T Tierlexikon.net
← Lexikon

Blockhalde

B

Biologie & Ökologie > Lebensräume & Geländebegriffe – weitere

Definition und Überblick

Eine Blockhalde ist eine Ansammlung großer Gesteinsblöcke und Felstrümmer, die durch natürliche Verwitterungs- und Erosionsprozesse entstanden ist. Die einzelnen Blöcke erreichen dabei Durchmesser von mindestens 20 Zentimetern, häufig jedoch mehrere Meter. Blockhalden finden sich vor allem in Mittel- und Hochgebirgen, an steilen Hängen und unterhalb von Felswänden. Im deutschsprachigen Raum sind sie besonders in den Alpen, im Harz, im Schwarzwald, in der Rhön, im Odenwald und in der Fränkischen Schweiz verbreitet. Trotz ihres auf den ersten Blick lebensfeindlichen Erscheinungsbildes stellen Blockhalden ökologisch wertvolle Sonderstandorte dar, die einer spezialisierten Tier- und Pflanzenwelt Lebensraum bieten.

Entstehung und geologische Grundlagen

Die Bildung von Blockhalden geht auf verschiedene geologische und klimatische Prozesse zurück. In den meisten Fällen sind es Frostsprengung und Frostverwitterung, die große Gesteinsblöcke aus Felswänden herauslösen. Wasser dringt in Spalten und Klüfte ein, gefriert und dehnt sich dabei aus. Über Jahrtausende werden auf diese Weise ganze Felsmassen zertrümmert. Besonders während der Eiszeiten im Pleistozän entstanden in Mitteleuropa ausgedehnte Blockhalden, die als periglaziale Bildungen bis heute erhalten sind.

Neben der Frostverwitterung spielen auch Bergstürze, Felsstürze und gravitative Massenbewegungen eine Rolle. Das Gestein sammelt sich am Hangfuß oder in Mulden und bildet dort charakteristische Schuttfelder. Je nach Gesteinsart unterscheidet sich das Erscheinungsbild erheblich: Granit, Gneis und Basalt bilden eher große, kantige Blöcke, während Sandstein und Kalkstein zu unregelmäßigeren Formen verwittern.

Synonyme und verwandte Begriffe sind unter anderem Blockmeer (bei flächiger Ausdehnung auf Hochflächen), Blockstrom (bei langgestreckten Formen in Tälern), Felsenmeer und Steinmeer. Fachlich werden Blockhalden von Schutthalden abgegrenzt, bei denen feineres Material wie Schotter und Grus dominiert.

Mikroklimatische Besonderheiten

Blockhalden zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Eigenklima aus, das sich deutlich von der Umgebung unterscheidet. Die großen Hohlräume zwischen den Blöcken ermöglichen Luftzirkulation: Kalte Luft sinkt in die Tiefe der Halde, während wärmere Luft nach oben entweicht. Dieses Phänomen wird als Kaltluftproduktion oder Blockhaldenventilation bezeichnet.

An manchen Blockhalden treten am Hangfuß selbst im Hochsommer Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt auf, während die oberen Bereiche deutlich wärmer sind. In tieferen Lagen können sich Eislinsen oder Permafrostinseln halten. Diese extremen Temperaturverhältnisse schaffen Nischen für kälteliebende Arten, die als Eiszeitrelikte (Glazialrelikte) gelten und in der umgebenden Landschaft längst verschwunden sind.

Tierwelt der Blockhalden

Die Fauna der Blockhalden ist geprägt von Spezialisten, die an das lückige Substrat und die besonderen klimatischen Bedingungen angepasst sind. Das Hohlraumsystem zwischen den Blöcken bietet Unterschlupf, Jagdrevier und Fortpflanzungsstätten für zahlreiche Tierarten.

  • Säugetiere: Zu den typischen Bewohnern zählen Gämse, Steinbock und Murmeltier in alpinen Blockhalden. In den Mittelgebirgen nutzen Siebenschläfer, Gartenschläfer und verschiedene Fledermausarten die Spalten als Quartiere. Auch der Hermelin und das Mauswiesel jagen in den Hohlräumen nach Kleinsäugern.
  • Reptilien: Die Schlingnatter, die Mauereidechse und die Zauneidechse nutzen sonnenexponierte Blockhalden als Lebensraum. Die Steine dienen als Sonnenplätze zur Thermoregulation und als Verstecke vor Fressfeinden.
  • Amphibien: In feuchteren Blockhalden finden sich Feuersalamander und Alpensalamander, die die kühlen, feuchten Spalten als Tagesverstecke nutzen.
  • Vögel: Der Steinschmätzer brütet bevorzugt in Blockhalden und zählt zu den Charakterarten dieses Lebensraums. Auch der Hausrotschwanz und der Mauerläufer sind hier anzutreffen.
  • Wirbellose: Besonders artenreich ist die Gemeinschaft der Spinnen, Laufkäfer, Hundertfüßer und Weberknechte. Einige Arten gelten als Eiszeitrelikte, darunter bestimmte Pseudoskorpione und höhlenangepasste Spinnenarten. In der Streuschicht zwischen den Blöcken lebt eine vielfältige Bodenfauna aus Milben, Springschwänzen und Asseln.

Pflanzenwelt und Sukzession

Die Besiedlung von Blockhalden durch Pflanzen verläuft langsam. Pionierbewuchs in Form von Flechten und Moosen überzieht zunächst die Gesteinsoberflächen. In den Spalten zwischen den Blöcken sammelt sich im Lauf der Zeit organisches Material an, das Farnen und krautigen Pflanzen als Substrat dient. Typische Pflanzengesellschaften sind Blockhalden-Ahorn-Wälder und Schluchtwälder mit Berg-Ahorn, Spitz-Ahorn und Sommerlinde. In höheren Lagen bleiben Blockhalden oft dau