T Tierlexikon.net
← Lexikon

Astrild

A

Tierart – Vögel > Exoten & Ziervögel (Käfig)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Estrilda astrild
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Familie: Prachtfinken (Estrildidae)
  • Gattung: Estrilda
  • Lebensraum: Offene Graslandschaften, Buschland, Feuchtgebiete, Kulturland in Afrika südlich der Sahara
  • Größe: 11–13 cm
  • Gewicht: 7–10 g
  • Lebenserwartung: 6–8 Jahre (in Gefangenschaft bis zu 10 Jahre)

Aussehen & Merkmale

Der Wellenastrild – so die im Deutschen gebräuchlichste Bezeichnung für Estrilda astrild – ist ein zierlicher Prachtfink mit einer Körperlänge von etwa 11 bis 13 Zentimetern. Das Gefieder zeigt auf der Oberseite eine fein gewellte Zeichnung aus graubraunen und dunkelbraunen Querstreifen, die dem Vogel seinen deutschen Namen eingetragen hat. Die Unterseite ist heller, oft mit einem rosafarbenen bis rötlichen Hauch auf Brust und Bauch. Ein breiter, leuchtend roter Zügelstreif zieht sich vom Schnabelansatz durch das Auge und ist das auffälligste Erkennungsmerkmal der Art. Der kegelförmige Schnabel ist bei adulten Tieren kräftig rot gefärbt. Der Schwanz ist abgerundet und relativ kurz, die Beine sind dunkel fleischfarben.

Ein Geschlechtsdimorphismus ist nur schwach ausgeprägt: Männchen zeigen in der Regel eine etwas intensivere Rotfärbung auf der Bauchseite und einen breiteren Augenstreif. Juvenile Vögel sind insgesamt blasser gefärbt, der Zügelstreif ist kaum angedeutet, und der Schnabel erscheint zunächst dunkel.

Innerhalb der Gattung Estrilda existieren rund 17 anerkannte Arten, darunter der Orangebäckchen (Estrilda melpoda), der Grauastrild (Estrilda troglodytes) und der Schwarzbürzel-Astrild (Estrilda melanotis). Der Wellenastrild selbst wird je nach Autor in bis zu 17 Unterarten unterteilt, die sich vor allem in der Intensität der Gefiederfärbung unterscheiden.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Wellenastrildes erstreckt sich über weite Teile Afrikas südlich der Sahara. Die Art besiedelt ein breites Spektrum an Habitaten: Graslandschaften, Schilfgürtel an Gewässern, Buschsavannen, Brachflächen und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Besonders häufig findet man Wellenastrilden in der Nähe von Wasser – entlang von Flussufern, an Teichen und in Sumpfgebieten mit dichtem Grasbewuchs.

Durch den Menschen wurde die Art weit über ihr ursprüngliches Biotop hinaus verbreitet. Verwilderte Populationen existieren heute auf der Iberischen Halbinsel, auf Madeira, den Kapverdischen Inseln, in Teilen Brasiliens, auf Hawaii, in Bermuda und in einigen Regionen Australiens. Diese eingeführten Bestände gehen in den meisten Fällen auf entflogene oder freigelassene Käfigvögel zurück. Der Wellenastrild gilt damit als eine der erfolgreichsten Neozoen unter den Prachtfinken.

Ernährung

Wellenastrilden sind in erster Linie Granivor, also Körnerfresser. In ihrem natürlichen Lebensraum ernähren sie sich überwiegend von Samen verschiedener Gräser und Kräuter, die sie geschickt direkt von den Halmen abpicken. Ergänzend nehmen sie kleine Insekten und deren Larven auf, besonders während der Brutzeit, wenn der Proteinbedarf erhöht ist.

In der Volieren- und Käfighaltung bildet eine Mischung aus feinen Grassamen und Hirsearten die Grundlage der Ernährung. Kolbenhirse wird gern angenommen. Daneben sollten halbreife Samen, Keimfutter und regelmäßig kleine Mengen tierischer Kost in Form von Ameisenpuppen, Buffalowürmern oder Fruchtfliegen gereicht werden. Frisches Grünfutter wie Vogelmiere ergänzt den Speiseplan. Grit und Sepiaschale dienen der Mineralstoffversorgung und unterstützen die Verdauung.

Verhalten & Lebensweise

Der Wellenastrild ist ein ausgesprochen geselliger Vogel. Außerhalb der Brutzeit schließen sich die Tiere zu Schwärmen zusammen, die je nach Nahrungsangebot mehrere hundert Individuen umfassen können. Auch in gemischten Schwärmen mit anderen Prachtfinkenarten treten sie regelmäßig auf. Die Art ist tagaktiv und verbringt den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche im niedrigen Gras- und Krautbewuchs.

In Gefangenschaft sollte der Wellenastrild stets in Gruppen oder zumindest paarweise gehalten werden, da Einzelhaltung zu Verhaltensstörungen führen kann. Die Vögel sind lebhaft und bewegungsfreudig, dabei aber wenig aggressiv gegenüber Artgenossen und anderen kleinen Vögeln, was sie zu beliebten Bewohnern von Gemeinschaftsvolieren macht.

Der Gesang des Männchens ist leise und besteht aus feinen, etwas nasalen Tönen, die in schneller Folge aneinandergereiht werden. Als Flugruf dient ein weiches, kurzes „tsip".

Fortpflanzung & Aufzucht

Während der Balz sitzt das Männchen in der Nähe des Weibchens auf einem Ast, hält einen Grashalm im Schnabel und vollführt rhythmische Hüpfbewegungen, wobei es den Körper streckt und den Schwanz seitlich wippt. Diese Balzgeste ist typisch für viele Arten der Gattung Estrilda.

Das Nest wird aus Grashalmen und feinen Pflanzenfasern als kugelförmige Struktur mit seitlichem Eingang errichtet, meist niedrig im dichten Gras oder Buschwerk. Beide Partner beteiligen sich am Nestbau. Das Gelege umfasst in der Regel vier bis sechs weiße Eier, die von beiden Altvögeln über einen Zeitraum von etwa 11 bis 12