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Entwöhnung

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Futter & Ernährung > Fütterung & Praxis

Definition & Überblick

Die Entwöhnung (auch Absetzphase oder englisch weaning) bezeichnet den schrittweisen Übergang eines Jungtiers von der Muttermilch zur eigenständigen Aufnahme fester Nahrung. Dieser Prozess ist eine der kritischsten Phasen in der Jungtierentwicklung, da er das Verdauungssystem, das Immunsystem und das spätere Wachstum maßgeblich beeinflusst. Ein abrupter oder schlecht geplanter Futterwechsel kann zu Durchfall, Gewichtsverlust und erhöhter Krankheitsanfälligkeit führen.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht verändert sich während der Entwöhnung die Enzymausstattung des Verdauungstrakts grundlegend. Während Laktase – das Enzym zur Milchzuckerverwertung – in seiner Aktivität abnimmt, steigen die Kapazitäten für die Verdauung von Stärke, pflanzlichem Protein und Rohfaser. Die Zusammensetzung der Futterration muss diesen Übergang begleiten und darf das noch unreife Verdauungssystem nicht überfordern.

Zusammensetzung & Inhaltsstoffe

Futtermittel für die Entwöhnungsphase – häufig als Starter-Futter oder Aufzuchtfutter deklariert – zeichnen sich durch eine spezifische Nährstoffzusammensetzung aus, die zwischen Muttermilch und adultem Futter liegt:

  • Protein: Der Proteingehalt liegt je nach Tierart bei 20–30 % und basiert auf hochverdaulichen Quellen wie Milchprotein, Ei oder leicht aufgeschlossenem Sojaprotein. Die Aminosäureversorgung – insbesondere mit Lysin, Methionin und Threonin – ist entscheidend für das Muskelwachstum.
  • Fett: Der Fettanteil bewegt sich zwischen 8 und 20 %, um den hohen Energiebedarf wachsender Tiere zu decken. Essentielle Fettsäuren (Omega-3, Omega-6) unterstützen die Gehirnentwicklung und die Immunfunktion.
  • Rohfaser: Der Rohfaseranteil wird bewusst moderat gehalten (2–5 % bei Monogastriern), da die mikrobielle Fermentation im Darm erst aufgebaut wird. Bei Wiederkäuern steigt der Strukturfaseranteil hingegen gezielt an, um die Pansenentwicklung zu fördern.
  • Vitamine und Mineralstoffe: Ein erhöhter Gehalt an Vitamin A, D, E sowie B-Vitaminen, Calcium, Phosphor, Eisen und Zink sichert Knochenaufbau, Blutbildung und Immunabwehr in der vulnerablen Übergangsphase.

Viele Entwöhnungsfutter enthalten zusätzlich Prebiotika (z. B. Fructooligosaccharide) und Probiotika zur Stabilisierung der Darmflora sowie organisch gebundene Spurenelemente für eine bessere Bioverfügbarkeit.

Für welche Tiere geeignet?

Die Entwöhnung betrifft grundsätzlich alle Säugetiere. In der praktischen Tierhaltung und Heimtierfütterung sind folgende Tierarten besonders relevant:

  • Ferkel: Absetzalter meist 21–28 Tage. Die Entwöhnung ist in der Schweinehaltung eine der stressreichsten Phasen und erfordert hochverdauliches Prestarter- und Starterfutter als Alleinfuttermittel.
  • Kälber: Entwöhnung ab der 6.–12. Lebenswoche. Kälberstarter fördert die Pansenentwicklung und den Übergang von der Milchverdauung zur Grobfutterverwertung.
  • Welpen (Hund): Beginn der Zufütterung ab der 3.–4. Lebenswoche, vollständige Entwöhnung mit 7–8 Wochen. Welpenfutter wird zunächst eingeweicht angeboten.
  • Kitten (Katze): Erste feste Nahrung ab der 4. Lebenswoche, Absetzen mit 8–12 Wochen. Hoher Proteinbedarf und Taurinversorgung sind artspezifisch zu beachten.
  • Fohlen: Natürliche Entwöhnung zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat. Fohlenstarter als Ergänzungsfuttermittel neben erstem Raufutter.
  • Kaninchen und Meerschweinchen: Absetzalter bei 4–6 Wochen. Der Übergang zu Heu und frischem Grünfutter muss behutsam erfolgen, um Verdauungsstörungen zu vermeiden.

Fütterungsempfehlung

Die Entwöhnung sollte als gradueller Prozess über 7–14 Tage gestaltet werden. Folgende Grundsätze gelten tierartübergreifend:

  • Futtermenge: In den ersten Tagen kleine Portionen anbieten – das Jungtier soll feste Nahrung erkunden, nicht sofort große Mengen aufnehmen. Die Futtermenge wird täglich leicht gesteigert, während die Milchzufuhr proportional reduziert wird.
  • Fütterungsintervall: Junge Tiere profitieren von häufigen, kleinen Mahlzeiten. Vier bis sechs Fütterungen pro Tag sind in der frühen Entwöhnungsphase sinnvoll. Mit zunehmendem Alter wird auf drei, später zwei Mahlzeiten reduziert.
  • Konsistenz: Zu Beginn sollte Trockenfutter eingeweicht oder mit Milchaustauscher angerührt werden, um den Übergang zu erleichtern. Die Konsistenz wird über die Tage schrittweise fester.
  • Wasserversorgung: Frisches Trinkwasser muss ab Beginn der Zufütterung jederzeit zur Verfügung stehen, da der Flüssigkeitsbedarf nicht mehr vollständig über die Milch gedeckt wird.

Die exakte Futterration richtet sich nach Tierart, Rasse, Körpergewicht und individuellem Entwicklungsstand. Herstellerangaben auf dem Alleinfuttermittel liefern eine Orientierung, sollten aber an die Konstitution des Einzeltiers angepasst werden.

Vorteile & Nachteile

Vorteile einer gut geplanten Entwöhnung:

  • Optimale Entwicklung von Verdauungsorganen