Saugphase
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Definition & Überblick
Die Saugphase bezeichnet den Lebensabschnitt neugeborener Säugetiere, in dem die Ernährung ausschließlich oder überwiegend über die Muttermilch erfolgt. Sie beginnt unmittelbar nach der Geburt und endet mit dem vollständigen Absetzen des Jungtieres, also dem Übergang zu fester Nahrung. Je nach Tierart dauert die Saugphase wenige Wochen bis mehrere Monate. In der Nutztier- und Heimtierhaltung ist diese Phase von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des Immunsystems, das Knochenwachstum, die Organreifung und die spätere Leistungsfähigkeit des Tieres.
Während der Saugphase ist die Muttermilch das natürliche Alleinfuttermittel: Sie liefert sämtliche Nährstoffe – Protein, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe – in einer für das Jungtier optimal verfügbaren Form. Die erste Milch nach der Geburt, das sogenannte Kolostrum (Biestmilch), enthält zusätzlich hohe Konzentrationen an Immunglobulinen, die dem Neugeborenen einen passiven Immunschutz verleihen. Dieser Erstversorgung kommt eine überlebenswichtige Rolle zu, da viele Tierarten mit einem immunologisch naiven Status geboren werden.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die Zusammensetzung der Muttermilch variiert stark zwischen den Tierarten, ist aber stets auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Jungtiere abgestimmt:
- Protein: Milchprotein liefert essenzielle Aminosäuren für Muskelaufbau und Gewebewachstum. Der Proteingehalt schwankt zwischen etwa 3 % (Stute) und über 10 % (Hündin, Kätzin).
- Fett: Als Hauptenergielieferant liegt der Fettgehalt je nach Art zwischen 1,5 % (Stute) und über 8 % (Hündin). Bei Meeressäugern kann er sogar über 40 % betragen.
- Laktose: Der Milchzucker dient als schnell verfügbare Energiequelle und fördert die Kalziumaufnahme im Darm.
- Vitamine: Fettlösliche Vitamine (A, D, E) und wasserlösliche Vitamine (B-Komplex) sind in arttypischer Konzentration enthalten.
- Mineralstoffe: Kalzium, Phosphor, Natrium, Kalium und Spurenelemente wie Eisen, Zink und Selen unterstützen Skelettentwicklung, Enzymfunktionen und Stoffwechselprozesse.
- Immunglobuline: Insbesondere im Kolostrum finden sich IgG, IgA und IgM in hoher Konzentration.
Steht keine Muttermilch zur Verfügung – etwa bei Mutterlosigkeit, Agalaktie oder zu großen Würfen – kommen spezielle Milchaustauscher zum Einsatz. Diese industriell hergestellten Ergänzungsfuttermittel oder Alleinfuttermittel sind so formuliert, dass sie die artspezifische Milchzusammensetzung möglichst genau nachbilden.
Für welche Tiere geeignet?
Die Saugphase betrifft grundsätzlich alle Säugetierarten – von Nutz- und Haustieren bis hin zu Wildtieren in menschlicher Obhut. In der praktischen Tierernährung ist sie besonders relevant bei:
- Ferkel: Saugphase circa 3–4 Wochen (konventionell) bis 6–8 Wochen (ökologisch). Frühes Beifüttern mit Prestarter ab der ersten Lebenswoche.
- Kälber: Saugphase in der Mutterkuhhaltung 6–10 Monate, in der Milchviehhaltung häufig nur wenige Tage Kolostrum, danach Milchaustauscher über 8–12 Wochen.
- Lämmer und Ziegenlämmer: Natürliche Saugphase 8–12 Wochen, bei mutterloser Aufzucht Tränke mit Lammilchaustauscher.
- Fohlen: Saugphase typischerweise 4–6 Monate.
- Welpen (Hund): Saugphase 3–4 Wochen, danach schrittweiser Übergang zu Welpenfutter.
- Kitten (Katze): Saugphase etwa 4 Wochen, Beifutter ab der dritten bis vierten Lebenswoche.
- Kaninchen: Sehr kurze Saugperiode von etwa 4–6 Wochen, wobei die Häsin die Jungtiere oft nur ein- bis zweimal täglich säugt.
Fütterungsempfehlung
In der Saugphase richtet sich die Futterration vorrangig an das Muttertier, da dessen Nährstoffversorgung die Milchqualität und -menge direkt beeinflusst. Laktierende Tiere haben einen deutlich erhöhten Bedarf an Energie, Protein, Kalzium und Phosphor. Die Futtermenge des Muttertieres sollte daher gegenüber dem Erhaltungsbedarf um 50–100 % gesteigert werden, abhängig von Wurfgröße und Laktationsstadium.
Für die Jungtiere gilt: Die Kolostrumaufnahme innerhalb der ersten 6–12 Lebensstunden ist entscheidend, da die Darmschleimhaut nur in diesem Zeitfenster die großen Immunglobulin-Moleküle aufnehmen kann. Bei künstlicher Aufzucht sollte das Fütterungsintervall dem natürlichen Saugrhythmus entsprechen – bei Welpen und Kitten anfangs alle 2–3 Stunden, bei Kälbern zwei- bis dreimal täglich.
Gegen Ende der Saugphase empfiehlt sich ein graduelles Beifüttern mit hochverdaulichem Festfutter, um den Magen-Darm-Trakt schonend auf die Umstellung vorzubereiten. Dieser Prozess wird als Absetzen (Weaning) bezeichnet und sollte niemals abrupt erfolgen.
Vorteile & Nachteile
Vorteile einer optimalen Saugphase: