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Neozoon

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Biologie & Ökologie > Ökologie & Lebensraum

Definition und Begriffsklärung

Als Neozoon (Plural: Neozoa) bezeichnet man eine Tierart, die durch menschliches Zutun in ein Gebiet gelangt ist, in dem sie ursprünglich nicht heimisch war, und sich dort dauerhaft etabliert hat. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab: „neos" bedeutet „neu" und „zoon" steht für „Tier". Das pflanzliche Pendant heißt Neophyt, der übergeordnete Sammelbegriff für alle eingeschleppten Organismen lautet Neobiota.

In der Ökologie wird eine Tierart dann als Neozoon eingestuft, wenn sie nach dem Jahr 1492 – dem Beginn der europäischen Expansion und des globalen Handels – in einem neuen Gebiet aufgetaucht ist. Diese Zeitgrenze ist international anerkannt und markiert den Beginn intensiver interkontinentaler Transportwege, über die Tiere absichtlich oder unbeabsichtigt verschleppt wurden. Arten, die vor diesem Stichtag eingewandert sind, gelten als Archäozoa.

Wege der Einführung

Neozoa gelangen auf unterschiedlichen Wegen in neue Lebensräume. Man unterscheidet grundsätzlich drei Kategorien:

  • Absichtliche Einführung (Intentionale Freisetzung): Tiere werden gezielt importiert und ausgesetzt – etwa zur Jagd, zur biologischen Schädlingsbekämpfung oder als Nutztiere. Beispiele sind der Fasan (Phasianus colchicus), der zu Jagdzwecken in weiten Teilen Europas angesiedelt wurde, oder der Mink (Neogale vison), der für die Pelztierzucht nach Europa kam.
  • Unbeabsichtigtes Entweichen (Gefangenschaftsflüchtlinge): Tiere entkommen aus Haltungen, Zoos, Pelzfarmen oder privater Tierhaltung und gründen Freilandpopulationen. Die Nutria (Myocastor coypus) und der Waschbär (Procyon lotor) sind in Deutschland auf diese Weise heimisch geworden.
  • Passive Einschleppung: Tiere gelangen als blinde Passagiere über Schiffe, Flugzeuge oder Warentransporte in neue Regionen. Besonders Insekten, Spinnen und marine Organismen verbreiten sich auf diesem Weg. Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) wurde etwa über den internationalen Reifenhandel nach Europa verschleppt.

Etablierung und Ausbreitung

Nicht jede eingeschleppte Tierart wird automatisch zum dauerhaften Neozoon. Der Prozess der Etablierung verläuft in mehreren Phasen. Zunächst muss eine Art den Transport überleben und sich unter den neuen Umweltbedingungen fortpflanzen können. Viele eingeführte Populationen sterben nach kurzer Zeit wieder aus, weil die klimatischen Verhältnisse ungeeignet sind, die Populationsgröße zu gering ist oder geeignete Nahrungsquellen fehlen.

Gelingt es einer Art jedoch, eine sich selbst tragende Population aufzubauen, spricht man von einer etablierten gebietsfremden Art. In dieser Phase beginnt häufig die räumliche Ausbreitung. Arten mit hoher Reproduktionsrate, breiter ökologischer Toleranz und generalistischer Lebensweise haben dabei deutliche Vorteile. Der Waschbär etwa vereint all diese Eigenschaften: Er ist omnivor, anpassungsfähig und vermehrt sich zuverlässig – seine Population in Deutschland wird mittlerweile auf über eine Million Individuen geschätzt.

Ökologische Auswirkungen

Die Auswirkungen von Neozoa auf heimische Ökosysteme sind vielschichtig und reichen von kaum merklichen Veränderungen bis zu gravierenden Störungen. Gebietsfremde Arten können auf mehreren Ebenen Einfluss nehmen:

  • Prädation: Neozoa jagen einheimische Arten, die keine Abwehrstrategien gegen die neuen Fressfeinde entwickelt haben. Der Mink etwa dezimiert Bestände europäischer Wasservögel und gefährdet den Europäischen Nerz (Mustela lutreola), der mittlerweile zu den am stärksten bedrohten Säugetieren Europas zählt.
  • Nahrungskonkurrenz: Eingeschleppte Arten treten in direkte Konkurrenz zu einheimischen Arten um Futter und Lebensraum. Das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) verdrängt in Großbritannien und Italien zunehmend das heimische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris).
  • Übertragung von Krankheiten: Neozoa können Parasiten, Viren und andere Krankheitserreger einschleppen, gegen die einheimische Arten keine Immunität besitzen. Das Grauhörnchen überträgt das Squirrelpox-Virus, das für das Europäische Eichhörnchen tödlich verläuft.
  • Hybridisierung: Durch Kreuzung mit verwandten einheimischen Arten kann der Genpool der ursprünglichen Population verändert oder sogar aufgelöst werden. Die Marmorente und verschiedene Entenarten sind von dieser Problematik betroffen.
  • Veränderung von Lebensräumen: Manche Neozoa verändern die Struktur ganzer Ökosysteme. Die Nutria untergräbt Deiche und Uferbefestigungen und zerstört durch ihren Fraß Röhrichtbestände, die als Bruthabitat für zahlreiche Vogelarten dienen.

Wird ein Neozoon durch seine Ausbreitung zur nachweislichen Bedrohung für die biologische Vielfalt, die menschliche Gesundheit oder die Wirtschaft, spricht man von einer invasiven Art. Die Europäische Union führt eine sogenannte Unionsliste invasiver Arten, die Maßnahmen zur Prävention, Früherkennung und Bekämpfung vorschreibt.

Bekannte Neozoa in Mitteleuropa

In Deutschland sind mehrere hundert gebietsfremde Tierarten nachgewiesen, von denen sich einige fest etabliert haben. Zu den bekanntesten Neozoa zählen:

  • Waschbär (Procyon lotor) – aus Nordamerika, seit den 1930er-Jahren in Deutschland
  • Marderhund (Nyctereutes procyonoides) – aus Ostasien, breitet sich seit den 1960er-Jahren westw