Bartkauz
BTierart – Vögel > Eulen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Strix nebulosa
- Ordnung: Eulen (Strigiformes)
- Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
- Gattung: Strix
- Lebensraum: Boreale Nadelwälder, Taiga, Moorlandschaften
- Größe: 61–84 cm Körperlänge, Flügelspannweite 130–160 cm
- Gewicht: Männchen 700–1.100 g, Weibchen 1.000–1.700 g
- Lebenserwartung: Bis zu 15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft über 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Bartkauz zählt zu den größten Eulen der Welt. Gemessen an der Körperlänge übertrifft er sogar den Uhu, ist dabei jedoch deutlich leichter gebaut. Sein Gefieder ist überwiegend graubraun mit einer dichten Musterung aus dunkleren Längsstreifen auf der Unterseite und konzentrischen Bändern auf der Oberseite. Der voluminöse Körper täuscht über das tatsächliche Gewicht hinweg – ein großer Teil des Erscheinungsbilds geht auf das extrem dichte, weiche Federkleid zurück, das als Isolation gegen die Kälte seines nördlichen Lebensraums dient.
Das auffälligste Merkmal ist der große, runde Gesichtsschleier mit deutlichen konzentrischen Ringen. In dessen Zentrum liegt der relativ kleine, gelbliche Schnabel, der von zwei dunklen, halbmondförmigen Markierungen eingerahmt wird – jenen Zeichnungen, die an einen Bart erinnern und der Art ihren deutschen Namen geben. Die Augen sind im Vergleich zu vielen anderen Eulenarten klein und leuchtend gelb. Unterhalb des Schnabels befindet sich ein schwarzer Kehlfleck, der als „Bart" oder „Latz" bezeichnet wird.
Die Federohren, die bei verwandten Arten wie dem Waldkauz (Strix aluco) fehlen, sind auch beim Bartkauz nicht ausgebildet. Die Zehen sind dicht befiedert, was als Anpassung an niedrige Temperaturen zu verstehen ist.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Bartkauzes erstreckt sich über die gesamte holarktische Region. In Eurasien besiedelt er die boreale Nadelwaldzone von Skandinavien über Russland bis nach Sachalin. In Nordamerika reicht sein Areal von Alaska durch Kanada bis in die nördlichen Vereinigten Staaten. Es werden zwei Unterarten unterschieden: Strix nebulosa nebulosa in Nordamerika und Strix nebulosa lapponica in Eurasien. Letztere wird gelegentlich auch als Lapplandkauz bezeichnet.
Sein bevorzugtes Habitat sind alte, lichte Nadelwälder und Mischwälder der Taiga, insbesondere solche mit angrenzenden offenen Flächen wie Mooren, Waldlichtungen oder Kahlschlägen. Diese offenen Bereiche nutzt er als Jagdgebiet. In Europa brütet der Bartkauz vor allem in Schweden, Finnland und dem Baltikum. In Mitteleuropa tritt er nur als seltener Irrgast auf, etwa während invasionsartiger Wanderungen in nahrungsarmen Wintern.
Ernährung
Die Nahrung des Bartkauzes besteht überwiegend aus Kleinsäugern. Wühlmäuse – insbesondere Rötelmäuse und Schermäuse – bilden den Hauptanteil seiner Beute. In Nordamerika spielen Taschenratten (Geomyidae) eine vergleichbare Rolle. Ergänzend erbeutet er Spitzmäuse, junge Hasen, kleine Vögel und gelegentlich Frösche.
Die Jagdstrategie des Bartkauzes ist an seine Lebensweise in schneereichen Regionen angepasst. Er lokalisiert Beutetiere unter der Schneedecke ausschließlich akustisch mithilfe seines asymmetrisch angeordneten Gehörs und des großen Gesichtsschleiers, der als Parabolreflektor den Schall bündelt. Aus einer Ansitzposition stößt er dann kopfüber in den Schnee und durchbricht dabei Schneedecken von bis zu 50 cm Dicke. Diese Fähigkeit macht ihn zu einem hochspezialisierten Jäger in subnivalen Lebensräumen.
Verhalten & Lebensweise
Anders als viele Eulenarten ist der Bartkauz nicht ausschließlich nachtaktiv. In den nördlichen Breiten seines Verbreitungsgebiets, wo im Sommer kaum Dunkelheit herrscht, jagt er regelmäßig bei Tageslicht – vor allem in den Dämmerungsstunden. Im Winter, wenn die Tage extrem kurz sind, dehnt er seine Aktivität ebenfalls auf helle Phasen aus. Man bezeichnet ihn daher als dämmerungsaktiv mit flexiblem Aktivitätsmuster.
Bartkäuze leben einzelgängerisch und besetzen während der Brutzeit feste Reviere, die je nach Nahrungsangebot zwischen 5 und 50 Quadratkilometer umfassen können. Außerhalb der Brutzeit zeigen sie ein nomadisches Verhalten und folgen den Populationszyklen ihrer Hauptbeute. In Jahren mit zusammenbrechenden Wühlmauspopulationen kommt es zu weiträumigen Wanderungen, sogenannten Invasionen, bei denen Bartkäuze weit südlich ihres üblichen Areals auftauchen.
Gegenüber Nesträubern und potenziellen Feinden zeigt der Bartkauz ein ausgeprägtes Verteidigungsverhalten. Brütende Weibchen und beide Altvögel greifen Eindringlinge – auch Menschen – im Sturzflug an.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt im späten Winter, meist zwischen Februar und März. Das Männchen lockt das Weibchen mit tiefen, rhythmischen Rufreihen an, die aus einer Abfolge dumpfer „huu"-Laute bestehen und über weite Distanzen hörbar sind. Es bietet dem Weibchen potenzielle Nistplätze an, häufig verlassene Greifvogelhorste oder natürliche Baumstümpfe mit muldenartiger Vertiefung. Eigene Nester baut der Bartkauz nicht.
Das Gelege umfasst in der Regel 3–6 Eier, in nahrungsreichen Jahren bis zu 9. Die Eier werden im Abstand von etwa zwei Tagen gelegt, die Bebrütung beginnt mit dem ersten Ei. Daraus ergibt sich ein asynchrones Schlüpfen der Küken