Schutzfärbung
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Definition und Überblick
Unter Schutzfärbung versteht man alle Formen der Körperfärbung und Musterung bei Tieren, die dazu dienen, das Überleben gegenüber Fressfeinden oder Beutetieren zu sichern. Der Begriff umfasst ein breites Spektrum an Anpassungen – von der schlichten Tarnung bis hin zu auffälligen Warnfarben. Schutzfärbung ist ein Ergebnis natürlicher Selektion: Individuen, deren Färbung einen Überlebensvorteil bietet, pflanzen sich erfolgreicher fort und geben die entsprechenden Merkmale an ihre Nachkommen weiter. In der Ökologie gilt die Schutzfärbung als eines der anschaulichsten Beispiele für evolutionäre Anpassung an den jeweiligen Lebensraum.
Tarntracht und Krypsis
Die häufigste Form der Schutzfärbung ist die Krypsis, also die optische Verschmelzung eines Tieres mit seiner Umgebung. Man spricht auch von Tarntracht oder kryptischer Färbung. Das Prinzip ist einfach: Ein Tier, das für Fressfeinde unsichtbar oder schwer erkennbar ist, wird seltener erbeutet.
Klassische Beispiele finden sich in nahezu allen Tiergruppen. Der Birkenspanner (Biston betularia) zeigt eine helle Flügelfärbung, die ihn auf Birkenrinde nahezu unsichtbar macht. Bodenbrütende Vögel wie die Waldschnepfe tragen ein braun-geflecktes Federkleid, das sie im Laub perfekt tarnt. Viele Fische weisen eine Gegenschattierung auf – der Rücken ist dunkel, die Bauchseite hell gefärbt. Dadurch wird der dreidimensionale Körper optisch abgeflacht, was die Erkennung sowohl von oben als auch von unten erschwert.
Zur Krypsis gehört auch die Somatolyse, bei der Körperumrisse durch Streifen, Flecken oder unregelmäßige Muster aufgelöst werden. Die Streifenzeichnung von Zebras wird unter anderem als solche Umrissauflösung diskutiert, auch wenn ihre genaue Funktion nach wie vor Gegenstand wissenschaftlicher Debatte ist.
Mimese – Nachahmung von Gegenständen
Eine Sonderform der Tarnung ist die Mimese. Dabei ahmt ein Tier nicht nur die Farbe, sondern die gesamte Gestalt eines Objekts aus seiner Umgebung nach. Bekannte Vertreter sind Gespenstschrecken und Stabschrecken, die Äste, Blätter oder Rindenstücke täuschend echt imitieren. Auch das Wandelnde Blatt (Phyllium) gehört in diese Kategorie: Form, Farbe, Blattadern und sogar simulierte Fraßspuren machen das Insekt von einem echten Blatt kaum unterscheidbar. Mimese geht also über reine Farbgebung hinaus und schließt Körperform und Verhalten mit ein.
Warnfärbung (Aposematismus)
Im Gegensatz zur Tarnung setzen manche Tiere auf das genaue Gegenteil: Sie machen sich so auffällig wie möglich. Bei der Warnfärbung – fachsprachlich Aposematismus – signalisieren kontrastreiche Farben wie Rot, Gelb, Orange oder Schwarz potenziellen Fressfeinden, dass das Tier giftig, ungenießbar oder wehrhaft ist.
Der Feuersalamander mit seinem schwarz-gelben Muster ist ein typisches mitteleuropäisches Beispiel. In den Tropen tragen viele Pfeilgiftfrösche (Dendrobatidae) leuchtende Farben, die vor ihren hochwirksamen Hautgiften warnen. Auch bei Insekten ist Aposematismus verbreitet: Die schwarz-gelbe Zeichnung von Wespen und Hornissen wird von Vögeln und anderen Prädatoren schnell als Gefahrensignal erlernt.
Mimikry – Nachahmung warnender Vorbilder
Eng mit der Warnfärbung verknüpft ist das Phänomen der Mimikry. Dabei ahmt eine ungefährliche Art die Warnfärbung einer wehrhaften oder giftigen Art nach, um ebenfalls von Fressfeinden gemieden zu werden. Man unterscheidet zwei Haupttypen:
- Bates'sche Mimikry: Eine harmlose Art imitiert das Aussehen einer gefährlichen Art. Die Schwebfliege etwa trägt eine wespenähnliche Schwarz-Gelb-Zeichnung, besitzt aber keinen Stachel und kein Gift. Fressfeinde, die negative Erfahrungen mit echten Wespen gemacht haben, meiden auch die Schwebfliege.
- Müller'sche Mimikry: Zwei oder mehr tatsächlich giftige oder ungenießbare Arten ähneln einander in ihrer Warnfärbung. Dadurch müssen Prädatoren weniger verschiedene Warnmuster erlernen, was allen beteiligten Arten zugutekommt. Verschiedene Heliconius-Schmetterlingsarten in Südamerika zeigen dieses Prinzip eindrücklich.
Farbwechsel und saisonale Anpassung
Manche Tiere sind nicht auf eine einzige Schutzfärbung festgelegt, sondern können ihr Erscheinungsbild aktiv oder saisonal verändern. Chamäleons und verschiedene Tintenfische wie der Gemeine Krake verfügen über spezialisierte Hautzellen – sogenannte Chromatophoren –, die eine rasche Farbanpassung an den Untergrund ermöglichen. Bei Tintenfischen geschieht dieser Wechsel innerhalb von Sekundenbruchteilen durch muskelgesteuerte Ausdehnung und Zusammenziehung der Farbzellen.
Saisonaler Farbwechsel findet sich vor allem bei Tieren in Lebensräumen mit starken jahreszeitlichen Veränderungen. Der Schneehase (Lepus timidus) und das Hermelin (Mustela erminea) tragen im Winter ein weißes Fell, das sie im Schnee tarnt, und wechseln im Frühling zu einem braunen Sommerfell. Dieser Vorgang wird durch die Tageslichtlänge und hormonelle Prozesse gesteuert.
Ökologische Bedeutung
Schutzfärbung beeinflusst die Dynamik zwischen Räuber und Beute grundlegend. Sie ist Teil eines evolut