Bärenjunges
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Definition und Überblick
Als Bärenjunges bezeichnet man die Nachkommen aller Arten der Familie Ursidae von der Geburt bis zum Erreichen der Selbstständigkeit. Je nach Art und individueller Entwicklung umfasst diese Lebensphase einen Zeitraum von etwa eineinhalb bis drei Jahren. Bärenjunge kommen in einem extrem unreifen Zustand zur Welt und durchlaufen eine intensive Entwicklung, die in der Tierwelt ihresgleichen sucht. Im Vergleich zur Körpergröße der Mutter zählen neugeborene Bären zu den kleinsten Säugetier-Nachkommen überhaupt.
Geburt und Neugeborenenphase
Bärinnen bringen ihre Jungen in der Regel während der Winterruhe zur Welt. Die Tragzeit variiert je nach Art, liegt jedoch typischerweise zwischen sechs und neun Monaten. Dabei spielt die sogenannte Keimruhe (verzögerte Einnistung der befruchteten Eizelle) eine entscheidende Rolle: Die befruchtete Eizelle nistet sich erst mit mehrwöchiger Verzögerung in die Gebärmutterschleimhaut ein, sodass die Geburt unabhängig vom Deckzeitpunkt in den Winter fällt.
Ein neugeborenes Bärenjunges wiegt je nach Art zwischen 200 und 700 Gramm – beim Braunbären etwa 300 bis 500 Gramm, beim Eisbären rund 600 Gramm. Zum Vergleich: Eine ausgewachsene Braunbärin bringt 150 bis 250 Kilogramm auf die Waage. Das Neugeborene ist damit nur etwa ein Fünfhundertstel so schwer wie seine Mutter. Die Welpen kommen blind, nahezu nackt und mit geschlossenen Gehörgängen zur Welt. Ihr Fell besteht aus einem dünnen, spärlichen Flaum, der kaum Schutz vor Kälte bietet. Die Wurfgröße liegt gewöhnlich bei ein bis drei Jungtieren, Zwillinge sind bei den meisten Bärenarten am häufigsten.
Frühe Entwicklung in der Höhle
Die ersten Lebenswochen verbringen Bärenjunge ausschließlich in der Geburtshöhle, eng an den Körper der Mutter geschmiegt. Die Bärin verlässt die Höhle während dieser Phase nicht und zehrt von ihren Fettreserven. Die Bärenmilch ist außerordentlich nahrhaft und enthält – abhängig von der Art – zwischen 20 und 45 Prozent Fett. Zum Vergleich: Kuhmilch enthält etwa 3,5 Prozent. Dieser hohe Fettgehalt ermöglicht ein rasches Wachstum der Jungtiere.
Nach etwa zwei bis vier Wochen öffnen sich die Augen der Bärenjungen. Die Ohren beginnen ab der dritten Lebenswoche zu funktionieren. In den folgenden Wochen entwickeln die Jungtiere ein dichteres Fell und werden zunehmend mobiler. Sie beginnen in der Höhle zu krabbeln, zu spielen und erste Lautäußerungen von sich zu geben. Typisch sind brummende, schnurrende und quietschende Laute, über die Mutter und Jungtiere kommunizieren.
Verlassen der Höhle und Lernphase
Im Frühling, wenn die Bärenjungen ein Alter von etwa zwei bis vier Monaten erreicht haben und zwischen drei und fünf Kilogramm wiegen, verlässt die Bärenfamilie erstmals die Winterhöhle. Für die Jungtiere beginnt nun eine intensive Lernphase, die für ihr späteres Überleben entscheidend ist. Die Mutter führt ihre Jungen durch das Revier und lehrt sie:
- Die Suche und Auswahl geeigneter Nahrungsquellen wie Beeren, Wurzeln, Insektenlarven und Fisch
- Das Erkennen und Vermeiden von Gefahren, insbesondere durch adulte männliche Bären, die eine erhebliche Bedrohung durch Infantizid (Kindstötung) darstellen
- Orientierung im Lebensraum und das Auffinden saisonaler Nahrungsplätze
- Techniken des Kletterns, Schwimmens und Grabens
Das Spielverhalten der Bärenjungen untereinander dient dabei nicht nur der körperlichen Ertüchtigung, sondern auch dem Erlernen sozialer Verhaltensweisen und motorischer Fähigkeiten. Raufspiele, Verfolgungsjagden und gemeinsames Erkunden der Umgebung nehmen einen großen Teil des Tagesablaufs ein.
Entwöhnung und Nahrungsumstellung
Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt schrittweise. Bereits ab einem Alter von etwa fünf Monaten beginnen Bärenjunge, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Die vollständige Entwöhnung ist je nach Art zwischen dem fünften und dem achten Lebensmonat abgeschlossen, bei einigen Arten – etwa dem Brillenbären – kann sie sich bis ins zweite Lebensjahr hinziehen. Während dieser Übergangsphase nehmen die Jungtiere sowohl Muttermilch als auch pflanzliche und tierische Kost zu sich. Die Mutter duldet das Saugen zunehmend weniger und wehrt die Jungen schließlich aktiv ab.
Trennung von der Mutter und Selbstständigkeit
Der Zeitpunkt der Trennung von der Mutter variiert erheblich zwischen den einzelnen Bärenarten. Beim Amerikanischen Schwarzbären werden die Jungen häufig schon nach anderthalb Jahren selbstständig, beim Braunbären dauert die Familienphase zwei bis drei Jahre, und beim Eisbären bleiben die Jungtiere bis zu zweieinhalb Jahre bei der Mutter. Die Trennung geht in der Regel von der Bärin aus, die im Zuge des nächsten Paarungszyklus aggressiver gegenüber ihren Jungen wird und sie aus ihrem Revier vertreibt.
Frisch selbstständige Jungbären, auch als Jährlinge oder Subadulte bezeichnet, durchleben eine kritische Phase. Ohne den Schutz der Mutter sind sie verstärkt Gefahren durch dominante Artgenossen, Nahrungsmangel und menschliche Einflüsse ausgesetzt. Die Sterblichkeitsrate in den ersten eigenständigen Monaten liegt deutlich höher als während der Zeit mit der Mutter. Geschwister bleiben nach der Trennung gelegentlich noch einige Monate zusammen, bevor sie sich endgültig voneinander lösen und eigene Streifgebiete etablieren.
Artspezifische Besonderheiten
Die Aufzucht von Bärenjungen unterscheidet sich je nach Art in mehreren Aspekten. Der