Liegen
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Definition & Überblick
Als Liegen wird in der Ethologie eine Ruheposition bezeichnet, bei der ein Tier seinen Körper ganz oder überwiegend auf einer horizontalen Fläche ablegt und das Eigengewicht nicht mehr aktiv durch die Gliedmaßen trägt. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen dem Brustliegen (Sternallage), bei dem der Rumpf auf Brustbein und Bauch aufliegt, und dem Seitenliegen (Laterallage), bei dem das Tier mit einer gesamten Körperseite auf dem Untergrund ruht. Liegen kann sowohl Ausdruck von Ruhe und Schlaf sein als auch im Kontext von Thermoregulation, Sozialverhalten, Krankheit oder Unterordnung auftreten. Es zählt zu den elementaren Verhaltensweisen im Funktionskreis des Ruheverhaltens und steht in engem Zusammenhang mit weiteren Pflegebegriffen wie Schlafen, Dösen und Rekeln.
Biologischer Hintergrund
Das Liegen dient in erster Linie der Energieeinsparung und der körperlichen Regeneration. Während der Liegeposition sinken Herzfrequenz und Atemrate, der Muskeltonus wird reduziert, und anabole Stoffwechselprozesse laufen verstärkt ab. Bei Säugetieren ist das Liegen eine Voraussetzung für die Tiefschlafphasen (Non-REM- und REM-Schlaf), da insbesondere die vollständige Muskelrelaxation während des REM-Schlafs eine stabile Körperlage erfordert. Pferde beispielsweise erreichen den REM-Schlaf ausschließlich in Seitenlage, obwohl sie im Stehen dösen können.
Die Wahl der Liegeposition wird über ein Zusammenspiel von zentralnervösen Mechanismen, propriozeptiven Rückmeldungen und Umweltfaktoren gesteuert. Hypothalamische Kerngebiete regulieren den Schlaf-Wach-Rhythmus und damit auch die Übergänge zwischen Aktivität, Ruhen im Stehen und verschiedenen Liegepositionen. Gleichzeitig spielen erlernte Präferenzen eine Rolle: Durch Konditionierung verknüpfen Tiere bestimmte Untergrundqualitäten, Temperaturbereiche und soziale Konstellationen mit positiven Ruheerfahrungen und bevorzugen entsprechende Liegeplätze wiederholt.
Aus biomechanischer Sicht verteilt das Liegen die Schwerkraftbelastung auf eine größere Körperoberfläche, was bei schweren Tierarten wie Rindern oder Elefanten den Gelenkapparat entlastet. Allerdings kann zu langes Liegen auf hartem Untergrund zu Drucknekrosen und Liegeschwielen führen – ein Aspekt, der in der Nutztierhaltung erhebliche Relevanz besitzt.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Liegen ist im gesamten Tierreich verbreitet, variiert jedoch stark in Dauer, Häufigkeit und Form:
- Haussäugetiere: Hunde und Katzen verbringen bis zu 16 Stunden täglich im Liegen, wobei sie zwischen Brustlage, Seitenlage und Rückenlage wechseln. Die Rückenlage gilt bei Haushunden als Zeichen besonderer Entspannung und sozialen Vertrauens. Rinder liegen durchschnittlich 10 bis 14 Stunden pro Tag und zeigen dabei eine ausgeprägte Präferenz für weiche, trockene Untergründe. Pferde liegen insgesamt nur etwa zwei bis drei Stunden täglich.
- Wildtiere: Großkatzen wie Löwen sind für ausgedehnte Liegephasen bekannt – bis zu 20 Stunden am Tag. Diese Strategie spart Energie zwischen den Jagdphasen. Wölfe liegen häufig in enger Körpernähe zueinander, was dem Sozialkontakt und der Thermoregulation dient.
- Reptilien: Echsen und Schlangen liegen gezielt auf sonnenexponierten Flächen zum Zweck der Thermoregulation (Basking). Hier verschmilzt das Liegeverhalten mit dem Komfortverhalten.
- Vögel: Obwohl die meisten Vogelarten im Sitzen oder Stehen schlafen, legen sich einige Arten – etwa junge Flamingos oder bestimmte Pinguinarten – bei Erschöpfung oder Krankheit flach hin. Manche Bodenbrüter zeigen ein ausgedehntes Liegen während der Brut.
- Wirbellose: Auch bei Wirbellosen existieren Ruhephasen in liegender Position, etwa bei Oktopussen, die sich auf den Meeresboden legen und dabei Farbveränderungen zeigen, die auf Schlafphasen hindeuten.
Auslöser & Funktion
Die Auslöser für das Liegen sind vielschichtig und lassen sich in interne und externe Faktoren unterteilen. Zu den internen Auslösern zählen Müdigkeit (gesteuert über die Adenosin-Akkumulation im Gehirn), Sättigung nach der Nahrungsaufnahme, hormonelle Einflüsse (etwa Progesteron bei trächtigen Tieren) sowie Krankheit und Schmerz. Externe Auslöser umfassen Umgebungstemperatur, Lichtintensität, Beschaffenheit des Untergrunds und die Anwesenheit vertrauter Sozialpartner.
Funktional erfüllt das Liegen mehrere Aufgaben gleichzeitig:
- Regeneration: Physische und kognitive Erholung, Geweberegeneration, Immunstärkung.
- Thermoregulation: Minimierung oder Maximierung der Körperoberfläche je nach Umgebungstemperatur – eingerolltes Liegen bei Kälte, ausgestrecktes Seitenliegen bei Hitze.
- Kommunikation: Im Sozialverhalten signalisiert das Liegen mit exponiertem Bauch bei vielen Caniden eine Unterwerfungsgeste oder eine Spielaufforderung. Im Kontext des Territorialverhaltens kann demonstratives Liegen an zentralen Plätzen Besitzansprüche signalisieren.
- Feindvermeidung: Bestimmte Beutetiere lassen sich bei Gefahr flach auf den Boden fallen (Akinese oder Thanatose), um optisch mit dem Untergrund zu verschmelzen.
Bedeutung für die Haltung
In der Tierhaltung ist das Liegeverhalten ein