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Ökosystem

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Biologie & Ökologie > Ökologie & Lebensraum

Definition und Überblick

Ein Ökosystem (griech. oikos = Haus, systema = Zusammengesetztes) bezeichnet eine funktionelle Einheit, in der eine Lebensgemeinschaft von Organismen – die Biozönose – mit ihrem unbelebten Lebensraum – dem Biotop – in ständiger Wechselwirkung steht. Der Begriff wurde 1935 vom britischen Botaniker Arthur Tansley geprägt und gehört zu den zentralen Konzepten der Ökologie. Ökosysteme können winzig klein sein, etwa ein verrottender Baumstumpf, oder riesige Ausmaße annehmen wie der gesamte Amazonas-Regenwald. Entscheidend ist nicht die Größe, sondern das Zusammenspiel von Lebewesen und abiotischen Faktoren innerhalb definierter Grenzen.

Bestandteile eines Ökosystems

Jedes Ökosystem setzt sich aus zwei grundlegenden Komponenten zusammen:

  • Biotische Faktoren: Alle lebenden Organismen, darunter Pflanzen, Tiere, Pilze, Bakterien und andere Mikroorganismen. Sie bilden gemeinsam die Lebensgemeinschaft (Biozönose) und stehen untereinander in vielfältigen Beziehungen – etwa als Räuber und Beute, als Parasit und Wirt oder als Symbiosepartner.
  • Abiotische Faktoren: Die unbelebten Bestandteile des Lebensraums, darunter Temperatur, Licht, Wasser, Bodenbeschaffenheit, Luftfeuchtigkeit, pH-Wert, Nährstoffgehalt und geologische Strukturen. Diese physikalisch-chemischen Gegebenheiten bestimmen maßgeblich, welche Arten an einem Standort vorkommen können.

Beide Komponenten lassen sich nicht isoliert betrachten. Pflanzen verändern den Boden, in dem sie wurzeln. Tiere beeinflussen durch Fraß die Zusammensetzung der Vegetation. Mikroorganismen zersetzen organisches Material und führen Nährstoffe in den Kreislauf zurück. Das Ökosystem ist deshalb immer mehr als die Summe seiner Teile.

Trophische Ebenen und Nahrungsbeziehungen

Die Organismen innerhalb eines Ökosystems lassen sich nach ihrer Rolle im Energiefluss in verschiedene trophische Ebenen (Ernährungsstufen) einteilen:

  • Produzenten (Erzeuger): Grüne Pflanzen, Algen und bestimmte Bakterien betreiben Photosynthese und wandeln Sonnenenergie in chemische Energie um. Sie bilden die Basis jedes Nahrungsnetzes.
  • Konsumenten (Verbraucher): Herbivore (Pflanzenfresser) gelten als Primärkonsumenten. Carnivore (Fleischfresser), die sich von Pflanzenfressern ernähren, sind Sekundärkonsumenten. Tertiärkonsumenten stehen an der Spitze der Nahrungskette – etwa Greifvögel oder große Raubkatzen. Omnivore wie der Braunbär oder das Wildschwein nehmen sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung auf und lassen sich nicht eindeutig einer Stufe zuordnen.
  • Destruenten (Zersetzer): Pilze, Bakterien und zahlreiche Bodentiere wie Regenwürmer, Asseln und Springschwänze zersetzen abgestorbene organische Substanz. Durch diese Mineralisation werden Nährstoffe freigesetzt und dem Kreislauf erneut zugeführt.

In der Realität sind die Nahrungsbeziehungen selten lineare Ketten, sondern bilden komplexe Nahrungsnetze. Je vernetzter ein solches Nahrungsnetz ist, desto stabiler reagiert das Ökosystem auf Störungen.

Stoffkreisläufe und Energiefluss

Zwei grundlegende Prozesse halten jedes Ökosystem am Laufen: der Stoffkreislauf und der Energiefluss. Während Stoffe wie Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und Wasser in geschlossenen Kreisläufen zirkulieren – vom Boden in die Pflanze, von der Pflanze ins Tier, vom Tier zurück in den Boden –, fließt Energie nur in eine Richtung. Sonnenenergie wird von Produzenten fixiert und bei jeder Weitergabe an die nächste trophische Ebene zum Großteil als Wärme abgegeben. Nur etwa zehn Prozent der Energie einer Stufe stehen der nächsthöheren zur Verfügung. Dieses Prinzip erklärt, warum es in einem Ökosystem stets mehr Pflanzenfresser als Spitzenräuber gibt – dargestellt in der sogenannten ökologischen Pyramide.

Typen von Ökosystemen

Ökosysteme werden häufig nach dem vorherrschenden Lebensraum eingeteilt:

  • Terrestrische Ökosysteme: Wälder (Tropischer Regenwald, Laub- und Nadelwald, Taiga), Graslandschaften (Savanne, Steppe, Prärie), Wüsten, Tundra, Gebirge und alpine Matten.
  • Aquatische Ökosysteme: Unterteilt in Süßwasser-Ökosysteme (Seen, Flüsse, Bäche, Moore) und marine Ökosysteme (Ozeane, Korallenriffe, Mangrovenwälder, Tiefseegräben).
  • Übergangsökosysteme: Feuchtgebiete, Auen, Wattenmeer und Ästuare verbinden terrestrische mit aquatischen Lebensräumen und gehören zu den produktivsten Ökosystemen der Erde.

Darüber hinaus existieren vom Menschen geschaffene oder stark beeinflusste Ökosysteme wie Agrarlandschaften, Parks, Gartenteiche oder urbane Räume, die als anthropogene Ökosysteme bezeichnet werden.

Ökologisches Gleichgewicht und Stabilität

Der Begriff ökologisches Gleichgewicht beschreibt einen Zustand, in dem die Populationen innerhalb eines Ökosystems über längere Zeit relativ stabil bleiben. Dieses Gleichgewicht ist jedoch kein starrer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess. Populationsgrößen schwanken durch Räuber-Beute-Beziehungen, klimatische Veränderungen und Konkurrenz ständig um einen Mittelwert. Eine hohe Biodiversität – also eine große Vielfalt an Arten, genetischen Varianten und Lebensräumen