Aufsitzerpflanze
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Definition & Überblick
Als Aufsitzerpflanze (auch Epiphyt genannt) bezeichnet man in der Aquaristik eine Wasserpflanze, die nicht im Bodengrund eingepflanzt wird, sondern auf Hardscape-Materialien wie Wurzelholz, Steinen oder anderen Dekorationsgegenständen aufgebunden oder aufgeklebt wächst. Die Pflanze verankert sich mit ihren Haftwurzeln auf dem jeweiligen Untergrund und nimmt ihre Nährstoffe direkt aus dem umgebenden Wasser auf – nicht über das Substrat.
In der Natur besiedeln Aufsitzerpflanzen Felsen, Baumstämme und andere Oberflächen in Fließgewässern, Seen und Überschwemmungsgebieten tropischer und subtropischer Regionen. Zu den bekanntesten Vertretern in der Aquaristik gehören:
- Javafarn (Microsorum pteropus) – robust, anspruchslos, ideal für Einsteiger
- Javamoos (Taxiphyllum barbieri) – vielseitig einsetzbar, bildet dichte Polster
- Anubias (diverse Arten wie Anubias barteri var. nana) – langsam wachsend, extrem pflegeleicht
- Bucephalandra – zunehmend beliebt, attraktive Blattformen und Farben
- Süßwassertang (Lomariopsis lineata) – bildet lockere, mooähnliche Polster
- Bolbitis heudelotii (Kongofarn) – dekorativer Farn für Strömungsbereiche
Aufsitzerpflanzen spielen eine wichtige Rolle bei der artgerechten Gestaltung eines Aquariums. Sie bieten Fischen, Garnelen und anderen Aquarienbewohnern Versteckmöglichkeiten, Laichsubstrat und Weideflächen für Aufwuchs – wesentliche Faktoren für das Wohlbefinden der Tiere und damit für den Tierschutz in der Aquarienhaltung.
Grundlagen & Voraussetzungen
Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Stängel- oder Rosettenpflanzen liegt in der Nährstoffaufnahme: Aufsitzerpflanzen besitzen keine klassischen Saugwurzeln, die Nährstoffe aus dem Bodengrund ziehen. Stattdessen nutzen sie ihre Blätter und Rhizome, um gelöste Nährstoffe direkt aus der Wassersäule aufzunehmen. Die Wurzeln dienen primär der Befestigung auf dem Untergrund.
Diese Eigenschaft macht Aufsitzerpflanzen besonders interessant für Aquarien ohne nährstoffreichen Bodengrund – etwa in Becken mit reinem Sand, Kies oder sogar gänzlich ohne Substrat. Für das erfolgreiche Pflegen sollten folgende Grundvoraussetzungen erfüllt sein:
- Beleuchtung: Die meisten Aufsitzerpflanzen kommen mit geringer bis mittlerer Beleuchtungsstärke aus. Anubias und Javafarn gedeihen sogar unter schwachem Licht hervorragend, was sie ideal für schattige Bereiche im Aquarium macht.
- Wasserparameter: Temperaturen zwischen 20 und 28 °C, ein pH-Wert von 6,0 bis 7,5 und weiches bis mittelhartes Wasser decken die Ansprüche der meisten Arten ab.
- Nährstoffversorgung: Eine moderate Düngung über die Wassersäule (Flüssigdünger) reicht in den meisten Fällen aus. CO₂-Zugabe ist nicht zwingend erforderlich, beschleunigt aber das Wachstum.
- Strömung: Leichte bis mäßige Strömung begünstigt die Nährstoffaufnahme über die Blattoberfläche.
Praktische Umsetzung
Das Aufbringen von Aufsitzerpflanzen auf Hardscape erfordert etwas Geduld, ist aber technisch unkompliziert. Es gibt mehrere bewährte Methoden:
- Aufbinden mit Baumwollfaden: Die Pflanze wird mit dünnem Baumwollfaden auf Holz oder Stein gewickelt. Der Faden verrottet nach einigen Wochen im Wasser – bis dahin hat sich die Pflanze selbstständig festgewachsen.
- Aufbinden mit Angelschnur: Nylonfaden löst sich nicht auf und hält dauerhaft. Ästhetisch weniger schön, aber zuverlässig.
- Aufkleben mit Sekundenkleber (Cyanacrylat): Gel-Sekundenkleber auf Cyanacrylat-Basis ist aquarienunbedenklich. Er wird sparsam auf das Rhizom aufgetragen, die Pflanze wird für 30 Sekunden angedrückt – fertig. Diese Methode eignet sich besonders für Moose und kleinere Anubias-Arten.
- Einklemmen in Spalten: Pflanzen lassen sich in natürliche Ritzen von Steinen oder Wurzeln klemmen, ohne zusätzliches Befestigungsmaterial.
Beim Bepflanzen sollte man auf eine naturnahe Anordnung achten: Größere Arten wie Microsorum pteropus wirken im Hintergrund oder Mittelgrund besonders gut, während kleinblättrige Anubias-Varianten oder Bucephalandra den Vordergrund und Übergangsbereiche am Hardscape beleben. Die gezielte Platzierung schafft Rückzugsorte, die für die Beschäftigung und das Sicherheitsgefühl der Aquarienbewohner unverzichtbar sind – vergleichbar mit der Strukturierung eines Geheges in der Terraristik.
Häufige Fehler
- Einpflanzen in den Bodengrund: Der häufigste Fehler überhaupt. Wird das Rhizom von Anubias oder Javafarn im Substrat vergraben, fault es ab und die Pflanze stirbt. Das Rhizom muss immer frei liegen – nur die Haftwurzeln dürfen Kontakt zum Untergrund haben.
- Zu starke Beleuchtung: Übermäßiges Licht fördert bei langsam wachsenden Aufsitzerpflanzen Algenbelag auf den Blättern, insbesondere Pinselalgen und Punktalgen auf Anubias. Eine Beschattung durch höher wachsende Pflanzen oder Schwimmpflanzen wirkt dem entgegen.
- Ungeduld beim Anwachsen: