T Tierlexikon.net
← Lexikon

Graugans

G

Tierart – Vögel > Wasservögel – Gänse & Schwäne

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Anser anser
  • Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
  • Familie: Entenvögel (Anatidae)
  • Unterfamilie: Gänse (Anserinae)
  • Gattung: Feldgänse (Anser)
  • Lebensraum: Feuchtgebiete, Seen, Flussauen, Küstenregionen, Agrarlandschaften
  • Größe: 74–91 cm Körperlänge; Flügelspannweite 147–180 cm
  • Gewicht: 2,5–4,5 kg, gelegentlich bis über 5 kg
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn; in Gefangenschaft bis über 30 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Graugans ist die größte und kräftigste der in Europa heimischen Feldgänse. Ihr Gefieder zeigt eine graubraune Grundfärbung mit heller Querstreifung an Brust und Flanken. Der Bauch ist bei adulten Tieren häufig weiß gefleckt bis fast vollständig weiß und kann dunkle Flecken aufweisen, die mit zunehmendem Alter ausgeprägter werden. Der Rücken und die Oberseite der Flügel sind etwas dunkler gefärbt, die einzelnen Federn zeigen helle Säume, die dem Gefieder eine schuppige Struktur verleihen.

Ein auffälliges Bestimmungsmerkmal im Flug sind die sehr hellen, silbergrauen Vorderflügel, die sich deutlich von der übrigen Flügelfärbung abheben. Der kräftige Schnabel ist bei der westlichen Nominatform (Anser anser anser) orange bis rosafarben; bei der östlichen Unterart (Anser anser rubrirostris) erscheint er eher rosarot. Die Beine und Füße sind blassrosa bis fleischfarben. Die Iris ist dunkelbraun und von einem schmalen, unauffälligen Augenring umgeben. Zwischen Männchen und Weibchen besteht kein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus – der Ganter ist im Durchschnitt lediglich etwas größer und schwerer als die Gans.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Graugans erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Die Brutgebiete reichen von Island und den Britischen Inseln über Skandinavien und Mitteleuropa bis nach Zentralasien und in den Nordosten Chinas. In Mitteleuropa besiedelt die Art vor allem die Tieflandregionen. Durch aktive Wiederansiedlungsprojekte und natürliche Ausbreitung hat sich der Bestand in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts erheblich erholt, nachdem die Art zuvor durch Jagd und Lebensraumverlust regional stark dezimiert worden war.

Als Habitat bevorzugt die Graugans stehende und langsam fließende Gewässer mit dichter Ufervegetation – vor allem Röhrichtbestände aus Schilf, Rohrkolben und Seggen. Seen, Teiche, Flussauen, Feuchtwiesen und Küstenlagunen bieten ideale Brutbiotope. Außerhalb der Brutzeit werden auch offene Agrarflächen, Grünland und Wintergetreidefelder intensiv als Nahrungsflächen genutzt.

Die europäischen Populationen sind überwiegend Zugvögel. Westeuropäische Brutvögel überwintern in Spanien, am Niederrhein oder an der Atlantikküste Frankreichs. Mitteleuropäische Populationen ziehen nach Südwesteuropa oder Nordafrika. In zunehmender Zahl bleiben Graugänse allerdings auch in milden Wintern als Standvögel in Mitteleuropa.

Ernährung

Die Graugans ist ein Pflanzenfresser. Ihre Nahrung besteht aus Gräsern, Kräutern, Wasserpflanzen, Wurzeln und Rhizomen. Während der Brutzeit fressen die Vögel bevorzugt frische Triebe und Blätter von Ufer- und Sumpfpflanzen. Im Herbst und Winter spielen landwirtschaftliche Nutzflächen eine zentrale Rolle: Die Gänse äsen auf Wintergetreidefeldern, Raps- und Grünlandflächen, wo sie junge Getreidekeimlinge, Gras und Samenkörner aufnehmen. Gelegentlich werden auch Kartoffeln, Rüben und Mais aufgenommen. Tierische Kost – etwa kleine Wirbellose oder Insektenlarven – wird nur gelegentlich und meist beiläufig konsumiert.

Verhalten & Lebensweise

Graugänse sind tagaktive Vögel, die vorwiegend in den Morgen- und Abendstunden zur Nahrungssuche aufbrechen. Nachts ruhen die Tiere auf offenen Wasserflächen, die Schutz vor Bodenprädatoren bieten. Sie leben gesellig und bilden außerhalb der Brutzeit große Trupps, die auf Nahrungsflächen und Schlafplätzen mehrere Tausend Individuen umfassen können.

Die Art kommuniziert mit einem breiten Repertoire an Lautäußerungen. Der typische Ruf ist ein lautes, nasales „ga-ga-ga", das dem der domestizierten Hausgans sehr ähnlich klingt – kein Zufall, denn die Hausgans wurde aus der Graugans gezüchtet. Beim Auffliegen und im Flug sind die Rufe besonders durchdringend.

Graugänse bilden lebenslange Paarbindungen. Paare und Familienverbände halten auch innerhalb größerer Schwärme eng zusammen. Die sozialen Strukturen dieser Art wurden besonders durch die Arbeiten von Konrad Lorenz bekannt, der am Almtal in Oberösterreich über Jahrzehnte das Sozialverhalten freilebender Graugänse erforschte.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz findet bereits im Winter und Vorfrühling statt. Dabei zeigen die Ganter sogenannte Triumphrufe und Imponierverhalten, bei dem der Hals gestreckt und mit lauten Rufen die Partnerin angesprochen wird. Einmal verpaart, bleibt das Paar in der Regel lebenslang zusammen.

Das Nest wird von der Gans in dichter Ufervegetation – häufig auf kleinen Inseln, in Schilfbeständen oder auf Bulten – aus Pflanzenmaterial errichtet und mit Daunen ausgepolstert. Die Gans legt zwischen März und Mai vier bis neun weiße Eier,