Brunftzeit
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Definition & Überblick
Als Brunftzeit (auch Brunft, bei manchen Tiergruppen synonym als Balzzeit oder Ranzzeit verwendet) bezeichnet man in der Ethologie jenen artspezifisch festgelegten Zeitraum im Jahreszyklus, in dem geschlechtsreife Tiere ein intensiviertes Fortpflanzungsverhalten zeigen. Der Begriff leitet sich vom mittelhochdeutschen brunft ab, das wiederum auf brëmen (brüllen, röhren) zurückgeht – ein sprachlicher Hinweis darauf, dass akustische Signale seit jeher als auffälligstes Merkmal dieser Phase wahrgenommen wurden.
Während der Brunftzeit treten charakteristische Verhaltensänderungen auf: verstärkte Lautäußerungen, ritualisierte Kommentkämpfe zwischen rivalisierenden Männchen, intensivierte Duftmarkierung und ein insgesamt gesteigertes Aktivitätsniveau. Gleichzeitig sinkt bei vielen Arten die Nahrungsaufnahme drastisch – Rothirsche etwa verlieren während der Brunft bis zu 20 Prozent ihres Körpergewichts. Die Brunftzeit ist ein zentrales Element des Fortpflanzungsverhaltens und steht in enger Wechselwirkung mit dem Sozialverhalten, der Territorialität und der innerartlichen Kommunikation.
Biologischer Hintergrund
Die physiologische Grundlage der Brunft bildet das endokrine System. Bei männlichen Säugetieren steigt der Testosteronspiegel in den Wochen vor der Brunft stark an, was zu morphologischen Veränderungen (etwa Zunahme der Halsmuskelmasse beim Rothirsch) und verhaltensmäßigen Umstellungen führt. Bei weiblichen Tieren steuern Östrogen und Progesteron den Eintritt in die Empfängnisbereitschaft (Östrus). Diese hormonellen Kaskaden werden ihrerseits durch übergeordnete Zentren im Hypothalamus und der Hypophyse reguliert.
Aus evolutionsbiologischer Perspektive dient die zeitliche Begrenzung der Fortpflanzungsbereitschaft einem klaren Zweck: Die Nachkommen sollen zu einem Zeitpunkt geboren werden, der ihr Überleben maximiert. Beim Reh etwa findet die Brunft (Blattzeit) im Juli und August statt, die Kitze werden nach einer Tragzeit von rund 290 Tagen – inklusive einer für Rehe typischen Keimruhe (Eiruhe, Diapause) – im Mai oder Juni des Folgejahres geboren, wenn das Nahrungsangebot am günstigsten ist. Diese zeitliche Synchronisation von Brunft und Geburtstermin ist ein eindrucksvolles Ergebnis der natürlichen Selektion.
Auf neuronaler Ebene spielen Instinkthandlungen und angeborene Auslösemechanismen (AAM) eine tragende Rolle. Das Röhren eines Hirschs, das Imponiergehabe eines Steinbocks oder die ritualisierten Kampfbewegungen zweier Elchbullen sind Erbkoordinationen – genetisch fixierte Verhaltensprogramme, die durch spezifische Schlüsselreize aktiviert werden.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Der Begriff Brunftzeit wird überwiegend für Säugetiere verwendet, insbesondere für Huftiere (Artiodactyla und Perissodactyla). Bei anderen Tiergruppen existieren analoge Bezeichnungen:
- Cerviden (Hirsche): Rothirsch (September–Oktober), Damhirsch (Oktober–November), Reh (Juli–August, als „Blattzeit" bezeichnet)
- Boviden: Gämse (November–Dezember), Steinbock (Dezember–Januar), Wisent (August–September)
- Caniden und Musteliden: Hier wird häufig der Begriff Ranzzeit verwendet – etwa beim Fuchs (Januar–Februar) oder beim Dachs (Februar–März)
- Vögel: Bei Vögeln spricht man von Balzzeit; funktional bestehen jedoch starke Parallelen zur Brunft der Säugetiere
- Amphibien: Auch Frösche und Molche zeigen saisonale Fortpflanzungsphasen mit spezifischen Rufen und Rivalenkämpfen, die funktional der Brunft entsprechen
Bei tropischen Arten mit ganzjährig stabilem Nahrungsangebot fehlt eine streng abgegrenzte Brunftzeit häufig. Stattdessen können Individuen das ganze Jahr über fortpflanzungsbereit sein – ein Phänomen, das als kontinuierliche Reproduktion bezeichnet wird.
Auslöser & Funktion
Der wichtigste proximative Auslöser der Brunft ist die Photoperiode – die sich im Jahresverlauf verändernde Tageslichtdauer. Über photosensitive Zellen in der Retina und die nachgeschaltete Melatoninproduktion der Zirbeldrüse (Epiphyse) registriert das Gehirn die Veränderung der Lichtverhältnisse und setzt die hormonelle Kaskade in Gang. Bei sogenannten Kurztagtieren (z. B. Rothirsch, Schaf) löst die abnehmende Tageslänge im Herbst die Brunft aus, bei Langtagtieren (z. B. Pferd, Frettchen) geschieht dies im Frühjahr bei zunehmender Helligkeit.
Zusätzlich wirken folgende Faktoren als Modulatoren:
- Soziale Stimuli: Die Anwesenheit paarungsbereiter Weibchen oder rivalisierender Männchen verstärkt das Brunftverhalten. Dies kann als eine Form der sozialen Fazilitation verstanden werden.
- Olfaktorische Reize: Pheromone im Urin oder in Sekreten spezialisierter Drüsen (Voraugendrüse beim Hirsch, Brunftfeige beim Gämsbock) signalisieren den Reproduktionsstatus und wirken als Schlüsselreize.
- Konditionierung und Erfahrung: Ältere, erfahrene Männchen zeigen häufig ein effizienteres Brunftverhalten als Jährlinge. Lernprozesse und individuelle Erfahrung überlagern hier die rein instinktive Komponente.
- Temperatur und