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Markieren

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Definition & Überblick

Unter Markieren versteht man in der Ethologie das gezielte Anbringen von chemischen, optischen oder akustischen Signalen in der Umwelt, die anderen Individuen derselben oder auch fremder Arten Informationen über den Absender übermitteln. Im engeren Sinne bezieht sich der Begriff vor allem auf die Duftmarkierung (olfaktorisches Markieren), bei der ein Tier Sekrete, Urin, Kot oder Drüsenabsonderungen an bestimmten Stellen hinterlässt. Diese Form der indirekten Kommunikation zählt zu den grundlegenden Verhaltensweisen im Tierreich und spielt eine zentrale Rolle bei der Revierverteidigung, der Fortpflanzung und der sozialen Organisation. Im Gegensatz zur direkten Kommunikation erlaubt das Markieren einen zeitversetzten Informationsaustausch: Die Botschaft bleibt auch in Abwesenheit des Senders bestehen und kann über Stunden, Tage oder sogar Wochen wirksam sein.

Biologischer Hintergrund

Die biologische Grundlage des Markierverhaltens liegt in spezialisierten Duftdrüsen, die artspezifisch an unterschiedlichen Körperstellen lokalisiert sind. Katzenartige besitzen beispielsweise Drüsen an Wangen, Kinn, Pfotenballen und in der Perianalregion. Caniden nutzen vor allem den Urin, der über komplexe Stoffwechselprodukte wie Pheromone, Steroide und flüchtige Fettsäuren eine Vielzahl von Informationen codiert – darunter Geschlecht, Reproduktionsstatus, Alter, Gesundheitszustand und individuelle Identität.

Neurophysiologisch wird das Markierverhalten über das Vomeronasalorgan (Jacobson-Organ) gesteuert, ein akzessorisches Riechorgan, das bei vielen Wirbeltieren auf Pheromone spezialisiert ist. Das sogenannte Flehmen – das charakteristische Hochziehen der Oberlippe, wie es bei Pferden, Katzen und Huftieren beobachtet wird – dient dazu, Duftstoffe gezielt an dieses Organ zu leiten. Die Verarbeitung erfolgt über den akzessorischen Bulbus olfactorius und beeinflusst direkt hormonelle und verhaltenssteuernde Zentren im Hypothalamus.

Das Markierverhalten ist teils instinktgesteuert (angeboren), teils durch Reifung und soziale Erfahrung moduliert. Junge Tiere beginnen oft erst mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife systematisch zu markieren, was auf den Einfluss von Sexualhormonen wie Testosteron hindeutet. Gleichzeitig kann die Häufigkeit und Intensität des Markierens durch Lernprozesse und soziale Konditionierung beeinflusst werden.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

Markierverhalten ist im Tierreich außerordentlich weit verbreitet und keineswegs auf Säugetiere beschränkt:

  • Caniden (Hunde, Wölfe, Füchse): Urinmarkierung mit erhobenem Bein, Scharren nach dem Kotabsatz zur Verteilung von Pheromonen aus den Zwischenzehendrüsen, gezielte Übermarkierung fremder Duftmarken.
  • Feliden (Katzen, Großkatzen): Harnspritzen (Sprühmarkieren), Wangenreiben, Kratzmarkierungen an Bäumen als kombinierte optisch-olfaktorische Signale. Besonders der Luchs und der Tiger sind für ausgedehntes Harnsprühen entlang von Reviergrenzen bekannt.
  • Huftiere: Nashörner nutzen gemeinschaftliche Kotplätze (Latrinen), an denen sich mehrere Individuen über ihren Kot identifizieren. Antilopen besitzen präorbitale Duftdrüsen, deren Sekret an Grashalmen und Zweigen abgestreift wird.
  • Nagetiere und Lagomorphe: Kaninchen markieren mit Kinndrüsensekret und Analdrüsen, Rennmäuse pressen ihre ventrale Duftdrüse auf Gegenstände.
  • Primaten: Viele Neuweltaffen, etwa Weißbüscheläffchen, urinieren auf ihre Hände und verreiben den Urin auf Ästen (sogenanntes „urine washing").
  • Reptilien: Einige Eidechsenarten hinterlassen Drüsensekrete aus Femoralporen zur Revierabgrenzung.
  • Insekten: Ameisen nutzen Pheromonspur-Markierungen zur Wegfindung und Rekrutierung von Nestgenossen, was funktional ebenfalls als Markierverhalten verstanden werden kann.

Auslöser & Funktion

Die Auslöser für Markierverhalten sind vielfältig und kontextabhängig. Zu den wichtigsten Auslösemechanismen zählen:

  • Territoriale Motivation: Das Entdecken fremder Duftmarken löst Übermarkierungsverhalten aus. Das Tier setzt seine eigene Marke auf oder neben die fremde, um den Besitzanspruch zu erneuern.
  • Reproduktiver Kontext: Während der Brunst oder Läufigkeit markieren beide Geschlechter verstärkt, um Paarungsbereitschaft zu signalisieren.
  • Soziale Erregung: Begegnungen mit unbekannten Artgenossen, Veränderungen in der Gruppenstruktur oder neue Umgebungen steigern die Markierfrequenz erheblich.
  • Stress und Unsicherheit: In ungewohnten Situationen kann Markieren eine selbstberuhigende Funktion übernehmen, indem das Tier seine Umgebung mit vertrauten Gerüchen anreichert.

Funktional dient Markieren der Territorialität, der individuellen Wiedererkennung, der sexuellen Selektion und der Stabilisierung sozialer Hierarchien. Es reduziert die Notwendigkeit direkter aggressiver Konfrontationen und gehört damit zum Repertoire der ritualisierten Kommunikation im Sozialverhalten.

Bedeutung für die Haltung

In der Heimtierhaltung stellt insbesondere das Harnmarkieren von Katzen und Hunden eine häufige Herausforderung dar. Bei intakten (nicht kastrierten) Katern gehört das Sprühmarkieren zum normalen Verhaltensrepertoire; eine Kastration reduziert dieses Verhalten in etwa 80–90 % der Fälle deutlich. Bei