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Aktivstall

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Haltung & Pflege > Unterbringung – allgemein

Definition & Überblick

Ein Aktivstall ist ein modernes Haltungskonzept für Pferde, bei dem die Tiere in einer Gruppe leben und sich rund um die Uhr frei zwischen verschiedenen Funktionsbereichen bewegen können. Im Gegensatz zur klassischen Boxenhaltung oder auch zur einfachen Offenstallhaltung verfolgt der Aktivstall das Prinzip, Pferde durch eine durchdachte räumliche Gestaltung zu natürlicher Bewegung zu animieren. Futter, Wasser, Liegeflächen und Auslauf sind dabei bewusst voneinander getrennt angeordnet, sodass die Tiere – ähnlich wie freilebende Pferde in der Steppe – täglich mehrere Kilometer zurücklegen.

Das Konzept geht auf den deutschen Agrarwissenschaftler Thorsten Hinrichs zurück und wurde seit den frühen 2000er-Jahren unter dem Markennamen „HIT-Aktivstall" bekannt. Mittlerweile gibt es zahlreiche Varianten und Anbieter. Allen gemeinsam ist der Grundgedanke einer artgerechten Pferdehaltung, die Bewegung, Sozialkontakt und eine naturnahe Futteraufnahme in den Mittelpunkt stellt.

Grundlagen & Voraussetzungen

Das Herzstück des Aktivstalls ist die Trennung der Funktionsbereiche. Mindestens folgende Bereiche sollten vorhanden sein:

  • Futterstation(en): Computergesteuerte Fressplätze für Kraft- und Raufutter, die jedes Pferd individuell über einen Transponder (meist im Halsband oder Fesselband) erkennen. So lässt sich die Futtermenge für jedes Tier einzeln steuern.
  • Tränken: Möglichst weit entfernt von den Futterstationen positioniert, um zusätzliche Laufwege zu erzeugen.
  • Liegebereiche: Eingestreute, windgeschützte Flächen mit ausreichend Platz, damit alle Pferde gleichzeitig ruhen können – mindestens 10–12 m² pro Pferd.
  • Auslauf und Bewegungsflächen: Befestigte Wege, Trails, Paddocks und idealerweise Zugang zu Weideflächen.
  • Wälzplatz: Ein sandiger Bereich, der Hautpflege und Wohlbefinden fördert.

Voraussetzung für den Betrieb eines Aktivstalls ist ausreichend Fläche. Als Richtwert gelten mindestens 150–200 m² Gesamtfläche pro Pferd, je nach Geländeform und Weideanteil auch deutlich mehr. Die Gruppengröße sollte zwischen 8 und 30 Tieren liegen – bei kleineren Gruppen funktioniert die Futterautomatik oft nicht wirtschaftlich, bei sehr großen Gruppen steigt das Stresspotenzial an den Stationen.

Darüber hinaus erfordert der Aktivstall eine stabile Sozialisierung der Herde. Pferde, die zu starker Aggression neigen oder frisch in eine Gruppe integriert werden, brauchen eine behutsame Eingewöhnung – oft über angrenzende Paddocks mit Sichtkontakt.

Praktische Umsetzung

Die Planung eines Aktivstalls beginnt mit der Wegeführung. Die einzelnen Funktionsbereiche werden durch Laufwege (sogenannte Trails) miteinander verbunden. Diese Trails bestehen idealerweise aus verschiedenen Böden – Schotter, Sand, Rindenmulch, Hackschnitzel –, die den Hufabrieb fördern und die Gelenke unterschiedlich belasten. Die Gesamtlänge der Trails sollte so bemessen sein, dass ein Pferd pro Tag zwischen 5 und 15 Kilometer Wegstrecke zurücklegen kann.

Die computergesteuerten Futterstationen sind das technische Rückgrat des Systems. Über eine Software lässt sich für jedes Pferd festlegen, wann und wie viel Kraftfutter, Heu oder Mineralfutter es bekommt. Raufutterautomaten geben das Heu portioniert über den Tag verteilt ab, was einer naturnahen, langsamen Futteraufnahme entspricht und Magengeschwüren sowie Koliken vorbeugt. Die meisten Systeme ermöglichen auch ein Monitoring: Stallbetreiber sehen auf einen Blick, welches Pferd wann gefressen hat – ein wertvoller Gesundheitsindikator.

Für den Witterungsschutz sorgen offene Unterstände oder Laufställe, die nach mindestens einer Seite geschlossen sind. Die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten des BMEL empfehlen, dass alle Pferde gleichzeitig im geschützten Bereich Platz finden können, ohne dass es zu Rangkonflikten kommt. Mehrere Ein- und Ausgänge verhindern, dass rangniedrige Tiere vom Unterstand abgedrängt werden.

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Bodenbefestigung. Unbefestigte Flächen verwandeln sich bei Dauerregen schnell in Matsch, der Hufprobleme wie Strahlfäule begünstigt und die Bewegungsbereitschaft senkt. Paddockplatten, Drainagematten oder fachgerecht geschichtete Tragschichten sind langfristig unverzichtbar.

Häufige Fehler

  • Zu wenig Fressplätze: Gibt es nur eine Raufutterstation für 20 Pferde, entstehen Warteschlangen und Stress. Eine Faustregel: Pro 5–8 Pferde mindestens eine Raufutterstation, bei Kraftfutter reicht oft eine Station pro 15–20 Pferde, da die Portionen klein sind.
  • Mangelnde Eingewöhnung: Pferde, die jahrelang in Einzelboxen standen, können mit der plötzlichen Gruppenhaltung überfordert sein. Die Umstellung sollte schrittweise über Wochen erfolgen.
  • Vernachlässigung der Technik: Futterstationen sind anfällig für Verschleiß und Verschmutzung. Tägliche Kontrolle und regelmäßige Wartung sind Pflicht – ein Ausfall kann zu Unterversorgung einzelner Tiere führen.
  • Zu kurze Trails: Liegen alle Bereiche dicht beieinander, bewegen sich die Pferde kaum mehr als in einem normalen Offenstall. Der Bewegungsanreiz geht verloren.
  • Fehlende Rückzugsmöglichkeiten: Nicht jedes Pferd kommt in jeder Gruppenkonstellation zurecht. Es sollte immer eine Möglichkeit geben, einzelne Tiere vorübergehend zu separieren,