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Brunft

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Verhalten > Fortpflanzungs- & Brutverhalten

Definition & Überblick

Als Brunft (auch Brunftzeit) bezeichnet die Ethologie die periodisch wiederkehrende Phase gesteigerter sexueller Aktivität und Paarungsbereitschaft bei männlichen Säugetieren, insbesondere bei Huftieren (Ungulata). Im engeren Sinne wird der Begriff traditionell für Hirsche (Cervidae) verwendet, im weiteren Sinne jedoch auf zahlreiche andere Artiodactyla – darunter Gämsen, Steinböcke und Elche – übertragen. Das weibliche Pendant, also die Phase der Empfängnisbereitschaft beim Weibchen, wird als Brunst (Östrus) bezeichnet. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden beide Begriffe häufig synonym verwendet, fachlich ist die Unterscheidung jedoch relevant.

Die Brunft stellt einen der auffälligsten und energetisch kostspieligsten Abschnitte im Jahreszyklus vieler Wildtiere dar. Sie umfasst ein komplexes Repertoire aus Lautäußerungen, Imponierverhalten, ritualisierter Aggression und direkten Kämpfen zwischen rivalisierenden Männchen. Ziel dieser Verhaltensweisen ist der Zugang zu paarungsbereiten Weibchen und damit der Reproduktionserfolg.

Biologischer Hintergrund

Die Brunft wird durch ein Zusammenspiel endokriner, photoperiodischer und ökologischer Faktoren ausgelöst. Zentral ist der Anstieg des Testosteronspiegels bei männlichen Tieren, der durch die abnehmende Tageslichtlänge im Spätsommer und Herbst über die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse reguliert wird. Die Zirbeldrüse (Epiphyse) fungiert dabei als photoperiodischer Sensor: Über die Ausschüttung von Melatonin bei zunehmender Dunkelheit wird die Gonadotropin-Freisetzung moduliert, was letztlich die Testosteronproduktion in den Hoden stimuliert.

Der erhöhte Testosteronspiegel bewirkt tiefgreifende physiologische Veränderungen: Bei Hirschen verdickt sich die Nackenmuskulatur, der Kehlkopf vergrößert sich – was die charakteristisch tiefe Stimme während des Röhrens ermöglicht – und das Geweih wird durch das Abfegen der Basthaut kampfbereit. Gleichzeitig sinkt der Appetit drastisch; Rothirsche können während der Brunft bis zu 20 Prozent ihres Körpergewichts verlieren, da sie die Nahrungsaufnahme zugunsten von Paarungsaktivitäten nahezu einstellen.

Der exakte Zeitpunkt der Brunft ist evolutionär so optimiert, dass die Jungtiere nach der artspezifischen Tragzeit in einer Jahreszeit geboren werden, die optimale Überlebenschancen bietet – in gemäßigten Breiten typischerweise das Frühjahr mit zunehmendem Nahrungsangebot und steigenden Temperaturen.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

Der Begriff Brunft wird primär für folgende Tiergruppen verwendet:

  • Hirsche (Cervidae): Rothirsch, Damhirsch, Sikahirsch, Elch, Reh (beim Reh spricht man allerdings von der „Blattzeit" im Juli/August, was eine Besonderheit darstellt, da hier eine Keimruhe die verspätete Geburt im Frühjahr ermöglicht).
  • Hornträger (Bovidae): Gämse, Steinbock, Mufflon, Wisent. Hier ist gelegentlich auch der Begriff „Brunst" für beide Geschlechter gebräuchlich.
  • Wildschweine (Suidae): Die Paarungszeit beim Schwarzwild wird traditionell als „Rauschzeit" bezeichnet, weist jedoch funktional identische Verhaltensmuster auf.

Analoge Paarungszeiten existieren bei zahlreichen weiteren Taxa – etwa die Balz bei Vögeln oder der Amplexus bei Amphibien – doch der Terminus Brunft bleibt im zoologischen Sprachgebrauch den genannten Säugetiergruppen vorbehalten.

Auslöser & Funktion

Die Brunft wird durch ein Geflecht aus proximaten und ultimaten Ursachen bestimmt. Proximate Auslöser sind neben der Photoperiode auch olfaktorische Reize: Pheromone paarungsbereiter Weibchen, die über den Urin und vaginale Sekrete abgegeben werden, stimulieren das Brunftverhalten der Männchen zusätzlich. Das sogenannte Flehmen – ein typisches Hochziehen der Oberlippe zur Analyse chemischer Signale über das Jacobson-Organ – ist ein charakteristisches Verhaltensmuster in diesem Kontext.

Die ultimative Funktion der Brunft liegt in der intrasexuellen Selektion: Durch Kämpfe, Imponierverhalten und akustische Kommunikation werden die konkurrierenden Männchen in eine Rangordnung gebracht. Beim Rothirsch etwa verteidigt ein dominanter Platzhirsch seinen Brunftplatz und den dort versammelten Harem aus Weibchen (Kahlwild) gegen Herausforderer. Das Röhren dient dabei sowohl der akustischen Reviermarkierung als auch der Einschätzung der Kampfkraft durch Rivalen – Studien zeigen, dass die Ruffrequenz und Rufrate mit der körperlichen Kondition korrelieren. Erst wenn akustische und visuelle Einschätzung keine Klärung bringen, eskalieren Auseinandersetzungen zu Geweihkämpfen, die gelegentlich schwere Verletzungen oder den Tod eines Kontrahenten zur Folge haben können.

Dieses System der sexuellen Selektion stellt sicher, dass vorwiegend genetisch überlegene, gesunde und erfahrene Männchen ihre Gene weitergeben – ein Mechanismus, der die Fitness der Population langfristig stärkt.

Bedeutung für die Haltung

In der Gehegehaltung von Hirschen, Mufflons oder Wisenten erfordert die Brunftzeit besondere Aufmerksamkeit. Der erhöhte Testosteronspiegel macht selbst normalerweise umgängliche Gehegetiere unberechenbar und potenziell gefährlich für Pfleger. Folgende Aspekte sind relevant:

  • Sicherheit: Direkte Kontakte mit brunftigen Männchen sollten minimiert werden. Gehegestrukturen müssen Fluchtmöglichkeiten für Personal bieten. Handzahme Hirsche sind paradoxerweise gefährlicher als scheue, da sie keine Distanz zum Menschen halten.
  • Gruppenzusammensetzung: Bei mehreren Männchen in einem Gehege kann es zu massiver Aggression kommen. Eine rechtzeitige Separation oder ausreichend