Hamburger Mattenfilter
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Definition & Überblick
Der Hamburger Mattenfilter (HMF) ist ein biologisches Filtersystem für Süßwasser- und Brackwasseraquarien, das auf dem Prinzip der großflächigen, langsamen Durchströmung einer Filtermatte basiert. Entwickelt und populär gemacht wurde das Konzept maßgeblich durch den Hamburger Aquarianer Olaf Deters, der die Funktionsweise in den 1990er-Jahren systematisch beschrieb und über das Internet verbreitete. Seitdem hat sich der HMF als einer der zuverlässigsten, wartungsärmsten und tierfreundlichsten Filter in der Aquaristik etabliert.
Das Grundprinzip ist denkbar einfach: Eine großporige Schaumstoffmatte wird in eine Ecke oder über die gesamte Rückwand des Aquariums eingeklemmt. Hinter der Matte befindet sich ein abgetrennter Bereich, in dem eine Luftheberpumpe oder eine kleine Kreiselpumpe das Wasser nach oben befördert. Dadurch entsteht ein sanfter Sog, der das Aquarienwasser gleichmäßig durch die gesamte Mattenfläche zieht. In den Poren der Matte siedeln sich Bakterien an, die Ammonium und Nitrit in das deutlich weniger giftige Nitrat umwandeln – die klassische Nitrifikation.
Grundlagen & Voraussetzungen
Damit ein Hamburger Mattenfilter artgerecht funktioniert und das Wohlbefinden der Aquarienbewohner sicherstellt, müssen einige Grundlagen beachtet werden:
- Mattenmaterial: Verwendet wird offenporiger Filterschaum mit einer Porung von 30 bis 45 ppi (pores per inch). Für Aufzuchtbecken mit Jungfischen oder Garnelen eignet sich feinerer Schaum (45 ppi), während 30 ppi für normal besetzte Gesellschaftsaquarien die bessere Wahl darstellt, da er seltener verstopft.
- Mattenfläche: Die Faustregel lautet: Die Durchströmungsgeschwindigkeit sollte zwischen 5 und 10 cm pro Minute liegen. Daraus ergibt sich die benötigte Mattenfläche in Abhängigkeit von der Pumpenleistung. Für ein 100-Liter-Aquarium mit einem Luftheber, der etwa 100 Liter pro Stunde fördert, genügt eine Mattenfläche von rund 1.000 bis 2.000 cm².
- Mattendicke: Standardmäßig werden Matten mit 3 bis 5 cm Stärke verwendet. Dünnere Matten bieten weniger Besiedlungsfläche, dickere Matten erhöhen den Strömungswiderstand unnötig.
- Antrieb: Luftheber sind die bevorzugte Lösung, da sie leise arbeiten, kaum Wärme erzeugen und eine sanfte, gleichmäßige Strömung gewährleisten. Eine Membranpumpe mit Ausströmerstein im Steigrohr erzeugt den nötigen Auftrieb. Alternativ können kleine Kreiselpumpen hinter der Matte platziert werden, was in größeren Becken ab 200 Litern sinnvoll sein kann.
- Beckenform: Der HMF eignet sich für nahezu jede Beckengröße – vom 12-Liter-Garnelengehege bis zum 600-Liter-Gesellschaftsaquarium. In sehr großen Anlagen werden mehrere Matteneinheiten kombiniert.
Praktische Umsetzung
Der Einbau eines Hamburger Mattenfilters erfordert weder Spezialwerkzeug noch große handwerkliche Erfahrung. Die Filtermatte wird passgenau zugeschnitten und in die gewünschte Ecke oder über die Rückwand des Aquariums geklemmt. Bei der Eckversion formt man die Matte zu einem Viertelkreis, der sich durch seine Eigenspannung zwischen den Glasscheiben hält. Zusätzliche Fixierung bieten Saugnäpfe, Kabelführungen oder Edelstahlschienen.
Hinter der Matte wird das Steigrohr des Lufthebers platziert. Das Rohr sollte einen Innendurchmesser von mindestens 20 mm haben – bei größeren Becken 30 bis 40 mm. Am unteren Ende befindet sich der Ausströmerstein, der an eine externe Membranpumpe angeschlossen wird. Das Wasser steigt im Rohr auf und fließt oben in den freien Beckenbereich zurück, wodurch es durch die Matte nachgesaugt wird.
Nach dem Einbau benötigt der Filter etwa vier bis sechs Wochen Einlaufzeit, bis die Bakterienkolonien ausreichend angewachsen sind. Während dieser Phase sollte der Besatz vorsichtig gesteigert werden, um die Biologie nicht zu überfordern. Regelmäßige Tests auf Ammonium, Nitrit und Nitrat geben Aufschluss über den Reifezustand.
Häufige Fehler
- Zu kleine Mattenfläche: Wer an der Mattengröße spart, erzeugt eine zu hohe Durchströmungsgeschwindigkeit. Die Bakterien werden regelrecht überspült und können ihre Arbeit nicht verrichten. Das Ergebnis sind erhöhte Nitritwerte – eine ernste Gefahr für den Tierbestand.
- Reinigung mit Leitungswasser: Chlorhaltiges Wasser tötet die Filterbakterien ab. Die Matte sollte ausschließlich in abgestandenem Aquarienwasser ausgedrückt werden, und auch nur dann, wenn die Durchflussleistung merklich nachlässt – bei korrekter Dimensionierung oft nur alle sechs bis zwölf Monate.
- Falsche Porung: Zu feinporige Matten setzen sich schnell mit Mulm zu, was den Durchfluss verringert und anaerobe Zonen begünstigt. Zu grobporige Matten bieten weniger Besiedlungsfläche.
- Steigrohr zu kurz oder zu dünn: Ein zu kurzes Steigrohr mindert die Förderleistung des Lufthebers erheblich. Die Wassersäule im Rohr muss hoch genug sein, damit der Auftrieb der Luftblasen effektiv wirkt.
- Sofortiger Vollbesatz: Wer ein frisch eingerichtetes Aquarium mit dem geplanten Endbesatz bestückt, riskiert eine Nitritvergiftung. Artgerechte Haltung beginnt mit Geduld.
Tipps für Anfänger
Für Einsteiger ist der Hamburger Mattenfilter eine ideale Wahl, da er kaum fehleranfällig ist und eine stabile Wasserqualität liefert. Folgende Hinweise erleichtern den Einstieg: