Aufsalzen
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Definition & Überblick
Unter Aufsalzen versteht man in der Aquaristik das gezielte Zuführen von Salzen oder Mineralstoffen in das Aquarienwasser, um den Salzgehalt (Salinität) zu erhöhen oder eine bestimmte Wasserzusammensetzung herzustellen. Der Begriff wird vor allem in der Meerwasseraquaristik und der Brackwasseraquaristik verwendet, findet aber auch in der Süßwasseraquaristik Anwendung – etwa beim Aufsalzen von Osmosewasser oder bei der gezielten Anpassung der Wasserhärte.
Das Aufsalzen ist ein grundlegender Vorgang, der bei nahezu jedem Wasserwechsel in Meerwasserbecken anfällt. Auch bei der Haltung von Brackwasserfischen wie Mollys, Schützenfischen oder Grundeln gehört das korrekte Aufsalzen zur artgerechten Pflege. Fehler bei diesem Prozess können schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Aquarienbewohner haben – von osmotischem Stress über Schleimhautschäden bis hin zum Tod der Tiere.
Grundlagen & Voraussetzungen
Bevor man mit dem Aufsalzen beginnt, muss man die Zielwerte des jeweiligen Beckens kennen. Entscheidend sind dabei:
- Salinität – der Gesamtsalzgehalt des Wassers, gemessen in Promille (‰) oder PSU (Practical Salinity Units). Meerwasser liegt typischerweise bei 33–35 ‰, Brackwasser je nach Art zwischen 2 und 20 ‰.
- Dichte – häufig als spezifische Dichte angegeben. Meerwasser hat bei 25 °C eine Dichte von etwa 1,023 bis 1,025 g/cm³.
- Gesamthärte (GH) und Karbonathärte (KH) – relevant vor allem beim Aufsalzen von Süßwasser mit Aufhärtesalzen.
Zur Messung benötigt man ein Refraktometer oder ein Aräometer (Spindel). Digitale Leitfähigkeitsmessgeräte sind ebenfalls verbreitet, messen aber primär die elektrische Leitfähigkeit und erfordern eine Umrechnung. Für die Süßwasseraquaristik genügen Tropfentests für GH und KH.
Als Ausgangswasser dient in der Meerwasseraquaristik fast immer Osmosewasser (Umkehrosmose, RO-Wasser), da Leitungswasser Schadstoffe wie Nitrat, Phosphat, Silikat oder Chlor enthalten kann. In der Süßwasseraquaristik wird Osmosewasser mit speziellen Aufhärtesalzen versetzt, um weiches, mineralstoffarmes Wasser gezielt auf die Bedürfnisse der gehaltenen Arten anzupassen.
Praktische Umsetzung
Das Aufsalzen erfolgt in der Regel außerhalb des Aquariums in einem separaten Mischbehälter. Das ist ein zentraler Grundsatz: Salz sollte niemals direkt ins besetzte Becken gegeben werden, da unvermischtes Salz lokal extrem hohe Konzentrationen erzeugt und Tiere sowie Korallen schwer schädigen kann.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für Meerwasser:
- Osmosewasser in einem sauberen Behälter (Kanister, Mörtelkübel, Fass) vorlegen. Das Wasser sollte bereits auf Aquarientemperatur (24–26 °C) gebracht sein.
- Eine Strömungspumpe oder einen Heizstab mit Rührfunktion in den Behälter einsetzen, um eine gleichmäßige Durchmischung zu gewährleisten.
- Das Meersalz nach Herstellerangabe dosieren – üblich sind etwa 33–39 Gramm pro Liter, je nach Produkt und Zielsalinität.
- Das Salz langsam einrieseln lassen, während die Pumpe läuft. Niemals die gesamte Menge auf einmal hineinschütten.
- Mindestens 12 bis 24 Stunden rühren lassen. Viele Salze benötigen diese Zeit, bis sich alle Bestandteile vollständig gelöst haben und die Wasserchemie stabil ist.
- Mit dem Refraktometer die Salinität prüfen und bei Bedarf mit Osmosewasser oder weiterem Salz nachjustieren.
- Erst nach erfolgreicher Kontrolle das fertig gemischte Wasser für den Wasserwechsel verwenden.
Beim Aufsalzen von Süßwasser (z. B. für Garnelen der Gattung Caridina oder für Tanganjikasee-Cichliden) wird Osmosewasser mit speziellen Aufhärtesalzen wie Bee Shrimp Mineral, Preis Diskus Mineralien oder vergleichbaren Produkten versetzt. Die Dosierung richtet sich nach dem Ziel-Leitwert oder der gewünschten GH. Auch hier gilt: Erst mischen, dann messen, dann verwenden.
Häufige Fehler
- Salz direkt ins besetzte Becken geben – der häufigste und gefährlichste Fehler. Unvermischtes Salz verursacht lokal Verätzungen an Kiemen, Schleimhäuten und Korallen. Dieser Fehler widerspricht jeder artgerechten Haltung und ist aus Tierschutz-Sicht inakzeptabel.
- Falsches Salz verwenden – Speisesalz, Streusalz oder Industriesalz sind keine Alternativen zu speziellem Aquariensalz. Meersalz für Aquarien enthält über 70 Spurenelemente in definierten Mengen. Kochsalz enthält oft Rieselhilfen oder Jodzusätze, die aquatischen Organismen schaden.
- Zu kurze Auflösezeit – wird das Wasser zu früh verwendet, können Calcium- und Magnesiumwerte stark schwanken. Besonders Korallen und wirbellose Tiere reagieren empfindlich auf solche Schwankungen.
- Temperaturunterschiede ignorieren – die Dichte von Salzwasser ist temperaturabhängig. Ein Refraktometer sollte immer bei der gleichen Referenztemperatur verwendet werden, um reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten.