Fettleibigkeit
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Definition & Überblick
Fettleibigkeit (Adipositas) bezeichnet eine über das Normalmaß hinausgehende Ansammlung von Körperfett, die die Gesundheit, Lebensqualität und Lebenserwartung eines Tieres erheblich beeinträchtigt. Von Übergewicht spricht man in der Regel, wenn das Körpergewicht 10–15 % über dem Idealgewicht liegt. Ab einer Überschreitung von 20 % oder mehr gilt ein Tier als fettleibig. Betroffen sind vor allem Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen und Ziervögel – also nahezu alle Tierarten, die in menschlicher Obhut gehalten werden. Schätzungen zufolge sind in Deutschland zwischen 30 und 50 % aller Hunde und Katzen übergewichtig oder adipös. Fettleibigkeit ist damit eines der häufigsten ernährungsbedingten Probleme in der Kleintierpraxis und steht in engem Zusammenhang mit Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus, Gelenkproblemen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer verkürzten Lebensdauer.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe – Wo liegt das Problem?
Die Ursache für Fettleibigkeit ist nahezu immer eine chronisch positive Energiebilanz: Das Tier nimmt über die Futterration mehr Energie auf, als es verbraucht. Entscheidend sind dabei mehrere Nährstoffkomponenten:
- Fett: Mit rund 9 kcal pro Gramm ist Fett der energiedichteste Makronährstoff. Futtersorten mit hohem Fettgehalt – etwa über 20 % in der Trockenmasse bei Hunden – begünstigen eine Gewichtszunahme, wenn die Futtermenge nicht angepasst wird.
- Kohlenhydrate: Getreide- und stärkereiche Futtermittel liefern leicht verfügbare Energie. Bei bewegungsarmen Tieren wird überschüssige Glukose in Fettdepots umgewandelt.
- Protein: Ein ausreichender Proteingehalt (bei Hunden mindestens 25 % i. d. TM, bei Katzen mindestens 30 %) ist während einer Gewichtsreduktion besonders wichtig, um Muskelmasse zu erhalten und den Sättigungseffekt zu fördern.
- Rohfaser: Ballaststoffe erhöhen das Futtervolumen ohne nennenswerte Energiezufuhr und fördern das Sättigungsgefühl. Diätfuttermittel enthalten daher häufig einen erhöhten Rohfaseranteil von 5–15 %.
- Vitamine und Mineralstoffe: Bei reduzierter Futtermenge besteht die Gefahr einer Unterversorgung. Ein bedarfsgerechtes Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel stellt sicher, dass trotz Kalorienrestriktion alle Mikronährstoffe gedeckt bleiben.
Für welche Tiere geeignet?
Fettleibigkeit betrifft grundsätzlich alle domestizierten Tierarten. Besonders gefährdet sind:
- Hunde: Kastrierte Tiere, bestimmte Rassen (Labrador Retriever, Beagle, Mops, Cocker Spaniel) und ältere Hunde mit reduziertem Bewegungsdrang.
- Katzen: Wohnungskatzen ohne ausreichende Beschäftigung und kastrierte Kater sind überdurchschnittlich häufig betroffen.
- Pferde und Ponys: Robuste Rassen mit hoher Futterverwertung (z. B. Islandpferde, Shetlandponys) neigen bei energiereicher Fütterung und Weidegang zu Übergewicht und nachfolgend zum Equinen Metabolischen Syndrom (EMS).
- Kaninchen und Meerschweinchen: Bewegungsmangel in Kombination mit zucker- und stärkereichen Leckerlis führt schnell zur Verfettung.
- Ziervögel: Besonders Wellensittiche und Amazonen, die energiereiches Körnerfutter ohne ausreichende Flugmöglichkeit erhalten.
Fütterungsempfehlung
Die Gewichtsreduktion sollte kontrolliert und langsam erfolgen – als Faustregel gilt ein Gewichtsverlust von 1–2 % des Körpergewichts pro Woche bei Hunden und Katzen. Folgende Maßnahmen sind zentral:
- Zielgewicht festlegen: Gemeinsam mit dem Tierarzt das Idealgewicht bestimmen und den täglichen Energiebedarf berechnen. Die Energieaufnahme wird dann auf 60–70 % des Erhaltungsbedarfs am Zielgewicht reduziert.
- Futtermenge exakt abwiegen: Schätzen führt fast immer zu Überfütterung. Eine Küchenwaage ist das wichtigste Hilfsmittel.
- Fütterungsintervall anpassen: Mehrere kleine Mahlzeiten (2–4 pro Tag) statt einer großen Portion fördern die Sättigung und stabilisieren den Blutzuckerspiegel.
- Spezielle Diätfuttermittel nutzen: Veterinärmedizinische Diäten bieten reduzierten Fettgehalt, erhöhten Rohfaseranteil und vollwertige Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Sie sind als Alleinfuttermittel deklariert und gezielt für die Gewichtsreduktion formuliert.
- Leckerlis einrechnen: Sämtliche Snacks und Kauartikel müssen in die tägliche Gesamtkalorienmenge einbezogen werden. Idealerweise machen sie nicht mehr als 10 % der Tagesration aus.
- Bewegung steigern: Die Ernährungsumstellung muss durch ein angepasstes Bewegungsprogramm begleitet werden – bei Hunden durch längere Spaziergänge, bei Katzen durch interaktives Spielzeug.
Vorteile & Nachteile einer gezielten Gewichtsreduktion
- Vorteile: Verbesserung der Gelenkgesundheit, höhere Lebenserwartung (bei Hunden nachweislich bis zu zwei Jahre), geringeres Risiko für Diabetes, bessere Beweglichkeit, gesteigerte Lebensfreude, Entlastung des Herz-Kreislauf-Systems und weniger Hautprobleme durch verbesserten Stoffwechsel.
- Nachteile bzw. Risiken: Zu schnelle Gewichtsabnahme kann bei Katzen eine lebensbedrohliche hepatische Lipidose (Fettleber) auslösen. Bei