Ammentier
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Definition und Überblick
Ein Ammentier ist ein weibliches Tier, das den Nachwuchs eines anderen Muttertieres aufzieht und säugt, obwohl es nicht das biologische Elternteil ist. Das Prinzip der Ammenaufzucht wird in der Nutztierhaltung, in der Wildtierpflege und gelegentlich auch in der Heimtierhaltung angewendet. Die Bezeichnung leitet sich vom Begriff Amme ab, der historisch eine menschliche Stillfrau beschreibt, die ein fremdes Kind an der Brust nährt. Übertragen auf die Tierwelt bezeichnet das Ammentier eine laktierende weibliche Tiermutter, die zusätzlich zu ihrem eigenen Wurf oder anstelle eines ausgefallenen Muttertieres fremde Jungtiere versorgt.
In der Tierzucht und Nutztierhaltung kommt dem Ammentier eine zentrale Rolle zu, wenn biologische Mütter ausfallen, ihre Jungen nicht annehmen oder nicht ausreichend Milch produzieren. Die Ammenaufzucht stellt in vielen Fällen eine überlegene Alternative zur künstlichen Handaufzucht dar, da die Jungtiere neben der artgerechten Ernährung auch wichtige Sozialverhaltensweisen erlernen.
Einsatzbereiche in der Nutztierhaltung
Der häufigste Einsatz von Ammentieren findet in der Schafhaltung statt. Mutterschafe (Auen) können nach der Geburt versterben, erkranken oder einzelne Lämmer aus einem Mehrlingswurf ablehnen. In solchen Fällen wird ein sogenanntes Ammenlamm einer anderen laktierenden Aue untergeschoben, die es idealerweise als eigenes Jungtier akzeptiert und säugt. Erfahrene Schäfer nutzen verschiedene Techniken, um die Annahme zu fördern – etwa das Einreiben des Fremdlamms mit dem Fruchtwasser oder der Nachgeburt der Amme, um den Geruch anzupassen.
Auch in der Rinderhaltung werden Ammenkühe gezielt eingesetzt. Die sogenannte Ammenkühhaltung ist ein eigenständiges Haltungssystem, bei dem eine Kuh neben ihrem eigenen Kalb weitere Kälber anderer Kühe aufzieht. Dieses System findet besonders in der Mutterkuhhaltung Anwendung und gilt als tiergerechte Alternative zur mutterlosen Kälberaufzucht mit Milchaustauschern. Eine Ammenkuh kann je nach Milchleistung bis zu drei oder vier Kälber gleichzeitig säugen.
In der Schweinezucht treten ähnliche Situationen auf. Sauen mit sehr großen Würfen können nicht immer alle Ferkel ausreichend versorgen, insbesondere wenn die Zahl der Ferkel die Anzahl der funktionsfähigen Zitzen übersteigt. Hier werden überzählige Ferkel an eine Ammensau umgesetzt, die entweder eigene Ferkel bereits abgesetzt hat oder deren Wurf kleiner ausgefallen ist.
Ammentiere in der Wildtierpflege und Heimtierhaltung
In Wildtierauffangstationen und Zoos werden gelegentlich Ammentiere herangezogen, wenn verwaiste Jungtiere eine natürliche Aufzucht benötigen. Besonders bei Säugetierarten, deren Sozialverhalten stark durch die frühe Prägung auf Artgenossen bestimmt wird, bietet die Aufzucht durch ein Ammentier erhebliche Vorteile gegenüber der Handaufzucht durch Menschen. Handaufgezogene Wildtiere entwickeln häufig eine Fehlprägung auf den Menschen, was ihre spätere Auswilderung erschwert oder unmöglich macht.
Bei Hunden und Katzen übernehmen gelegentlich laktierende Weibchen fremde Welpen oder Kitten, insbesondere wenn deren Mutter gestorben ist oder den Wurf nicht annimmt. Hündinnen und Katzen zeigen generell eine hohe Bereitschaft zur Adoption fremder Jungtiere, vor allem wenn sie sich selbst in der Laktationsphase befinden. In seltenen Fällen nehmen sogar artverschiedene Ammentiere fremde Jungtiere an – etwa eine Hündin, die Katzenwelpen säugt.
Voraussetzungen und Auswahl geeigneter Ammentiere
Nicht jedes weibliche Tier eignet sich als Amme. Folgende Kriterien spielen bei der Auswahl eine Rolle:
- Laktationsstatus: Das Tier muss sich in einer aktiven Milchbildungsphase befinden. Die Milchleistung sollte ausreichend sein, um zusätzliche Jungtiere zu ernähren.
- Mütterlichkeit: Ein ausgeprägter Mutterinstinkt und ein ruhiges, geduldiges Temperament erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass fremde Jungtiere angenommen werden.
- Gesundheitszustand: Das Ammentier muss gesund sein und darf keine ansteckenden Krankheiten aufweisen, die auf die Jungtiere übertragen werden könnten.
- Altersanpassung der Milch: Idealerweise sollte das Laktationsstadium der Amme zum Alter der aufzunehmenden Jungtiere passen, da sich die Milchzusammensetzung im Verlauf der Säugeperiode verändert. Die Kolostralmilch (Erstmilch) der ersten Lebenstage enthält lebenswichtige Antikörper, die für den Immunschutz der Neugeborenen unverzichtbar sind.
Methoden der Jungtierübergabe
Die Zusammenführung von Ammentier und Fremdnachwuchs erfordert Erfahrung und Sorgfalt. Viele Tierarten erkennen ihre eigenen Jungen primär am Geruch. Wird ein fremdes Jungtier ohne Vorbereitung untergeschoben, droht Ablehnung oder sogar Aggression. Bewährte Methoden zur Förderung der Annahme umfassen:
- Geruchsanpassung: Das Fremdtier wird mit Urin, Fruchtwasser, Milch oder dem Fell des Ammentiers eingerieben, um den Eigengeruch zu überdecken.
- Gemeinsame Unterbringung auf engem Raum: Ein begrenzter Bereich fördert den Körperkontakt und beschleunigt die Gewöhnung.
- Zeitpunkt der Zusammenführung: Die Annahme gelingt am besten unmit