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Farbmaus

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Rassen > Meerschweinchen- & Nagerrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Wildform (Hausmaus, Mus musculus) weltweit verbreitet; Domestikation in Europa und Asien
  • Rassestandard: Verschiedene Standards je nach Zuchtverband, u. a. NMV (Nagerzucht- und Mäuseverein), DMC (Deutsche Mäuseclub), international AFRMA (American Fancy Rat and Mouse Association)
  • Größe: Körperlänge ca. 7–11 cm (ohne Schwanz), Schwanzlänge ca. 7–10 cm
  • Gewicht: 25–50 g, selten bis 60 g
  • Lebenserwartung: 1,5–3 Jahre, im Durchschnitt etwa 2 Jahre
  • Fell/Farben: Über 100 anerkannte Farbschläge und Zeichnungen; Felltypen: Glatthaar, Langhaar, Satin, Rex, Lockenmaus, Nacktmaus

Herkunft & Geschichte

Die Farbmaus stammt von der gemeinen Hausmaus (Mus musculus) ab, die seit Jahrtausenden als Kulturfolger in menschlichen Siedlungen lebt. Erste gezielte Zucht von Farbschlägen ist aus dem kaiserlichen China und dem feudalen Japan bereits vor mehreren Hundert Jahren dokumentiert. In Asien galten insbesondere weiße und gescheckte Mäuse als Glücksbringer und wurden an Adelshöfen gehalten.

Im viktorianischen England des 19. Jahrhunderts entstand die organisierte Zucht der sogenannten Fancy Mice. 1895 wurde in England der National Mouse Club gegründet, einer der ältesten Zuchtverbände für Kleinnager überhaupt. Von dort aus verbreitete sich die systematische Farbmauszucht nach Kontinentaleuropa und Nordamerika. In Deutschland übernahmen Vereine wie der Nagerzucht- und Mäuseverein (NMV) die Aufgabe, Rassestandards festzulegen, Ausstellungen zu organisieren und die Zucht auf Gesundheit und Typ zu lenken.

Parallel zur Hobbyzucht erlangte die Farbmaus enorme Bedeutung als Labortier. Der Albino-Stamm der Hausmaus zählt zu den am besten erforschten Säugetiermodellen der Wissenschaft. Diese doppelte Abstammungslinie – Liebhaberzucht und Laborhaltung – hat die genetische Vielfalt der heutigen Farbmaus erheblich beeinflusst.

Aussehen & Rassemerkmale

Farbmäuse sind zierliche Nager mit einem schlanken, stromlinienförmigen Körper, großen runden Ohren und dunklen, leicht hervorstehenden Augen. Der Schwanz ist nahezu körperlang, dünn und mit feinen Schuppenringen besetzt. Die Pfoten sind klein und geschickt – Farbmäuse nutzen sie beim Fressen fast wie Hände.

Die Vielfalt der Farbschläge ist beeindruckend. Die Standards der Zuchtverbände unterscheiden unter anderem folgende Gruppen:

  • Selbst (Einfarbig): Schwarz, Schokolade, Blau, Lilac, Dove, Champagne, Weiß (Albino und Schwarzäugig Weiß)
  • Tan & Fox: Einfarbige Oberseite mit definierter heller Bauchfarbe
  • Agouti-Varianten: Wildfarbige Tiere mit gebändertem Haar (Agouti, Cinnamon, Silver Agouti)
  • Scheckungen: Broken, Even, Holländer, Bandmaus
  • Sonderfarben: Siamese, Himalaya, Burmese, Sable, Merle

Neben den Farbvarianten gibt es verschiedene Felltypen. Rex-Mäuse tragen gelocktes Fell und gewellte Tasthaare. Satin-Mäuse glänzen durch eine veränderte Haarstruktur besonders intensiv. Langhaar-Farbmäuse zeigen deutlich verlängertes Fell, das regelmäßige Pflege erfordert.

Charakter & Wesen

Farbmäuse sind ausgesprochen soziale, neugierige und lebhafte Tiere. Innerhalb ihrer Gruppe kommunizieren sie über ein komplexes Repertoire aus Ultraschalllauten, Körpersprache und Duftmarkierungen. Eine gut sozialisierte Farbmaus ist zutraulich, verspielt und lässt sich mit Geduld an die Hand gewöhnen.

Einzelhaltung ist bei Farbmäusen tierschutzwidrig. Die Tiere brauchen zwingend Artgenossen. Weibchen vertragen sich in der Regel problemlos in Gruppen. Böcke sollten entweder kastriert in gemischten Gruppen oder – bei verträglichen Individuen – in reinen Bockgruppen gehalten werden. Unkastrierte Böcke können untereinander heftige Revierkämpfe austragen.

Das Aktivitätsmuster ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei sich zahme Farbmäuse häufig auch tagsüber zeigen. Ihre Intelligenz erlaubt es, ihnen einfache Tricks beizubringen und sie mit Futterverstecken und Labyrinthen geistig zu beschäftigen.

Haltung & Pflege

Farbmäuse benötigen ein geräumiges, gut belüftetes Gehege. Als Mindestmaß gilt eine Grundfläche von 100 × 50 cm für eine Kleingruppe von drei bis fünf Weibchen, wobei größere Gehege immer vorzuziehen sind. Mehrstöckige Eigenbauten, umgebaute Aquarien mit Gitteraufsatz oder geeignete Volieren bieten optimale Möglichkeiten.

Die Einstreu sollte mindestens 15–20 cm hoch eingefüllt werden, damit die Tiere ihr natürliches Buddelverhalten ausleben können. Geeignet sind staubarme Hobelspäne, Hanfstreu oder Leinenstreu, ergänzt durch Heu und unbedrucktes Papier als Nistmaterial. Laufräder mit geschlossener Lauffläche und einem Durchmesser von mindestens 25 cm gehören zur Grundausstattung.

Die Fellpflege übernehmen die Tiere weitgehend selbst. Langhaarige Schläge sollten gelegentlich auf Verfilzungen kontrolliert werden. Der Käfig wird je nach Gruppengröße ein- bis zweimal pro Woche teilgereinigt, eine Komplettreinigung erfolgt etwa alle zwei bis drei Wochen. Der typische Mäusegeruch lässt sich durch gute Belüftung und regelmäßigen Streuaustau