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Kommensalismus

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Biologie & Ökologie > Ökologie & Lebensraum

Definition und Überblick

Kommensalismus (von lateinisch cum mensa – „am selben Tisch") bezeichnet eine Form der interspezifischen Beziehung zwischen zwei Arten, bei der ein Partner – der Kommensale – einen Vorteil erlangt, während der andere Partner – der Wirt – weder geschädigt noch begünstigt wird. Diese Interaktion gehört neben Mutualismus, Parasitismus und Konkurrenz zu den grundlegenden Formen der Symbiose im weiteren Sinne und spielt in nahezu allen Ökosystemen eine bedeutende Rolle.

Der Begriff geht ursprünglich auf die Vorstellung zurück, dass ein Organismus gewissermaßen am Tisch eines anderen „mitisst", ohne dem Gastgeber etwas wegzunehmen. In der modernen Ökologie wird Kommensalismus als eine asymmetrische Wechselbeziehung verstanden: Die Bilanz für den Wirt liegt bei null, während der Kommensale einen ökologischen Nutzen zieht – etwa in Form von Nahrung, Schutz oder Transportmöglichkeiten.

Abgrenzung zu anderen Symbioseformen

Um Kommensalismus korrekt einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die verwandten Beziehungstypen zwischen Organismen:

  • Mutualismus: Beide Partner profitieren voneinander. Ein klassisches Beispiel ist die Beziehung zwischen Blütenpflanzen und ihren Bestäubern.
  • Parasitismus: Ein Partner (der Parasit) zieht Nutzen auf Kosten des anderen (des Wirts), der geschädigt wird.
  • Amensalismus: Ein Partner wird geschädigt, während der andere unbeeinflusst bleibt – das Gegenstück zum Kommensalismus.
  • Konkurrenz: Beide Arten beeinträchtigen sich gegenseitig, etwa durch Nutzung derselben Ressourcen.

In der Praxis sind die Grenzen zwischen diesen Kategorien fließend. Ob eine Beziehung als Kommensalismus, schwacher Mutualismus oder geringfügiger Parasitismus einzustufen ist, hängt häufig von den konkreten Umweltbedingungen ab und lässt sich nicht immer eindeutig bestimmen. Viele Ökologen betrachten Kommensalismus daher als einen Punkt auf einem Kontinuum zwischenartlicher Interaktionen.

Formen des Kommensalismus

Je nach Art des Vorteils, den der Kommensale aus der Beziehung zieht, unterscheidet man mehrere Unterformen:

Inquilinismus (Einmietung): Der Kommensale nutzt den Körper oder die von einem anderen Organismus geschaffene Struktur als Lebensraum. Spechthöhlen etwa werden nach dem Auszug des Spechtes von zahlreichen Nachnutzern bezogen – darunter Meisen, Kleiber, Siebenschläfer und verschiedene Insektenarten. Der Specht selbst hat durch diese Nachnutzung weder Vor- noch Nachteile.

Metabiose (Nachfolge-Kommensalismus): Ein Organismus schafft durch seine Lebenstätigkeit oder seinen Tod Bedingungen, die einer anderen Art zugutekommen. Wenn etwa Borkenkäfer Gänge in Totholz bohren, entstehen Strukturen, die später von Wildbienen, Käferlarven oder Pilzen besiedelt werden. Die Borkenkäfer sind zu diesem Zeitpunkt längst verschwunden und werden durch die Nachbesiedlung nicht beeinflusst.

Phoresie (Transport-Kommensalismus): Der Kommensale nutzt den Wirt als Transportmittel, ohne ihn zu schädigen. Milben, die sich an Mistkäfern anheften, um zu neuen Nahrungsquellen zu gelangen, sind ein gut dokumentiertes Beispiel. Auch Klettfrüchte, die sich im Fell von Säugetieren verfangen und so verbreitet werden, fallen in diese Kategorie – wobei hier die Grenze zum Mutualismus verschwimmt, wenn die Pflanze dem Tier anderweitig nützt.

Kommensalismus im engeren Sinne (Mitfressen): Der Kommensale ernährt sich von Nahrungsresten oder -überschüssen des Wirtes. Schiffshalter (Echeneidae) heften sich mit ihrer Saugplatte an Haie und andere große Meeresbewohner, um von herabfallenden Nahrungsbrocken zu profitieren. Auch Aasfresser, die sich an den Überresten der Beute großer Raubtiere bedienen, zeigen dieses Verhalten – Schakale an Löwenrissen etwa.

Beispiele aus der Tierwelt

Kommensalistische Beziehungen durchziehen das gesamte Tierreich. Einige besonders anschauliche Fälle:

  • Kuhreiher und Weidetiere: Kuhreiher (Bubulcus ibis) folgen Rindern, Büffeln oder Zebras und erbeuten die Insekten, die durch deren Bewegung aufgescheucht werden. Die Huftiere selbst werden dadurch nicht nennenswert beeinflusst, obwohl manche Autoren hier einen leichten mutualistischen Effekt durch Parasitenentfernung annehmen.
  • Einsiedlerkrebse und Schneckenschalen: Einsiedlerkrebse bewohnen leere Gehäuse von Meeresschnecken und erhalten so einen mobilen Schutzpanzer. Die Schnecke ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot, weshalb von keiner direkten Schädigung gesprochen werden kann.
  • Haussperlinge und Menschen: Als typischer Kulturfolger nutzt der Haussperling menschliche Siedlungen als Brut- und Nahrungshabitat. Er profitiert von Gebäudenischen, Futterresten und der Wärme urbaner Strukturen, ohne dem Menschen dabei direkt zu schaden.
  • Epibionten auf Walen: Seepocken siedeln sich auf der Haut von Großwalen an. Sie profitieren von der ständigen Wasserströmung, die ihnen Plankton zuführt. Für den Wal stellt der Bewuchs in der Regel keine bedeutende Belastung dar, wenngleich bei extremem Befall die Grenze zum Parasitismus diskutiert wird.

Ökologische Bedeutung

Kommensalismus trägt wesentlich zur Strukturierung von Lebensgemeinschaften bei. Durch kommensalistische Beziehungen werden Nischen geschaffen und erhalten, die ohne den Wirt nicht existieren würden. Höhlenbrüter wären ohne die Bautätigkeit von Spechten in vielen Wäldern stark eingeschränkt. Epiphyten und Aufsitzerorganismen in tropischen Regenwäldern oder Korallenriffen erhöhen die Biod