Geschirr
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Definition und Überblick
Als Geschirr wird im Bereich der Hundehaltung ein Führsystem bezeichnet, das am Rumpf des Hundes angelegt wird und als Alternative zum klassischen Halsband dient. Im Gegensatz zum Halsband verteilt ein Hundegeschirr – auch Brustgeschirr oder Harness genannt – die auftretenden Zugkräfte auf eine größere Körperfläche, insbesondere auf Brust, Schultern und Rücken des Tieres. Dadurch wird der empfindliche Halsbereich mit Kehlkopf, Schilddrüse und Halswirbelsäule entlastet. Hundegeschirre gibt es in zahlreichen Ausführungen, Materialien und Größen, sodass für nahezu jede Hunderasse und jeden Einsatzzweck ein passendes Modell erhältlich ist.
Arten von Hundegeschirren
Die Vielfalt an Geschirrtypen ist groß. Die gebräuchlichsten Varianten lassen sich wie folgt unterscheiden:
- Führgeschirr (Norwegergeschirr): Dieses Modell besteht aus einem horizontalen Bruststeg und einem Rückensteg, die durch einen seitlichen Verbindungsriemen zusammengehalten werden. Es lässt sich schnell anlegen, da der Hund nicht mit den Vorderbeinen hineinsteigen muss. Die Bewegungsfreiheit der Schultern bleibt weitgehend erhalten. Allerdings kann der Bruststeg bei schlechter Passform verrutschen.
- H-Geschirr (Führgeschirr mit Bauchgurt): Von oben betrachtet ergibt die Riemenanordnung die Form eines H. Zwei Schlaufen umschließen den Körper hinter den Vorderbeinen und vor der Brust, verbunden durch einen Rückensteg. Dieses Geschirr sitzt in der Regel sehr stabil und eignet sich gut für den täglichen Spaziergang.
- Y-Geschirr: Der Brustriemen verläuft Y-förmig und trifft zwischen den Vorderbeinen zusammen. Diese Konstruktion ermöglicht eine besonders freie Schulterbewegung und wird häufig für sportlich aktive Hunde empfohlen.
- Zuggeschirr: Speziell für den Hundesport entwickelt, etwa für Canicross, Bikejöring oder Schlittenhundesport. Die Zugkraft wird optimal auf den gesamten Körper verteilt. Der Rückensteg reicht oft bis zur Rute, um die Kraftübertragung zu verbessern.
- Sicherheitsgeschirr: Ausgestattet mit einem zusätzlichen Bauchgurt, der ein Herausschlüpfen verhindert. Besonders geeignet für ängstliche Hunde, Tierschutzhunde oder Tiere mit schmalem Brustkorb wie Windhunde.
- Autosicherheitsgeschirr: Dient der Sicherung des Hundes während der Autofahrt. Es wird mit dem Sicherheitsgurt oder dem Isofix-System verbunden und muss crashgetestet sein, um im Ernstfall ausreichenden Schutz zu bieten.
Materialien und Verarbeitung
Hundegeschirre werden aus unterschiedlichen Materialien gefertigt, die jeweils eigene Vor- und Nachteile mitbringen. Nylon und Polyester sind die am weitesten verbreiteten Materialien: Sie sind leicht, robust, wetterbeständig und lassen sich einfach reinigen. Für Hunde mit empfindlicher Haut bieten sich Geschirre mit Neopren-Polsterung oder weichem Fleece-Futter an, die Scheuerstellen an Achseln und Brust verhindern. Leder wirkt hochwertig und ist langlebig, benötigt jedoch regelmäßige Pflege und trocknet nach Nässe langsamer. Für den Einsatz bei schlechten Lichtverhältnissen verfügen viele Modelle über Reflektorstreifen oder reflektierende Nähte, die die Sichtbarkeit von Hund und Halter erhöhen.
Die Verschlüsse bestehen meist aus Steckschnallen oder Klickverschlüssen aus Kunststoff, bei hochwertigen Modellen aus Metall. Entscheidend für die Sicherheit ist die Belastbarkeit der Verschlüsse und Nähte – insbesondere bei großen, kräftigen Hunderassen sollte auf stabile Materialien geachtet werden.
Die richtige Passform finden
Ein Geschirr kann seine Vorteile nur dann ausspielen, wenn es korrekt sitzt. Für die Größenbestimmung sind in der Regel zwei Maße entscheidend: der Brustumfang, gemessen an der breitesten Stelle des Brustkorbs hinter den Vorderbeinen, und der Halsumfang. Manche Hersteller fragen zusätzlich den Abstand zwischen Brustbein und Widerrist ab.
Ein gut sitzendes Geschirr erlaubt es, flach zwei Finger zwischen Gurt und Hundekörper zu schieben. Es darf weder an den Achseln scheuern noch die Schulterblätter in ihrer Bewegung einschränken. Der Bruststeg sollte auf dem Brustbein aufliegen und nicht auf dem Kehlkopf. Bei Welpen und heranwachsenden Hunden empfiehlt sich ein stufenlos verstellbares Modell, das mit dem Tier mitwachsen kann.
Zeigt ein Hund trotz korrekter Größe eine veränderte Gangart, weicht seitlich aus oder leckt sich vermehrt an bestimmten Körperstellen, kann dies auf eine fehlerhafte Passform hindeuten. In solchen Fällen sollte das Geschirr neu angepasst oder ein anderes Modell gewählt werden.
Geschirr oder Halsband – wann ist das Geschirr die bessere Wahl?
Für Hunde, die stark an der Leine ziehen, bietet ein Geschirr erhebliche gesundheitliche Vorteile gegenüber dem Halsband. Der Druck, der beim Ziehen entsteht, verteilt sich auf Brust und Rumpf statt auf Hals und Nacken. Studien und tierärztliche Empfehlungen weisen darauf hin, dass dauerhafter Zug am Halsband Schäden an Kehlkopf, Luftröhre, Schilddrüse und Halswirbelsäule verursachen kann. Insbesondere bei kurzköpfigen (brachycephalen) Rassen wie Mops oder Französischer Bulldogge, die ohnehin zu Atemproblemen neigen, ist ein Geschirr nahezu unverzichtbar.
Ebenso profitieren kleine Hunderassen wie Chihuahua oder Yorkshire Terrier vom Geschirr, da ihre zarten Halsstrukturen besonders verletzungsanfällig sind. Auch bei Hunden mit Erkrankungen