Rostgans
RTierart – Vögel > Wasservögel – Gänse & Schwäne
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tadorna ferruginea
- Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
- Familie: Entenvögel (Anatidae)
- Unterfamilie: Halbgänse (Tadorninae)
- Gattung: Kasarkas (Tadorna)
- Lebensraum: Steppen, Halbwüsten, Hochplateaus, Binnengewässer
- Größe: 61–67 cm Körperlänge, Flügelspannweite 121–145 cm
- Gewicht: 1.000–1.640 g
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, bis 25 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Die Rostgans ist ein mittelgroßer, kräftig gebauter Wasservogel, der auf den ersten Blick an eine kleine Gans erinnert, systematisch aber zu den Halbgänsen zählt. Ihr Gefieder ist überwiegend rostbraun bis orangebraun gefärbt – eine Eigenschaft, die ihr den deutschen Namen eingetragen hat. Der Kopf hebt sich durch eine deutlich hellere, gelblich-beige Färbung vom restlichen Körper ab. Männchen tragen zur Brutzeit einen schmalen schwarzen Halsring, der beim Weibchen fehlt. Außerhalb der Brutzeit ist dieses Unterscheidungsmerkmal allerdings weniger deutlich ausgeprägt, sodass die Geschlechtsbestimmung im Feld dann schwieriger wird.
Im Flug fallen die ausgedehnten weißen Flügelfelder auf der Ober- und Unterseite auf, die einen starken Kontrast zu den schwarzen Schwungfedern bilden. Der Schwanz ist ebenfalls schwarz. Der Schnabel ist dunkelgrau bis schwarz, die Beine sind dunkel und verhältnismäßig lang, was der Rostgans an Land einen aufrechten, gänseartigen Gang verleiht. Die Iris ist dunkelbraun. Jungvögel ähneln den adulten Weibchen, zeigen jedoch ein insgesamt matteres Gefieder mit weniger intensiver Rostfärbung.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Rostgans erstreckt sich in einem breiten Gürtel von Nordafrika über die Türkei, den Nahen Osten und Zentralasien bis nach China und in die Mongolei. In Europa liegen die Kernvorkommen in Südosteuropa, insbesondere in Griechenland, Bulgarien und der Türkei. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Art zunehmend nach Mittel- und Westeuropa ausgebreitet. In der Schweiz brütet seit den 1980er-Jahren eine wachsende Population, die ursprünglich auf Gefangenschaftsflüchtlinge zurückgeht und sich inzwischen fest etabliert hat. Auch in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Großbritannien werden zunehmend freilebende Brutvorkommen registriert.
Als Habitat bevorzugt die Rostgans offene, trockene Landschaften in der Nähe von Binnengewässern. Typische Biotope sind Steppengebiete, Halbwüsten, Salzseen und Hochplateaus bis in Höhenlagen von über 4.500 Metern – etwa auf dem Tibetischen Plateau. Anders als viele verwandte Entenarten ist sie nicht auf dicht bewachsene Ufervegetation angewiesen. In ihrem europäischen Neusiedlungsgebiet nutzt sie häufig Stauseen, Kiesgruben, Flussauen und landwirtschaftliche Nutzflächen.
Ernährung
Die Rostgans ist ein Allesfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. Den Hauptanteil der Nahrung bilden pflanzliche Bestandteile: Gräser, Kräuter, Sämereien, Knollen und junge Triebe. Sie weidet häufig an Land, ähnlich wie Gänse, und sucht auf Ackerflächen, Weiden und Uferzonen nach Futter. Im Wasser nimmt sie durch Gründeln kleine Wirbellose, Insektenlarven, Krebstiere, Weichtiere und gelegentlich kleine Fische auf. Saisonale Schwankungen beeinflussen die Zusammensetzung der Nahrung: Während in den Sommermonaten der pflanzliche Anteil überwiegt, steigt im Winter und zur Brutzeit der Anteil tierischer Kost. In Siedlungsnähe nimmt die Art auch Brot und andere Nahrungsreste an.
Verhalten & Lebensweise
Rostgänse sind vorwiegend tag- und dämmerungsaktiv. Außerhalb der Brutzeit bilden sie mitunter große Ansammlungen von mehreren hundert bis tausend Individuen, insbesondere an Mauserplätzen und Überwinterungsgewässern. Während der Brutzeit leben sie jedoch paarweise und verteidigen ihr Revier äußerst aggressiv gegen Artgenossen und andere Wasservögel. Die Revierverteidigung ist bei dieser Art besonders ausgeprägt: Beide Partner attackieren Eindringlinge durch Drohen, lautes Rufen und direkte körperliche Angriffe. Selbst deutlich größere Vogelarten werden vertrieben.
Die Rufe der Rostgans sind laut und durchdringend. Der häufigste Laut ist ein nasales, trompetenhaftes „aang" oder „aarr", das vor allem im Flug und bei Erregung zu hören ist. Weibchen rufen tendenziell etwas höher als Männchen. Die innerasiatischen Populationen sind Zugvögel und überwintern in den Tiefebenen Südasiens oder im Nahen Osten. Südosteuropäische und die mitteleuropäischen Neupopulationen sind dagegen weitgehend Standvögel oder Kurzstreckenzieher.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Rostgans lebt in monogamer Dauerehe. Die Paarbindung ist stark und kann über viele Jahre bestehen. Die Balz findet ab dem Spätwinter statt und umfasst gegenseitiges Kopfnicken, synchronisiertes Rufen und Imponierverhalten des Männchens. Eine Besonderheit der Art ist die Nistplatzwahl: Im Gegensatz zu den meisten Entenvögeln brütet die Rostgans häufig in Höhlen. Natürliche Brutplätze sind Felshöhlen, Erdlöcher, verlassene Fuchsbaue, Mauernischen und Steilwände. Gelegentlich werden auch Baumhöhlen genutzt. In urbanen Gebieten werden Gebäudenischen, Dachböden und sogar Schornsteine als Nistplatz angenommen – der Brutplatz kann dabei mehrere Kilometer vom nächsten Gewässer entfernt