Außenhaltung
AHaltung & Pflege > Unterbringung – allgemein
Definition & Überblick
Unter Außenhaltung versteht man die dauerhafte oder saisonale Unterbringung von Heimtieren im Freien – also im Garten, auf dem Balkon, der Terrasse oder in einem speziell eingerichteten Freigehege. Sie steht im Gegensatz zur reinen Innenhaltung und wird bei einer Vielzahl von Tierarten praktiziert, darunter Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Schildkröten, Enten und teilweise auch Katzen. Richtig umgesetzt, zählt die Außenhaltung zu den artgerechtesten Haltungsformen überhaupt, weil sie den Tieren natürliche Reize wie frische Luft, Sonnenlicht, Witterungswechsel und deutlich mehr Bewegungsfreiheit bietet als ein Gehege in der Wohnung.
Gleichzeitig stellt die Außenhaltung höhere Anforderungen an die Planung und den Schutz der Tiere. Wind, Regen, Frost, Hitze und potenzielle Fressfeinde machen ein durchdachtes Konzept unverzichtbar. Wer diese Faktoren berücksichtigt, schafft für seine Tiere einen Lebensraum, der ihren natürlichen Bedürfnissen weit näher kommt als jedes Zimmergehege.
Grundlagen & Voraussetzungen
Bevor ein Tier nach draußen zieht, müssen mehrere Grundvoraussetzungen erfüllt sein:
- Arteignung: Nicht jede Tierart und nicht jede Rasse ist für die ganzjährige Außenhaltung geeignet. Tropische Reptilien beispielsweise benötigen kontrollierte Temperaturen, während europäische Landschildkröten, Kaninchen oder Hühner in unseren Breiten sehr gut draußen leben können. Einzelne Rassen – etwa Rex-Kaninchen mit dünnem Fell – brauchen besonderen Winterschutz.
- Gewöhnung: Tiere, die bisher ausschließlich in der Wohnung gelebt haben, dürfen nicht abrupt bei kalten Temperaturen nach draußen gesetzt werden. Die Umgewöhnung erfolgt idealerweise im Frühling oder Frühsommer, damit das Tier bis zum Winter ein dichtes Winterfell oder andere Anpassungen entwickeln kann.
- Platzangebot: Ein Freigehege muss deutlich großzügiger ausfallen als ein Innengehege. Für zwei Kaninchen empfehlen Tierschutzorganisationen mindestens sechs Quadratmeter dauerhaft zugängliche Fläche, besser mehr. Hühner brauchen pro Tier etwa zehn Quadratmeter Auslauf.
- Witterungsschutz: Jedes Außengehege braucht eine wetterfeste Schutzhütte, die vor Regen, Wind, direkter Sonneneinstrahlung und Zugluft schützt. Im Winter muss sie isoliert sein, im Sommer ausreichend belüftet.
- Raubtierschutz: Marder, Füchse, Greifvögel, Ratten und freilaufende Katzen stellen eine reale Gefahr dar. Das Gehege muss daher rundum gesichert sein – auch von unten und von oben.
- Rechtliche Rahmenbedingungen: In manchen Gemeinden oder Mietverhältnissen ist die Außenhaltung bestimmter Tierarten genehmigungspflichtig oder eingeschränkt. Hühnerhaltung etwa muss beim Veterinäramt gemeldet werden. Ein Blick in den Mietvertrag und die örtlichen Vorschriften ist Pflicht.
Praktische Umsetzung
Das Gehege bildet das Herzstück jeder Außenhaltung. Bewährt haben sich fest installierte Konstruktionen aus Holzrahmen und punktverschweißtem Volierendraht mit einer Maschenweite von maximal 19 × 19 Millimetern. Sechseckgeflecht (sogenannter Hasendraht) ist nicht geeignet, weil Marder und Ratten ihn mühelos durchbeißen. Der Draht wird am Boden nach innen umgelegt oder auf Gehwegplatten befestigt, um ein Untergraben zu verhindern. Alternativ kann der gesamte Boden mit Drahtgittern gesichert werden, die dann mit Erde und Einstreu bedeckt werden.
Die Schutzhütte wird mit doppelten Wänden und einer Styropor- oder Hanfdämmung dazwischen isoliert. Das Dach sollte leicht geneigt und mit Dachpappe oder Bitumenschindeln gedeckt sein, damit Regenwasser zuverlässig abläuft. Der Eingang wird so positioniert, dass er windgeschützt liegt. Für Kaninchen haben sich kurze Tunnel oder Windfangklappen bewährt, die kalte Zugluft fernhalten, ohne den Tieren den Zugang zu versperren.
Die Beschäftigung im Freigehege kommt oft zu kurz. Naturbelassene Äste, Wurzeln, Korkröhren, erhöhte Ebenen, Buddelkisten mit Sand und wechselnde Futterverstecke halten Tiere körperlich und geistig fit. Kaninchen etwa sind ausgeprägte Buddler – ein Bereich mit tiefer Erdschicht zum Graben entspricht ihrem natürlichen Verhalten enorm.
Im Winter wird die Trinkwasserversorgung zur Herausforderung, da Näpfe schnell einfrieren. Beheizte Trinkschalen oder häufiges Wechseln des Wassers sind notwendig. Zusätzlich steigt der Energiebedarf der Tiere bei Kälte, sodass die Futtermenge – insbesondere energiereicher Bestandteile wie Heu und getrocknete Kräuter – angepasst werden muss.
Im Sommer steht der Hitzeschutz im Vordergrund. Gehege, die in der prallen Sonne stehen, können sich auf lebensbedrohliche Temperaturen aufheizen. Schattenspender durch Bepflanzung, Sonnensegel oder natürliche Dachbegrünung sind ebenso wichtig wie feuchte Tontöpfe oder kühle Steinplatten als Rückzugsorte.
Häufige Fehler
- Zu kleines Gehege: Ein handelsüblicher Stall aus dem Zoofachhandel reicht als alleiniger Lebensraum niemals aus. Diese Ställe dienen bestenfalls als Schutzhütte innerhalb eines größeren Geheges.
- Unzureichende Raubtiersicherung: Marder sind erstaunlich geschickt und können durch Lücken von wenigen Zentimetern eindringen. Jede einzelne Schwachstelle – jede lose Schraube, jede morsche Holzleiste – kann fatale Folgen haben.