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Rothalsgans

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Gänse & Schwäne

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Branta ruficollis
  • Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
  • Familie: Entenvögel (Anatidae)
  • Gattung: Meergänse (Branta)
  • Lebensraum: Arktische Tundra (Brutgebiet), Steppen und Küstenregionen am Schwarzen Meer und Kaspischen Meer (Überwinterung)
  • Größe: 53–56 cm Körperlänge, Flügelspannweite 116–135 cm
  • Gewicht: 1,0–1,6 kg
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 25 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Rothalsgans ist eine der kleinsten und zugleich farbenprächtigsten Gänsearten der Welt. Ihr Gefieder zeigt ein auffälliges Muster aus kastanienroten, schwarzen und weißen Partien, das sie von allen anderen Arten der Gattung Branta deutlich unterscheidet. Namensgebend ist der leuchtend rotbraune Fleck, der sich von den Wangen über die Halsseiten bis zur Brust erstreckt und von einer schmalen weißen Linie eingefasst wird. Der Scheitel, der Hinterhals und der Rücken sind tiefschwarz gefärbt. Auf den Flanken verlaufen breite weiße Streifen, die im Flug gut sichtbar sind. Der Bauch ist dunkel, die Unterschwanzdecken weiß.

Der Schnabel ist kurz und kompakt gebaut, von dunkelgrauer bis schwärzlicher Farbe. Die Beine und Schwimmfüße sind ebenfalls dunkel. Ein weißer Augenring hebt sich vom dunklen Kopfgefieder ab. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich kaum – es liegt ein nur schwach ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus vor, wobei die Männchen (Ganter) tendenziell etwas größer sind. Jungvögel zeigen eine insgesamt mattere Färbung mit weniger scharfen Kontrasten; das Rot am Hals ist blasser und die weißen Einfassungen schmaler.

Lebensraum & Verbreitung

Das Brutgebiet der Rothalsgans beschränkt sich auf die arktische und subarktische Tundra Sibiriens. Die drei Hauptbrutregionen liegen auf den Halbinseln Jamal, Gydan und Taimyr im nördlichen Russland. Die Vögel bevorzugen dort offene, grasbewachsene Tundra in der Nähe von Flussufern, Steilhängen und Klippen. Eine enge räumliche Nähe zu den Horsten von Wanderfalken, Raufußbussarden oder Schnee-Eulen ist typisch – diese Greifvögel verteidigen ihr eigenes Revier gegen Polarfüchse und bieten den Gänsen damit indirekt Schutz.

Nach der Brutzeit ziehen die Rothalsgänse in südwestlicher Richtung über den Ural und Kasachstan in ihre Überwinterungsgebiete. Historisch lagen die wichtigsten Winterquartiere am Kaspischen Meer. Seit den 1960er-Jahren hat sich das Verbreitungsgebiet im Winter zunehmend nach Westen verlagert: Heute überwintern die größten Bestände an der westlichen Schwarzmeerküste, vor allem in Rumänien und Bulgarien, wo sie küstennahe Lagunen, Salzwiesen und Agrarflächen als Habitat nutzen. Kleinere Trupps werden gelegentlich in Ungarn, Griechenland und der Ukraine beobachtet. In Mitteleuropa, auch in Deutschland, tritt die Rothalsgans als seltener Irrgast auf.

Ernährung

Die Rothalsgans ist ein reiner Pflanzenfresser. In den Brutgebieten ernährt sie sich überwiegend von Gräsern, Seggen, Moosen und jungen Trieben der Tundra-Vegetation. Während der Zugzeit und im Winterquartier nutzt die Art intensiv landwirtschaftliche Flächen. Winterweizen, Gerste, Raps und Maisstoppeln bilden dort die Hauptnahrung. Ergänzt wird die Kost durch Wildgräser und gelegentlich durch Wurzeln und Knollen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt fast ausschließlich an Land; anders als viele andere Gänsearten gründelt die Rothalsgans nur selten im Wasser.

Verhalten & Lebensweise

Rothalsgänse sind gesellige Vögel, die außerhalb der Brutzeit in großen Trupps auftreten und sich dabei häufig mit anderen Gänsearten vergesellschaften – vor allem mit Bläss- und Weißwangengänsen. Die Schwärme können mehrere tausend Individuen umfassen. Die Art ist tagaktiv und verbringt den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche auf offenen Flächen. Nachts werden geschützte Gewässer als Schlafplätze aufgesucht.

Der Zug erfolgt in lockeren Keilformationen oder unregelmäßigen Linien. Die Rufe der Rothalsgans sind hoch und schrill, deutlich verschieden von den tieferen Lauten der meisten anderen Gänse. Der typische Flugruf klingt wie ein durchdringendes, schnelles „kik-kik". In den Brutkolonien zeigen die Vögel eine hohe Wachsamkeit und warnen sich gegenseitig vor Feinden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Rothalsgans erreicht die Geschlechtsreife im Alter von zwei bis drei Jahren. Die Paare sind monogam und bleiben in der Regel lebenslang zusammen. Die Balz findet bereits auf dem Zug und in den Winterquartieren statt und umfasst gegenseitiges Kopfnicken, synchrone Lautäußerungen und ritualisierte Bewegungen.

Die Brutzeit beginnt Mitte Juni in der sibirischen Tundra. Das Nest wird auf dem Boden angelegt, häufig an erhöhten Stellen wie Flussterrassen oder Steilhängen, und mit Daunen ausgepolstert. Das Gelege umfasst in der Regel 3–9 Eier, die das Weibchen allein über einen Zeitraum von 23–25 Tagen bebrütet. Der Ganter hält sich in unmittelbarer Nähe auf und bewacht das Nest.

Die Küken sind Nestflüchter und verlassen das Nest kurz nach dem Schlüpfen. Beide Elternvögel führen und beschützen die Jungen. Nach etwa 35–40 Tagen sind die Jungvögel flugfähig. Familien bleiben oft bis in das erste Winterquartier zusammen, bevor