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Farbratte

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Rassen > Meerschweinchen- & Nagerrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Wildform stammt aus Ostasien; Domestikation über Laborhaltung weltweit
  • Zoologische Einordnung: Rattus norvegicus f. domestica (Farbform der Wanderratte)
  • Rassestandard: Kein FCI-Standard (gilt nur für Hunde); Standards werden von Zuchtverbänden wie dem Verein der Rattenliebhaber und -züchter in Deutschland e. V. (VRDZ) sowie internationalen Vereinen wie der National Fancy Rat Society (NFRS) festgelegt
  • Größe: Körperlänge ca. 20–28 cm (ohne Schwanz); Schwanz nochmals 18–25 cm
  • Gewicht: Weibchen 250–350 g, Böcke 350–600 g
  • Lebenserwartung: 1,5–3 Jahre, selten älter
  • Fell/Farben: Glattes Standardfell, Rex, Velveteen, Harley, Nackt (Hairless); Farbschläge umfassen Agouti, Schwarz, Mink, Russian Blue, Champagne, Siamese, Husky sowie zahlreiche Zeichnungsvarianten wie Hooded, Berkshire, Capped und Irish

Herkunft & Geschichte

Die Farbratte ist die domestizierte Form der Wanderratte (Rattus norvegicus), die ursprünglich in den Steppen und Halbwüsten Ostasiens beheimatet war und sich als Kulturfolger über den gesamten Globus verbreitete. Erste Hinweise auf eine gezielte Zucht von Farbvarianten finden sich im Japan des 18. Jahrhunderts, wo ungewöhnlich gefärbte Ratten als Glücksbringer gehalten und selektiv verpaart wurden.

Im 19. Jahrhundert entdeckten europäische Naturforscher das Potenzial der Ratte als Versuchstier. Aus Laborzuchten gingen zunehmend Tiere mit spezifischen Fellfarben und -texturen hervor, die nicht mehr in die Forschung zurückgeführt, sondern privat weitergegeben wurden. In England gründete Mary Douglas 1901 mit der National Fancy Rat Society einen der ersten Zuchtverbände, der Rassestandards für Farbratten festlegte. Seitdem hat sich eine vielfältige Liebhaberzucht etabliert, die Wert auf Gesundheit, Sozialverhalten und standardgerechtes Erscheinungsbild legt. In Deutschland widmen sich unter anderem der VRDZ und verschiedene Rattenvereine der verantwortungsvollen Zucht und Aufklärung über artgerechte Haltung.

Aussehen & Rassemerkmale

Farbratten sind kompakt gebaute Nagetiere mit einem muskulösen, leicht gestreckten Körper. Der Kopf ist breit mit ausgeprägter Schnauze, großen, runden Augen und gut durchbluteten, aufrecht stehenden Ohren. Die Ohrform variiert je nach Typ: Standard-Ohren sitzen oben am Kopf, während Dumbo-Ohren tiefer und seitlicher angesetzt sind und dem Tier ein besonders rundes Gesichtsfeld verleihen.

Der nackte, schuppig erscheinende Schwanz dient als Balancier- und Thermoregulationsorgan und ist nahezu so lang wie der Körper selbst. Die Pfoten sind erstaunlich geschickt – Ratten können Futter greifen, Verschlüsse öffnen und klettern mit bemerkenswerter Sicherheit.

Die Fellvielfalt ist enorm. Neben dem glatten Standardfell existieren Rex-Varianten mit gewelltem, leicht rauem Haar und lockigen Vibrissen. Velveteen-Ratten besitzen besonders weiches, plüschiges Fell, während Harley-Ratten ein langes, seidiges Haarkleid tragen. Hairless-Ratten sind vollständig oder nahezu unbehaart. Die Farbpalette reicht von gedecktem Agouti über tiefes Schwarz, warmes Mink und kühles Russian Blue bis hin zu aufgehellten Varianten wie Champagne oder Ivory. Zeichnungsmuster wie Hooded (farbiger Kopf mit Rückenstreifen auf weißem Körper) oder Berkshire (farbiger Rücken mit weißem Bauch) sind bei Ausstellungen besonders beliebt.

Charakter & Wesen

Farbratten gehören zu den intelligentesten und sozialsten Heimtieren überhaupt. Sie sind ausgesprochen neugierig, verspielt und lernfähig. Mit Geduld und positiver Verstärkung lassen sich Farbratten Tricks beibringen, auf ihren Namen trainieren und sogar durch kleine Parcours leiten. Ihre Bindung zum Menschen kann bemerkenswert eng werden – zahme Ratten suchen aktiv die Nähe ihrer Bezugsperson, lassen sich kraulen und schlafen gern in Kapuzen oder Ärmeln.

Das Sozialverhalten untereinander ist hochkomplex. Ratten kommunizieren über Ultraschalllaute, Körpersprache und Geruchsmarkierungen. Sie pflegen einander, spielen miteinander und zeigen nachweislich empathisches Verhalten gegenüber Artgenossen in Stresssituationen. Einzelhaltung ist tierschutzwidrig und führt zu Verhaltensstörungen, Apathie oder Aggression.

Im Wesen unterscheiden sich Böcke und Weibchen deutlich: Böcke werden mit zunehmendem Alter ruhiger, verschmuster und gemütlicher, während Weibchen oft ein Leben lang aktiv, flink und erkundungsfreudig bleiben.

Haltung & Pflege

Farbratten benötigen ein geräumiges, gut strukturiertes Gehege. Als Mindestmaß für ein kleines Rudel von drei bis vier Tieren gelten 100 × 50 × 100 cm (L × B × H). Größer ist immer besser. Volieren und umgebaute Schränke eignen sich hervorragend. Mehrere Etagen, Hängematten, Röhren, Korkröhren, Seile und Laufbretter sorgen für die nötige Beschäftigung und Abwechslung.

Als Einstreu eignen sich staubarme Varianten wie Hanfstreu, Leinenstreu oder Baumwollstreu. Holzspäne aus Nadelholz sind wegen der ätherischen Öle zu meiden. Das Gehege sollte mindestens zweimal wöchentlich teilgereinigt und einmal wöchentlich komplett gereinigt werden, da Ratten einen ausgeprägten Eigengeruch entwickeln – besonders unkastrierte Böcke.

Täglicher betreuter Auslauf außerhalb des Käfigs ist unverzichtbar. Ein rattensicher eingerichtetes Zimmer oder ein Auslaufbereich mit Klettermöglichkeiten, Buddelkisten und Verstecken f