Borste
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Definition & Überblick
Als Borste (lateinisch seta, Plural setae) wird in der vergleichenden Anatomie ein besonders derbes, steifes und dickwandiges Haar bezeichnet, das sich durch seinen großen Durchmesser, seine ausgeprägte Rigidität und eine charakteristische Markstruktur von den übrigen Haartypen unterscheidet. Im engeren veterinäranatomischen Sinne bezieht sich der Begriff vor allem auf das Haarkleid des Hausschweins (Sus scrofa domesticus) und des Wildschweins (Sus scrofa), deren gesamtes Fell aus Borsten besteht. Im weiteren Sinne werden jedoch auch steife, borstenähnliche Haare anderer Spezies – etwa die Tasthaare (Sinushaare, Pili tactiles) oder besonders kräftige Deckhaare bei Hunden und Pferden – gelegentlich als borstig oder borstenähnlich beschrieben.
Die Borste gehört zur Gruppe der Hautanhangsgebilde (Adnexa cutis) und ist wie alle Haare eine Differenzierung der Epidermis. Funktionell steht sie zwischen dem feinen Wollhaar (Pilus laneus) und dem extremen Stachel, wie er beispielsweise beim Igel oder Stachelschwein vorkommt. Im Handwerk und in der Industrie sind Schweineborsten seit Jahrhunderten als Rohstoff für Bürsten und Pinsel von Bedeutung, was ihre besondere mechanische Beschaffenheit unterstreicht.
Aufbau & Struktur
Histologisch gleicht die Borste im Grundbauplan dem allgemeinen Säugetierhaar, weist jedoch einige markante Abweichungen auf:
- Haarschaft (Scapus pili): Der Schaft der Borste ist im Querschnitt deutlich dicker als der eines gewöhnlichen Deckhaares. Er kann beim Schwein einen Durchmesser von 100–300 µm erreichen. Die äußere Schicht, die Cuticula (Schuppenschicht), besteht aus flachen, dachziegelartig übereinanderliegenden Hornzellen, die bei der Borste besonders robust ausgebildet sind.
- Rinde (Cortex): Die Rindenschicht enthält dicht gepackte, spindelförmige Hornzellen mit eingelagertem Melanin, das die Farbgebung bestimmt. Beim Schwein variiert die Borstenfarbe je nach Rasse von weiß über sandfarben bis schwarz.
- Mark (Medulla): Eine besonders auffällige Eigenschaft der Borste ist ihr ausgeprägtes, breites Mark. Dieses zentrale Lumen ist mit luftgefüllten, unregelmäßig angeordneten Zellen durchsetzt und macht einen erheblichen Anteil des Haarquerschnitts aus. Die ausgeprägte Medulla verleiht der Borste ihre typische Steifigkeit und ihr gespaltenes distales Ende – das sogenannte „Fahnenende" oder die „Flagge".
- Haarfollikel (Folliculus pili): Die Borste sitzt in einem kräftig ausgebildeten Haarfollikel, der tief in die Dermis (Lederhaut) und oft bis in die Subcutis (Unterhaut) hineinreicht. Die Haarpapille (Papilla pili) am Follikelgrund ist entsprechend groß und gut vaskularisiert. Ein Musculus arrector pili (Haarbalgmuskel) ist vorhanden und ermöglicht das Aufrichten der Borste.
- Talgdrüsen (Glandulae sebaceae): Die den Follikel begleitenden Talgdrüsen sind beim Schwein vergleichsweise gut entwickelt und fetten die Borste ein, was zu deren Elastizität und Wasserabweisung beiträgt.
Funktion
Die Borste erfüllt mehrere physiologische Aufgaben, die vor allem im Kontext der Lebensweise des Schweins als wühlendes, bodennah lebendes Tier verständlich werden:
- Mechanischer Schutz: Die Steifigkeit und Dichte des Borstenkleids schützt die Haut vor Verletzungen durch Dornen, Gestrüpp und Bodenunebenheiten beim Wühlen.
- Thermoregulation: Obwohl das Borstenkleid im Vergleich zum dichten Fell anderer Haussäugetiere eine relativ geringe Isolationsleistung bietet, hält es bei Wildschweinen – unterstützt durch eine dichte Unterwolle im Winter – einen gewissen Wärmeschutz aufrecht.
- Sensorik: Borsten im Bereich der Rüsselscheibe (Planum rostrale) und der Lippen sind besonders dicht innerviert und übernehmen taktile Funktionen bei der Nahrungssuche.
- Kommunikation und Drohverhalten: Beim Wildschwein wird der Kamm aus verlängerten Rückenborsten (Mähne, Crista dorsalis) bei Erregung durch Kontraktion der Haarbalgmuskeln aufgerichtet. Dieses Sträuben dient der optischen Vergrößerung und wirkt als Drohhaltung gegenüber Rivalen oder Feinden.
Unterschiede zwischen Tierarten
Während die Borste im klassischen Sinne dem Schwein zugeordnet wird, finden sich borstenähnliche Strukturen in unterschiedlicher Ausprägung bei zahlreichen Tiergruppen:
- Schwein (Sus scrofa): Prototyp der Borste. Das gesamte Haarkleid besteht aus Borsten, ergänzt durch feine Unterwolle beim Wildschwein. Die Borstendichte beträgt etwa 5–20 Borsten pro cm² – deutlich weniger als die Haardichte bei Hund oder Katze.
- Hund (Canis lupus familiaris): Einige Rassen wie der Rauhaardackel oder der Deutsch Drahthaar besitzen ein drahtiges, borstenähnliches Deckhaar (Pilus setosus), das genetisch durch bestimmte Varianten im RSPO2-Gen beeinflusst wird.
- Pferd (Equus caballus): Die kurzen, steifen Haare an Lippen, K