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Scharren

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Definition & Überblick

Als Scharren wird eine rhythmische, grabende oder kratzende Bewegung der Vorder- oder Hinterextremitäten bezeichnet, die ein Tier auf einem Untergrund ausführt. Dabei bewegt das Tier eine oder beide Gliedmaßen in einer meist nach hinten gerichteten Zugbewegung über den Boden, wodurch Substrat – etwa Erde, Sand, Laub oder Einstreu – gelöst und wegbefördert wird. In der Ethologie zählt Scharren zu den Komfortbewegungen und substratgerichteten Verhaltensweisen, kann aber je nach Kontext auch dem Nahrungserwerb, der Kommunikation oder dem Markierverhalten dienen. Das Verhalten ist phylogenetisch alt und bei einer Vielzahl von Wirbeltiergruppen verbreitet, von Vögeln über Säugetiere bis hin zu Reptilien. Es tritt sowohl als genetisch fixiertes Instinktverhalten auf als auch in Formen, die durch Konditionierung und individuelle Erfahrung modifiziert werden können.

Biologischer Hintergrund

Die Bewegungskoordination des Scharrens wird durch angeborene motorische Muster gesteuert, die in der Ethologie als Erbkoordinationen oder Fixe Aktionsmuster (Fixed Action Patterns) bezeichnet werden. Die Schwelle für das Auslösen dieses Verhaltens wird durch eine Kombination aus inneren Faktoren – etwa Hunger, Erregungsniveau oder hormoneller Status – und äußeren Schlüsselreizen bestimmt. Ein lockerer, grabfähiger Untergrund wirkt beispielsweise als starker auslösender Reiz. Die Biomechanik variiert artspezifisch: Hühner nutzen einen alternierenden Beinschlag, Hunde setzen beide Hinterläufe ein, und viele Huftiere kratzen mit einem einzelnen Vorderhuf über den Boden.

Neurophysiologisch sind zentrale Mustergeneratoren im Rückenmark an der rhythmischen Erzeugung der Scharrsequenz beteiligt, während übergeordnete Hirnareale – insbesondere das Zwischenhirn und das limbische System – die motivationale Steuerung übernehmen. Bei Vögeln konnte nachgewiesen werden, dass bereits Küken, die ohne Kontakt zu Artgenossen aufwachsen, vollständige Scharrsequenzen zeigen, was den hohen Anteil angeborener Steuerung unterstreicht.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

Scharren ist taxonomisch breit vertreten und erfüllt je nach Tiergruppe unterschiedliche Funktionen:

  • Hühnervögel (Galliformes): Das Bodenscharren gehört zu den auffälligsten Verhaltensweisen von Haushühnern, Truthühnern, Fasanen und Rebhühnern. Es dient primär der Nahrungssuche, indem verdeckte Sämereien, Insekten und Würmer freigelegt werden.
  • Singvögel: Zahlreiche Arten wie Amseln, Drosseln und Zaunkönige scharren im Laub, um Bodenfauna aufzustöbern. Hierbei wird häufig ein charakteristisches beidbeiniges Rückwärtsspringen beobachtet.
  • Hunde und Wölfe (Canidae): Das Scharren nach dem Kot- oder Urinabsatz dient der olfaktorischen und visuellen Reviermarkierung. Die Pfotenballen besitzen Duftdrüsen, deren Sekret durch die Schubbewegung auf dem Boden verteilt wird.
  • Pferde und andere Equiden: Scharren mit dem Vorderhuf kann Ungeduld, Frustration oder Stress signalisieren, tritt aber auch als Erkundungsverhalten auf – etwa vor dem Wälzen oder beim Freilegen von Futter unter Schnee.
  • Rinder und Stiere: Das demonstrative Scharren eines Bullen mit dem Vorderlauf ist ein typisches Imponierverhalten und Bestandteil des agonistischen Repertoires, das der Einschüchterung eines Rivalen oder einer wahrgenommenen Bedrohung dient.
  • Nagetiere: Kaninchen, Ratten und Mäuse scharren beim Anlegen von Bauten, beim Vergraben von Nahrungsvorräten sowie als Nestbauverhalten.
  • Reptilien: Weibliche Meeresschildkröten und viele Echsen scharren tiefe Nistgruben zur Eiablage.

Auslöser & Funktion

Die Auslöser und Funktionen des Scharrens sind vielschichtig und kontextabhängig. Im Wesentlichen lassen sich folgende Kategorien unterscheiden:

  • Nahrungserwerb: Das Freilegen verborgener Nahrung im Substrat ist die stammesgeschichtlich vermutlich ursprünglichste Funktion. Hühnervögel verbringen unter naturnahen Bedingungen bis zu 60 Prozent ihrer aktiven Tageszeit mit Scharren und Picken.
  • Territoriale Kommunikation: Bei Caniden kombiniert das Scharren visuelle Markierungen (Kratzspuren im Boden) mit der Verteilung von Duftstoffen aus den Interdigitaldrüsen. Es handelt sich um ein multimodales Kommunikationssignal, das auch über größere Distanzen wirkt.
  • Nestbau und Brutpflege: Viele Arten scharren Mulden, Höhlen oder Nistgruben. Bei Großfußhühnern (Megapodiidae) erreicht dieses Verhalten extreme Ausprägung: Sie errichten durch Scharren meterhohe Bruthügel aus organischem Material.
  • Erregung und Übersprungverhalten: In Konfliktsituationen kann Scharren als Übersprunghandlung auftreten – etwa wenn ein Tier zwischen Angriff und Flucht schwankt. Der Hahn, der im Kampf plötzlich am Boden scharrt, zeigt ein klassisches Beispiel hierfür.
  • Komfort und Thermoregulation: Elefanten scharren Erde auf, um sie sich zur Hautpflege oder zum Sonnenschutz auf den Rücken zu werfen. Hühner scharren Mulden für Staubbäder, die der Gefiederpflege und der Ektoparasitenbekämpfung dienen.

Bedeutung für die Haltung

In der Tierhaltung ist das Scharren ein wichtiger Indikator für artgerechte Haltungsbedingungen und für das