Mottenuhu
MTierart – Vögel > Eulen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Phodilus badius
- Ordnung: Eulen (Strigiformes)
- Familie: Schleiereulen (Tytonidae)
- Gattung: Phodilus
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder Süd- und Südostasiens
- Größe: 23–29 cm Körperlänge
- Gewicht: 255–310 g
- Lebenserwartung: Geschätzt 10–15 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Mottenuhu, im Englischen als „Oriental Bay Owl" bekannt, ist eine vergleichsweise kleine Eulenart aus der Familie der Schleiereulen. Trotz der deutschen Bezeichnung „Uhu" ist er nicht mit dem Eurasischen Uhu (Bubo bubo) verwandt – der Trivialname ist historisch bedingt und taxonomisch irreführend.
Das Gefieder der Oberseite zeigt eine warme kastanienbraune bis rotbraune Grundfärbung, durchsetzt mit feinen dunklen Flecken und hellen Tupfen. Die Unterseite ist deutlich heller, meist gelblich-beige bis rosa-buff, mit einer variablen Anzahl dunkler Sprenkelpunkte. Der Gesichtsschleier – ein typisches Merkmal der Tytonidae – ist bei dieser Art besonders auffällig geformt: Er ist V-förmig nach oben verlängert und erinnert in seiner Silhouette an die Fühler eines Nachtfalters. Dieser Umstand dürfte zur deutschen Namensgebung „Mottenuhu" beigetragen haben.
Die Augen sind groß und dunkelbraun bis schwarz. Die Ohrregion liegt hinter dem Gesichtsschleier verborgen, wobei die Ohröffnungen asymmetrisch angeordnet sind – eine Anpassung, die eine präzise akustische Ortung von Beutetieren ermöglicht. Der Schnabel ist kurz und kräftig, typisch für Eulen. Die Beine sind relativ lang und spärlich befiedert, die Zehen mit kräftigen Krallen ausgestattet.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Mottenuhu erstreckt sich über weite Teile Süd- und Südostasiens. Die Art kommt von Nordostindien, Sri Lanka und dem südlichen China über die Malaiische Halbinsel bis nach Sumatra, Borneo und Java vor. Innerhalb dieses Areals werden mehrere Unterarten unterschieden, darunter Phodilus badius saturatus auf der Malaiischen Halbinsel und Phodilus badius badius in Teilen Indiens.
Als Habitat bevorzugt der Mottenuhu dichte, immergrüne Tiefland- und Bergwälder bis in Höhenlagen von etwa 2.200 Metern. Er besiedelt sowohl primäre Regenwälder als auch ältere Sekundärwälder, sofern diese eine geschlossene Kronendecke und ausreichend Baumhöhlen bieten. Gelegentlich wird die Art auch an Waldrändern, in Plantagen oder in der Nähe menschlicher Siedlungen beobachtet, wenn dort geeignete Nistmöglichkeiten vorhanden sind. Offene Landschaften oder stark degradierte Biotope werden gemieden.
Ernährung
Der Mottenuhu ist ein opportunistischer Jäger, dessen Nahrungsspektrum überwiegend aus Kleinsäugern, Vögeln, Eidechsen, Fröschen und großen Insekten besteht. Ratten und Mäuse machen in vielen Regionen einen erheblichen Anteil der Beute aus. Daneben werden auch Fledermäuse, kleine Schlangen und verschiedene Arthropoden erbeutet.
Die Jagdstrategie entspricht dem typischen Ansitzjäger-Verhalten vieler Eulen: Von einer erhöhten Sitzwarte aus wird die Umgebung akustisch und visuell abgesucht. Sobald ein Beutetier geortet ist, erfolgt ein kurzer, lautloser Gleitflug. Die spezielle Struktur der Schwungfedern – mit aufgefasertem Vorderrand – dämpft die Fluggeräusche und ermöglicht eine geräuschlose Annäherung.
Verhalten & Lebensweise
Wie die meisten Eulen ist der Mottenuhu streng nachtaktiv. Tagsüber ruht er in dichten Baumkronen, Baumhöhlen oder hinter abgelöster Rinde, gut getarnt durch sein kryptisches Gefieder. Bei Störung nimmt er eine aufrechte, langgestreckte Haltung ein, die seinen Körperumriss einem Aststumpf ähneln lässt.
Die Art lebt einzelgängerisch oder paarweise. Außerhalb der Brutzeit verteidigen beide Geschlechter ein eigenes Revier, das durch Rufe markiert wird. Der Ruf des Mottenuhu ist ein klagender, melodischer Pfeifton, der in regelmäßigen Abständen wiederholt wird und sich deutlich von den krächzenden Lauten der Schleiereule (Tyto alba) unterscheidet. Die Rufaktivität erreicht in den Stunden nach Sonnenuntergang ihren Höhepunkt.
Über das Territorialverhalten und die Reviergröße ist wenig bekannt, da die Art aufgrund ihrer versteckten Lebensweise schwer zu erforschen ist. Telemetriestudien fehlen bislang weitgehend.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz des Mottenuhu findet je nach Region zu unterschiedlichen Zeiten statt – in Indien vorwiegend zwischen März und Juli, auf der Malaiischen Halbinsel nahezu ganzjährig. Während der Balzzeit verstärkt das Männchen seine Rufaktivität und bietet dem Weibchen Futtergaben an, ein bei Eulen verbreitetes Balzverhalten.
Das Gelege umfasst in der Regel drei bis fünf weiße, rundliche Eier, die in Baumhöhlen, gelegentlich auch in Felsnischen oder verlassenen Nestern großer Vögel abgelegt werden. Die Brutdauer beträgt etwa 22–25 Tage. Während der Bebrütung wird das Weibchen vom Männchen mit Nahrung versorgt. Die Nestlinge schlüpfen mit einem dichten weißen Dunenkleid und werden von beiden Elternvögeln gefüttert. Nach etwa fünf bis sechs Wochen sind die Jungvögel flügge, bleiben aber noch einige Wochen im Revier der Altvögel.