Bau
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Definition und Überblick
Als Bau bezeichnet man in der Zoologie eine von Tieren selbst gegrabene oder erweiterte unterirdische Behausung, die dauerhaft oder zeitweise als Wohn-, Schutz- und Fortpflanzungsstätte dient. Der Begriff umfasst ein breites Spektrum an Strukturen – von einfachen Erdröhren bis hin zu komplexen, mehrkammerigen Gangsystemen mit mehreren Ein- und Ausgängen. Im deutschsprachigen Raum wird der Ausdruck vor allem für die Bauten von Säugetieren wie Fuchs, Dachs, Kaninchen oder Hamster verwendet, während man bei kleineren Tieren wie Insekten oder Spinnen eher von Nestern, Höhlen oder Gängen spricht. In der Jägersprache ist „Bau" ein fest etablierter Terminus und gehört zum Grundvokabular der Waidmannssprache.
Typen und Bauweisen
Unterirdische Tierbauten lassen sich nach ihrer Komplexität, Nutzung und Bauweise in verschiedene Typen einteilen:
- Einfache Erdröhre: Ein einzelner Gang mit einer Kammer am Ende. Typisch für Feldhamster (Cricetus cricetus) in der Anfangsphase oder für Mauswiesel, die häufig Gänge anderer Tiere übernehmen.
- Verzweigter Bau: Mehrere Gänge führen zu verschiedenen Kammern, die unterschiedlichen Zwecken dienen – etwa als Schlafkessel, Vorratskammer oder Latkammer. Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) legt solche Bauten häufig an.
- Burgensystem: Hochkomplexe, über Generationen erweiterte Anlagen mit dutzenden Eingängen und einem weitverzweigten Tunnelnetz. Der Europäische Dachs (Meles meles) errichtet solche Dachsburgen, die über Jahrzehnte genutzt und ständig ausgebaut werden können.
- Koloniebau: Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) graben gemeinschaftlich genutzte Bauten, sogenannte Warrens, in denen eine ganze Kolonie lebt. Die Gänge können sich über hunderte Quadratmeter erstrecken.
Die Grabarbeit erfolgt in der Regel mit den Vorderpfoten, wobei die Erde nach hinten gescharrt und teilweise mit den Hinterpfoten aus dem Gang befördert wird. Manche Arten wie der Maulwurf (Talpa europaea) besitzen zu diesem Zweck hochspezialisierte, schaufelförmige Vorderextremitäten. Die ausgehobene Erde wird als Auswurf vor dem Eingang abgelagert – beim Maulwurf als charakteristischer Maulwurfshügel, beim Dachs als deutlich sichtbare Erdrutsche unterhalb der Einfahrten.
Funktionen des Baus
Ein Bau erfüllt für seine Bewohner mehrere lebenswichtige Funktionen gleichzeitig:
- Schutz vor Witterung: Unter der Erde herrschen relativ stabile Temperaturen. Im Winter bleibt es in tieferen Kammern frostfrei, im Sommer angenehm kühl. Diese Thermoregulation ist besonders für Arten bedeutsam, die Winterruhe oder Winterschlaf halten.
- Schutz vor Fressfeinden: Die enge Röhre schränkt den Zugang für größere Prädatoren ein. Mehrere Ausgänge – sogenannte Notröhren – ermöglichen die Flucht, falls ein Feind in den Bau eindringt.
- Fortpflanzung und Jungenaufzucht: Die Wurfkammer oder der Wurfkessel wird häufig mit trockenem Laub, Gras oder Moos ausgepolstert. Hier bringen die Weibchen ihre Jungen zur Welt und säugen sie in den ersten Lebenswochen.
- Nahrungslagerung: Einige Arten wie der Feldhamster legen separate Vorratskammern an, in denen sie Samen, Getreide und andere pflanzliche Nahrung für den Winter horten. Hamsterbauten können mehrere Kilogramm Vorräte enthalten.
Ökologische Bedeutung
Tierbauten sind weit mehr als private Behausungen einzelner Arten. Sie stellen ökologische Schlüsselstrukturen dar, die zahlreichen anderen Organismen als Lebensraum dienen. Verlassene Fuchsbauten werden regelmäßig von Dachsen, Waschbären oder Wildkatzen bezogen. Auch Amphibien, Reptilien und Wirbellose nutzen die frostfreien Gänge als Überwinterungsquartier. Man spricht in diesem Zusammenhang von Nachnutzung oder Sekundärbesiedlung.
Gleichzeitig bewohnen verschiedene Tierarten denselben Bau zur selben Zeit. Fuchs und Dachs teilen sich gelegentlich einen Bau, wobei sie getrennte Bereiche nutzen. Solche Baugemeinschaften sind in der Wildbiologie gut dokumentiert. Darüber hinaus besiedeln spezialisierte Insekten, Milben und Flöhe die Kammern und Gänge – die sogenannte Nidikolfauna umfasst Arten, die ausschließlich in Tiernestern und -bauten vorkommen.
Durch ihre Grabtätigkeit beeinflussen bauende Tiere die Bodenstruktur erheblich. Sie belüften verdichtete Erdschichten, fördern die Durchmischung von Bodenhorizonten und verbessern die Wasserinfiltration. In der Ökologie werden solche Arten als Ökosystemingenieure (ecosystem engineers) bezeichnet. Dachse und Kaninchen können durch ihre Grabaktivität die Zusammensetzung der Vegetation an der Oberfläche verändern und so Pionierarten fördern.
Bau und Mensch
Das Verhältnis zwischen Menschen und tiefgrabenden Wildtieren ist nicht immer spannungsfrei. Kaninchenbauten in landwirtschaftlichen Flächen können zu Ernteschäden und Bodenerosion führen. Dachsburgen in Deichen oder Bahndämmen gefährden unter Umständen die Stabilität dieser Bauwerke. In der Forstwirtschaft hingegen wird die Bodenlüftung durch grabende Tiere oft positiv bewertet.
Im Naturschutz genießen viele baubewohnende Arten besonderen Schutz. So dürfen besetzte Dachsburgen in Deutschland nach dem Bund