Konkurrenz
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Definition und Überblick
Konkurrenz (auch Wettbewerb oder Kompetition) bezeichnet in der Ökologie die Wechselbeziehung zwischen Organismen, die um dieselben begrenzten Ressourcen wetteifern. Solche Ressourcen können Nahrung, Wasser, Licht, Nistplätze, Reviere oder Fortpflanzungspartner sein. Konkurrenz zählt zu den bedeutendsten biotischen Faktoren, die Verbreitung, Populationsgröße und Verhalten von Tierarten beeinflussen. Sie wirkt als treibende Kraft der Evolution und beeinflusst maßgeblich die Struktur von Lebensgemeinschaften.
Im Gegensatz zu Räuber-Beute-Beziehungen oder Parasitismus, bei denen eine Art auf Kosten einer anderen profitiert, ist Konkurrenz eine Wechselwirkung, bei der alle beteiligten Parteien Nachteile erleiden – zumindest potenziell. Der Zugang zu einer Ressource wird durch die Anwesenheit des Konkurrenten eingeschränkt, was sich negativ auf Wachstum, Fortpflanzungserfolg oder Überlebensrate auswirken kann.
Intraspezifische Konkurrenz
Intraspezifische Konkurrenz findet zwischen Individuen derselben Art statt. Sie ist in der Regel intensiver als die Konkurrenz zwischen verschiedenen Arten, da Artgenossen nahezu identische ökologische Ansprüche haben. Typische Beispiele aus dem Tierreich:
- Revierverhalten: Viele Singvögel verteidigen Brutreviere gegen Artgenossen. Der Gesang männlicher Amseln oder Rotkehlchen dient nicht nur der Partneranlockung, sondern auch der Revierabgrenzung gegenüber anderen Männchen.
- Nahrungskonkurrenz: In einer dichten Population von Kaulquappen in einem Tümpel konkurrieren alle Individuen um begrenzte Algenbestände. Hohe Dichte führt zu verlangsamtem Wachstum und geringerer Körpergröße bei der Metamorphose.
- Fortpflanzungskonkurrenz: Hirsche kämpfen in der Brunft um Zugang zu weiblichen Tieren. Nur die stärksten Männchen setzen sich durch und geben ihre Gene weiter.
Intraspezifische Konkurrenz reguliert die Populationsdichte dichteabhängig: Je mehr Individuen eine Ressource teilen müssen, desto geringer fällt der Anteil pro Individuum aus. Dieser Mechanismus wirkt als natürliche Bremse des Populationswachstums.
Interspezifische Konkurrenz
Interspezifische Konkurrenz tritt zwischen Individuen verschiedener Arten auf, deren ökologische Nischen sich überlappen. Je stärker die Überlappung der Ansprüche, desto intensiver der Wettbewerb. Der russische Ökologe Georgi Gause formulierte dazu das Konkurrenzausschlussprinzip (auch Gause-Prinzip): Zwei Arten, die exakt dieselbe ökologische Nische besetzen, können nicht dauerhaft am selben Ort koexistieren. Die konkurrenzstärkere Art verdrängt langfristig die schwächere.
Ein klassisches Beispiel ist die Verdrängung des Europäischen Roten Eichhörnchens durch das eingeführte Grauhörnchen in Großbritannien. Das Grauhörnchen nutzt die vorhandenen Nahrungsquellen effizienter, überträgt zudem ein Pockenvirus, gegen das es selbst immun ist, und hat das Rote Eichhörnchen in weiten Teilen Englands bereits verdrängt.
Formen der Konkurrenz: Ausbeutung und Interferenz
Ökologen unterscheiden zwei grundlegende Mechanismen der Konkurrenz:
- Ausbeutungskonkurrenz (Exploitative competition): Die Organismen nutzen dieselbe Ressource, ohne direkt miteinander in Kontakt zu treten. Der Wettbewerb entsteht indirekt durch den Verbrauch der Ressource. Wenn etwa Meisen und Kleiber im selben Waldstück Insektenlarven in der Borke suchen, reduziert jede Art das Nahrungsangebot für die andere, ohne dass es zu direkten Auseinandersetzungen kommt.
- Interferenzkonkurrenz: Hier findet eine direkte Auseinandersetzung statt – durch Aggression, Revierverteidigung oder chemische Abwehrstoffe. Wölfe, die ein Rudel fremder Artgenossen aus ihrem Territorium vertreiben, zeigen eine typische Form der Interferenzkonkurrenz.
Konkurrenzvermeidung und Nischendifferenzierung
In der Natur existieren zahlreiche Arten nebeneinander, die ähnliche Ressourcen nutzen. Dies ist möglich durch Nischendifferenzierung (auch Einnischung oder character displacement): Arten weichen einander aus, indem sie unterschiedliche Teilaspekte einer Ressource nutzen. So ernähren sich verschiedene Darwinfinken-Arten auf den Galápagosinseln von Samen unterschiedlicher Größe, was sich in der Schnabelform widerspiegelt. Buntspecht und Mittelspecht suchen ihre Nahrung an verschiedenen Baumregionen.
Weitere Strategien der Konkurrenzvermeidung sind:
- Zeitliche Trennung: Nachtaktive und tagaktive Raubvögel wie Eulen und Greifvögel nutzen ähnliche Beutetiere, jagen jedoch zu unterschiedlichen Tageszeiten.
- Räumliche Trennung: Verschiedene Fischarten halten sich in unterschiedlichen Wassertiefen eines Sees auf.
- Nahrungsspezialisierung: Eng verwandte Arten entwickeln Vorlieben für unterschiedliche Beutetiere oder Pflanzenteile.
Diese Aufspaltung der ökologischen Nischen ist ein Ergebnis langfristiger Koevolution und natürlicher Selektion. Individuen, die dem direkten Wettbewerb ausweichen, haben einen Überlebensvorteil und geben diese Eigenschaft an ihre Nachkommen weiter.
Ökologische und evolutionäre Bedeutung
Konkurrenz gehört zu den zentralen Triebkräften der Artbildung und der Anpassung. Durch den permanenten Selektionsdruck werden Merkmale begünstigt, die den Zugang zu Ressourcen verbessern oder Ausweichmöglichkeiten schaffen. Dies fördert die biologische Vielfalt innerhalb von Ökosystemen.
In der angewandten Ökologie spielt Konkurrenz eine entscheidende Rolle beim Verständnis von Bioinvasionen. Eingeschleppte Arten –