Schwimmen
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Definition & Überblick
Unter Schwimmen versteht man in der Ethologie die aktive Fortbewegung eines Tieres an oder unter der Wasseroberfläche, die durch koordinierte Bewegungen von Gliedmaßen, Körpermuskulatur, Flossen oder anderen Antriebsorganen erzeugt wird. Anders als das passive Treiben oder Driften handelt es sich beim Schwimmen um ein gerichtetes, meist willkürlich steuerbares Lokomotionsverhalten, das je nach Tierart angeboren oder erlernt sein kann. Als Verhaltensmerkmal ist das Schwimmen in nahezu allen Wirbeltierklassen sowie bei zahlreichen Wirbellosen verbreitet und erfüllt unterschiedlichste Funktionen – von der Nahrungssuche über die Flucht vor Prädatoren bis hin zur Fortpflanzung und Thermoregulation.
Im Kontext der Verhaltens- und Pflegebegriffe ist Schwimmen insbesondere dann relevant, wenn es um die artgerechte Haltung aquatischer und semiaquatischer Arten geht, aber auch bei Tierarten, die nur fakultativ schwimmen und deren Schwimmverhalten als Indikator für Wohlbefinden oder Stress dienen kann.
Biologischer Hintergrund
Die Fähigkeit zum Schwimmen ist an eine Reihe morphologischer und physiologischer Anpassungen geknüpft. Bei Fischen ermöglichen die Schwimmblase als hydrostatisches Organ, die seitlich abgeflachte Körperform und die Flossenmuskulatur eine energieeffiziente Fortbewegung im Wasser. Landwirbeltiere, die sekundär zur aquatischen Lebensweise zurückkehrten – etwa Wale, Robben oder Meeresschildkröten –, entwickelten stromlinienförmige Körper, zu Flossen umgebildete Extremitäten und eine erhöhte Sauerstoffspeicherkapazität im Blut.
Aus neurobiologischer Sicht wird das Schwimmen durch sogenannte zentrale Mustergeneratoren (Central Pattern Generators, CPGs) im Rückenmark gesteuert. Diese neuronalen Netzwerke erzeugen rhythmische Bewegungsmuster, ohne dass eine permanente übergeordnete Kontrolle durch das Gehirn nötig ist. Beim Neunauge, einem stammesgeschichtlich sehr alten Wirbeltier, sind diese Generatoren besonders gut untersucht und gelten als Modell für die Evolution der Wirbeltierlokomotive.
Die Koordination der Schwimmbewegungen unterliegt dabei sowohl einem starken Instinktanteil als auch der Modulation durch Lernerfahrung. Viele Säugetiere zeigen unmittelbar nach der Geburt reflexartige Schwimmbewegungen – ein sogenannter angeborener Auslösemechanismus (AAM) –, während die Feinabstimmung der Technik, etwa das Tauchen nach Beute, durch individuelle Erfahrung und Konditionierung optimiert wird.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Schwimmen ist eines der am weitesten verbreiteten Lokomotionsmuster im Tierreich:
- Fische: Als primär aquatische Wirbeltiere sind Fische die Schwimmer schlechthin. Unterschiedliche Schwimmstile – vom aalartigen Anguilliform über den thunfischartigen Thunniform bis zum kofferfischartigen Ostraciiform – spiegeln die ökologische Nischendifferenzierung wider.
- Amphibien: Frösche nutzen kräftige Hinterbeine für den Froschkick, Molche schwimmen mit seitlichen Schlängelbewegungen. Kaulquappen bewegen sich mit ihrer Schwanzflosse fort.
- Reptilien: Meeresschildkröten, Krokodile, Meeresechsen und zahlreiche Schlangenarten sind versierte Schwimmer. Krokodile setzen ihren muskulösen Schwanz als Hauptantrieb ein.
- Vögel: Pinguine „fliegen" mit ihren zu Flossen umgebildeten Flügeln unter Wasser. Enten, Gänse und Schwäne nutzen Schwimmhäute an den Füßen. Wasseramseln tauchen in Fließgewässern nach Insektenlarven.
- Säugetiere: Von Walen und Delfinen über Otter, Biber und Eisbären bis hin zu Elefanten, Hunden und selbst Katzen – die meisten Säugetiere können schwimmen, auch wenn sie es nicht regelmäßig tun. Tiger etwa durchqueren gezielt Flüsse in ihrem Territorium.
- Wirbellose: Quallen, Tintenfische, Krebse, Wasserinsekten und viele Planktonorganismen zeigen hochspezialisierte Schwimmformen – vom Rückstoßprinzip des Tintenfischs bis zum Cilienschlag der Einzeller.
Auslöser & Funktion
Die Auslöser für Schwimmverhalten sind vielfältig und kontextabhängig. Als proximale Ursachen gelten der Kontakt mit Wasser (taktiler Reiz), visuelle oder olfaktorische Reize von Beute beziehungsweise Fressfeinden sowie interne Zustände wie Hunger, Fluchtmotivation oder Fortpflanzungsbereitschaft. Bei wandernden Arten wie dem Lachs wirken hormonelle Veränderungen als endogene Auslöser für die lange Schwimmreise zu den Laichgründen.
Funktionell lässt sich Schwimmen in mehrere Kategorien einteilen:
- Nahrungserwerb: Viele Arten schwimmen, um Beute zu jagen oder Nahrungsquellen zu erreichen. Kormorane, Seeotter und Delfine zeigen dabei teils komplexe kooperative Jagdstrategien, die dem Sozialverhalten zuzuordnen sind.
- Flucht und Feindvermeidung: Das Eintauchen ins Wasser dient vielen terrestrischen Arten als Fluchtreaktion – etwa bei Tapiren oder Leguanen.
- Migration: Lachse, Meeresschildkröten, Wale und Aale unternehmen teils tausende Kilometer lange Schwimmwanderungen zwischen Nahrungs- und Fortpflanzungsgebieten.
- Thermoregulation: Elefanten, Wasserbüffel und Nilpferde nutzen Schwimmen und Baden zur Kühlung des Körpers.
- Kommunikation und Balz: Bei manchen Wasservögeln und Fischen sind Schwimmbewegungen ritualisiert und dienen als Bestandteil der Balz – etwa die synchronen Schwimmfiguren bei Haubentauchern.