Deckhaar
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Definition & Überblick
Als Deckhaar (auch Grannenhaar, lateinisch Pilus primarius oder Capilli im weiteren Sinne) bezeichnet man die äußeren, längeren und kräftigeren Haare des Fells, die das darunterliegende Unterfell (Unterwolle, Pili lanei) bedecken und schützen. Gemeinsam mit der Unterwolle bildet das Deckhaar das Haarkleid (Pelage) eines Säugetiers. Es handelt sich um die sichtbarste Komponente des Fells, die maßgeblich das äußere Erscheinungsbild, die Fellfarbe und die Fellstruktur eines Tieres bestimmt. In der vergleichenden Anatomie wird das Deckhaar dem sogenannten Leithaar (Pilus rector) zugeordnet, das jeweils das zentrale, dickste Haar einer Haarbalggruppe (Folliculus pili compositus) darstellt.
Aufbau & Struktur
Das einzelne Deckhaar ist ein keratinisiertes Hautanhangsgebilde, das aus der Haarwurzel (Radix pili) und dem sichtbaren Haarschaft (Scapus pili) besteht. Der Haarschaft weist im Querschnitt drei konzentrische Schichten auf:
- Cuticula (Schuppenschicht): Die äußerste Schicht besteht aus dachziegelartig übereinanderliegenden, abgeflachten Keratinzellen. Sie verleiht dem Haar seine Glätte und bestimmt den Glanz des Fells. Das Anordnungsmuster der Cuticula-Schuppen ist tierartspezifisch und wird in der forensischen Trichologie zur Artbestimmung herangezogen.
- Cortex (Rinde): Diese Schicht macht den Hauptanteil des Haarschafts aus. Spindelförmige, fest verhornte Zellen mit eingelagerten Melaningranula bestimmen hier Farbe und mechanische Festigkeit des Deckhaars. Die Pigmentierung erfolgt durch Eumelanin (braun-schwarz) und Phäomelanin (gelb-rot).
- Medulla (Mark): Das Haarmark im Zentrum des Haarschafts ist beim Deckhaar meist gut ausgebildet und durchgängig, im Gegensatz zur Unterwolle, bei der die Medulla häufig fehlt oder fragmentiert erscheint. Die Medulla enthält Lufteinschlüsse, die zur Wärmeisolation beitragen.
Die Haarwurzel sitzt in einem Haarfollikel (Folliculus pili), der von einer bindegewebigen Wurzelscheide umgeben ist. Am Follikel inseriert der Musculus arrector pili (Haarbalgmuskel), ein glatter Muskel, der bei Kontraktion das Deckhaar aufrichtet – ein Mechanismus, der etwa bei Katzen und Hunden als Zeichen von Erregung oder Kälte sichtbar wird. Zudem münden Talgdrüsen (Glandulae sebaceae) in den Follikelkanal und überziehen das Deckhaar mit einem schützenden Lipidfilm (Sebum).
Funktion
Das Deckhaar erfüllt mehrere essenzielle Funktionen:
- Mechanischer Schutz: Durch seine Festigkeit schützt das Deckhaar vor Verletzungen, Abrieb und dem Eindringen von Fremdkörpern in die Haut (Cutis).
- Witterungsschutz: Das Deckhaar leitet Regenwasser und Schnee ab. Durch die Talgschicht wirkt es wasserabweisend (hydrophob), sodass die darunterliegende Unterwolle weitgehend trocken bleibt und ihre isolierende Funktion behält.
- Thermoregulation: In Zusammenspiel mit der Unterwolle bildet das aufgestellte oder angelegte Deckhaar ein regulierbares Luftpolster, das je nach Bedarf mehr oder weniger Wärme speichert.
- UV-Schutz: Die Pigmentierung des Deckhaars schützt die darunterliegende Epidermis vor ultravioletter Strahlung.
- Kommunikation und Tarnung: Fellzeichnung und Fellfarbe – beide primär durch das Deckhaar bestimmt – dienen der Tarnung (Krypsis), der Artgenossenerkennung und der innerartlichen Kommunikation. Das Aufstellen des Deckhaars (Piloerektion) signalisiert bei vielen Spezies Aggression oder Angst.
- Sensorik: Obwohl die taktile Funktion vornehmlich den Sinushaaren (Pili tactiles, Vibrissen) zukommt, tragen auch Deckhaare über freie Nervenendigungen am Follikel zur Wahrnehmung mechanischer Reize bei.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Beschaffenheit des Deckhaars variiert erheblich zwischen verschiedenen Tierarten und Rassen. Beim Hund (Canis lupus familiaris) existieren durch Zucht extreme Unterschiede: Vom kurzen, anliegenden Deckhaar des Dobermanns über das drahtige Haar des Rauhaardackels bis zum langen, seidigen Deckhaar des Afghanen. Manche Rassen wie der Pudel besitzen fast ausschließlich Deckhaar mit kontinuierlichem Wachstum, was das charakteristische Kräuseln und die Notwendigkeit regelmäßiger Schur erklärt.
Bei der Katze (Felis catus) unterscheidet man neben dem Deckhaar zusätzlich das Grannenhaar und das Wollhaar als drei Haartypen, wobei das Deckhaar (Leithaar) die äußerste, schützende Schicht bildet. Nacktkatzenrassen wie die Sphynx weisen ein weitgehend fehlendes oder stark reduziertes Deckhaar auf.
Beim Pferd (Equus caballus) ist das Deckhaar vergleichsweise kurz und einheitlich. Es liegt dem Körper eng an und besitzt kaum Unterwolle, mit Ausnahme robuster Rassen wie dem Islandpferd, die im Winter ein dichtes Unterfell unter dem Deckhaar ausbilden. Mähne, Schweif und Behang z