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Buckeln

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Definition & Überblick

Unter Buckeln versteht man in der Ethologie eine charakteristische Körperhaltung bzw. Bewegung, bei der ein Tier seinen Rücken konvex nach oben wölbt und dabei häufig den Kopf senkt. Der Begriff umfasst je nach Tierart und Kontext sehr unterschiedliche Verhaltensmuster: von der defensiven Drohgebärde der Hauskatze über das explosive Abwehrverhalten bei Pferden und Rindern bis hin zu spielerischen Bewegungsmustern bei Jungtieren. In der deutschsprachigen Verhaltensforschung wird Buckeln daher nicht als einheitliche Verhaltenskategorie geführt, sondern als morphologisch beschriebenes Bewegungsmuster betrachtet, dessen funktionale Bedeutung sich erst aus dem jeweiligen Kontext erschließt.

Das Buckeln lässt sich je nach Situation verschiedenen Funktionskreisen zuordnen: dem Agonistischen Verhalten (Kampf- und Fluchtverhalten), dem Komfortverhalten, dem Spielverhalten oder der Kommunikation innerhalb sozialer Gruppen. Diese Vielschichtigkeit macht das Buckeln zu einem instruktiven Beispiel dafür, wie ein und dasselbe motorische Muster in unterschiedlichen Kontexten völlig verschiedene Funktionen erfüllen kann – ein Phänomen, das in der Ethologie als Kontextabhängigkeit von Verhaltensweisen bekannt ist.

Biologischer Hintergrund

Die Krümmung der Wirbelsäule beim Buckeln wird durch die koordinierte Kontraktion der epaxialen Muskulatur entlang der Rückenpartie ermöglicht, insbesondere durch den Musculus longissimus dorsi und den Musculus iliocostalis. Bei explosivem Buckeln, wie es etwa bei Pferden oder Rindern auftritt, kommt eine gleichzeitige Kontraktion der Bauchmuskulatur hinzu, die den Rücken nach oben presst, während die Hinterbeine kraftvoll nach hinten-oben ausschlagen.

Neurophysiologisch betrachtet handelt es sich beim Buckeln um ein motorisches Aktionsmuster, das je nach Tierart unterschiedlich stark genetisch fixiert ist. Bei der Katze etwa wird die typische Buckelstellung durch eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems ausgelöst: Die Erregung des autonomen Nervensystems führt neben der Rückenkrümmung auch zur Piloerektion (Aufstellen der Haare), Pupillenerweiterung und erhöhter Adrenalinausschüttung. Diese vegetativen Begleitreaktionen belegen, dass das Buckeln hier Teil einer umfassenden physiologischen Stressreaktion ist.

Bei Huftieren hingegen spielt die propriozeptive Rückmeldung eine wesentliche Rolle. Reize an der Rückenpartie – etwa durch einen ungewohnten Sattel, Insektenstiche oder auch durch das Gewicht eines Reiters – können reflexartig ein Buckeln auslösen. Dieses Muster weist Merkmale einer Erbkoordination im Sinne Konrad Lorenz' auf, kann aber durch Konditionierung sowohl verstärkt als auch abgeschwächt werden.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

  • Hauskatze (Felis catus): Der sogenannte Katzenbuckel gehört zu den bekanntesten Ausdrucksformen der Körpersprache bei Katzen. Er tritt als Defensivdrohung auf, häufig in Kombination mit seitlicher Körperstellung, Fauchen und Piloerektion. Junge Katzen zeigen ihn auch im Spielverhalten.
  • Pferd (Equus caballus): Buckeln ist hier ein explosives Bewegungsmuster, bei dem das Pferd den Rücken hochwölbt und die Hinterbeine ruckartig nach oben schleudert. Es dient der Abwehr von Raubtieren, dem Abwerfen von Lasten oder dem Ausdruck von Unwohlsein und Übermut.
  • Rind (Bos taurus): Kälber und Jungrinder buckeln häufig im Rahmen von Spielverhalten und Lokomotionsspiel. Bei Stieren kann Buckeln auch Bestandteil agonistischen Verhaltens sein. Rodeo-Bullen zeigen eine extrem ausgeprägte, durch selektive Zucht und Provokation gesteigerte Form des Buckelns.
  • Schafe und Ziegen: Lämmer und Ziegenkitze zeigen Buckeln regelmäßig als Teil des Bewegungsspiels, oft in Kombination mit Sprüngen und abrupten Richtungswechseln.
  • Hund (Canis lupus familiaris): Ein Aufwölben des Rückens tritt gelegentlich als Zeichen von Unsicherheit, Bauchschmerzen oder Angst auf und ist hier von der spielerischen oder defensiven Variante anderer Arten abzugrenzen.

Auslöser & Funktion

Die Auslöser für das Buckeln variieren erheblich und lassen sich in mehrere Kategorien einteilen:

  • Abwehr und Verteidigung: Bei der Katze fungiert der Katzenbuckel als Imponierverhalten und Defensivdrohung. Durch die Wölbung des Rückens und die aufgestellten Haare wirkt das Tier größer und einschüchternder – eine klassische optische Täuschung im Rahmen der innerartlichen und zwischenartlichen Kommunikation. Bei Pferden und Rindern kann Buckeln dazu dienen, Raubtiere oder als bedrohlich empfundene Reize auf dem Rücken abzuwerfen.
  • Spielverhalten: Junge Katzen, Kälber, Lämmer und Fohlen buckeln im Rahmen von Lokomotionsspiel. Hier hat das Verhalten keine unmittelbare Abwehrfunktion, sondern dient der motorischen Übung und dem Training von Bewegungsabläufen, die im Ernstfall überlebenswichtig sind. Dieses Funktionstraining wird in der Ethologie als Spielhypothese nach Karl Groos diskutiert.
  • Unwohlsein und Schmerz: Bei Pferden und Hunden kann Buckeln auf Rückenprobleme, schlecht sitzende Ausrüstung, Magengeschwüre oder andere Schmerzquellen hinweisen. In der veterinärmedizinischen Diagnostik ist das Aufwölben des Rückens daher ein wichtiges klinisches Zeichen.
  • Überschussenergie und Erregung: Pferde buckeln nach längerer Stallhaltung häufig beim ersten Weidegang – ein Verhalten, das als Vakuumaktivität oder Ausdruck aufgestauter Bewegungsenergie interpretiert