Entzündungshemmer
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Definition & Überblick
Entzündungshemmer – in der Fachsprache als Antiphlogistika bezeichnet – sind Arzneimittel, die entzündliche Prozesse im Körper unterdrücken oder abschwächen. In der Tiermedizin gehören sie zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten überhaupt. Sie lindern Schmerzen, reduzieren Schwellungen und senken Fieber. Dabei unterscheidet man zwei große Hauptgruppen:
- Nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAIDs): Dazu zählen Wirkstoffe wie Meloxicam, Carprofen, Firocoxib oder Robenacoxib. Sie hemmen das Enzym Cyclooxygenase (COX), das an der Bildung von Prostaglandinen beteiligt ist – jenen Botenstoffen, die Entzündung, Schmerz und Fieber vermitteln.
- Steroidale Antiphlogistika (Glukokortikoide): Hierzu gehören Wirkstoffe wie Prednisolon, Dexamethason oder Methylprednisolon. Sie greifen breiter in das Immunsystem ein und unterdrücken Entzündungsreaktionen auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Beide Gruppen haben ihre Berechtigung, unterscheiden sich jedoch erheblich in Wirkprofil, Nebenwirkungen und Einsatzgebiet. Die Wahl des richtigen Präparats hängt von Tierart, Grunderkrankung, Alter und Begleiterkrankungen ab. Entzündungshemmer aus der Humanmedizin – insbesondere Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol – sind für viele Tierarten hochgiftig und dürfen niemals ohne tierärztliche Anweisung verabreicht werden.
Ursachen & Risikofaktoren
Der Einsatz von Entzündungshemmern wird notwendig, wenn im Tierkörper eine überschießende oder schmerzhafte Entzündungsreaktion abläuft. Typische Ursachen und Situationen umfassen:
- Erkrankungen des Bewegungsapparats: Arthrose, Bandscheibenvorfälle, Kreuzbandrisse, Hüftgelenksdysplasie oder Sehnenentzündungen bei Hunden, Katzen und Pferden
- Postoperative Schmerztherapie: Nach chirurgischen Eingriffen wie Kastrationen, Tumorentfernungen oder Frakturversorgungen
- Traumata und Verletzungen: Prellungen, Verstauchungen, Bisswunden oder Insektenstiche
- Autoimmunerkrankungen: Immunbedingte Polyarthritis, autoimmunhämolytische Anämie oder Pemphigus
- Allergische Reaktionen: Atopische Dermatitis, Futtermittelallergien oder akute anaphylaktische Zustände
- Entzündliche Organerkrankungen: Pankreatitis, entzündliche Darmerkrankungen (IBD) oder Meningitis
Risikofaktoren, die den Bedarf an Entzündungshemmern erhöhen, sind fortgeschrittenes Alter, Übergewicht, rassebedingte Prädispositionen für Gelenkerkrankungen sowie chronische Grunderkrankungen.
Symptome & Erkennung
Entzündungen äußern sich bei Tieren durch die klassischen fünf Kardinalsymptome: Rötung (Rubor), Schwellung (Tumor), Wärme (Calor), Schmerz (Dolor) und eingeschränkte Funktion (Functio laesa). Im Alltag erkennen Tierhalter entzündliche Prozesse oft an folgenden Anzeichen:
- Lahmheit, Schonhaltung oder Bewegungsunlust
- Berührungsempfindlichkeit an bestimmten Körperstellen
- Appetitlosigkeit und Fieber
- Vermehrtes Lecken oder Benagen einer Körperregion
- Verhaltensänderungen wie Rückzug, Aggressivität oder Lautäußerungen
- Sichtbare Schwellungen, gerötete Haut oder warme Gelenke
Gerade Katzen zeigen Schmerzen oft sehr subtil – ein leicht verändertes Gesichtsfeld, verminderte Sprungfreude oder unsauberes Verhalten können bereits Hinweise auf eine behandlungsbedürftige Entzündung sein.
Diagnose
Bevor ein Entzündungshemmer verordnet wird, führt der Tierarzt eine gründliche Diagnostik durch. Diese umfasst je nach Verdacht:
- Klinische Allgemeinuntersuchung: Abtasten von Gelenken, Lymphknoten und Organen, Messung der Körpertemperatur, Beurteilung des Gangbildes
- Blutuntersuchung: Blutbild, Entzündungsparameter (C-reaktives Protein, Leukozytenzahl) sowie Leber- und Nierenwerte zur Abklärung der Organfunktion vor Therapiebeginn
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen bei Verdacht auf Frakturen oder Arthrose, Ultraschall bei Verdacht auf abdominale Entzündungen, MRT oder CT bei neurologischen Fragestellungen
- Gelenkpunktion (Arthrozentese): Entnahme und Analyse von Gelenkflüssigkeit bei Verdacht auf Arthritis
- Biopsie und Histopathologie: Bei chronischen Entzündungen unklarer Ursache zur Gewebeuntersuchung
Die Diagnostik dient nicht nur der Identifikation der Entzündungsursache, sondern auch der sicheren Einschätzung, ob das Tier ein bestimmtes Medikament verträgt.
Behandlung & Therapie
Die medikamentöse Therapie mit Entzündungshemmern folgt dem Grundsatz: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Die Dosierung wird individuell angepasst und richtet sich streng nach Tierart und Körpergewicht.
NSAIDs sind die erste Wahl bei akuten und chronischen Schmerzzuständen des Bewegungsapparats. Meloxicam ist beispielsweise sowohl für Hunde als auch für Katzen zugelassen und wird häufig bei Arthrose eingesetzt. Bei Pferden kommen Phenylbutazon oder Flunixin-Meglumin zum Einsatz