordnung, erstmals von Thorleif Schjelderup-Ebbe beschrieben, zeigt deutliche Submissionsgesten: Unterlegene Hühner weichen aus, ducken sich und vermeiden direkte Konfrontation am Futterplatz.
- Fische: Bei Buntbarschen (Cichlidae) signalisieren unterlegene Individuen ihre Unterordnung durch Aufhellen der Körperfärbung, seitliches Abknicken des Körpers und Rückzug aus dem Territorium des dominanten Tieres.
- Soziale Insekten: Bei Hautflüglern wie Hummeln oder Wespen zeigen rangtiefe Arbeiterinnen submissives Verhalten gegenüber der Königin, etwa durch Vermeidung von Eiablage und spezifische Körperhaltungen bei Begegnungen.
Auslöser & Funktion
Unterordnungsverhalten wird durch verschiedene Schlüsselreize ausgelöst. Dazu gehören Drohsignale eines überlegenen Artgenossen wie Imponiergehabe, Fixieren mit den Augen, aufgerichtete Körperhaltung oder aggressive Lautäußerungen. Auch die bloße Annäherung eines bekanntermaßen dominanten Individuums kann submissive Reaktionen hervorrufen, wenn der Rangunterschied durch vorherige Interaktionen bereits etabliert ist.
Die funktionalen Aspekte von Unterordnung lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Konfliktvermeidung: Ritualisierte Submissionsgesten ersetzen physische Auseinandersetzungen und reduzieren das Verletzungsrisiko für beide Beteiligten.
- Stabilisierung der Rangordnung: Regelmäßige Bestätigung der Hierarchie durch submissive Kommunikation verringert die Häufigkeit eskalierender Konflikte innerhalb der Gruppe.
- Ressourcenzugang: Unterordnung ermöglicht es dem subdominanten Tier, trotz niedrigem Rang in der Nähe von Ressourcen (Nahrung, Schutz, potenzielle Paarungspartner) zu bleiben, statt gänzlich vertrieben zu werden.
- Beschwichtigungsfunktion: Submissives Verhalten fungiert als Beschwichtigungssignal und aktiviert beim dominanten Tier neurobiologisch verankerte Hemmmechanismen gegen weitere Aggression.
Bedeutung für die Haltung
Für die artgerechte Haltung von Haustieren und Zootieren ist das Verständnis von Unterordnungsverhalten von erheblicher praktischer Bedeutung