Singvogel
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Definition und systematische Einordnung
Als Singvögel (Passeri oder Oscines) wird eine Unterordnung innerhalb der Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes) bezeichnet. Sie bilden mit rund 5.000 beschriebenen Arten die artenreichste Gruppe aller Vögel und machen damit fast die Hälfte aller bekannten Vogelarten aus. Ihr namensgebendes Merkmal ist der hochentwickelte Stimmapparat, der sogenannte Syrinx, der ihnen komplexe Lautäußerungen und melodische Gesänge ermöglicht. Singvögel kommen auf allen Kontinenten vor, mit Ausnahme der Antarktis, und besiedeln nahezu sämtliche terrestrischen Lebensräume – von tropischen Regenwäldern über Wüstenränder bis hin zu arktischen Tundren.
Zur Unterordnung der Singvögel gehören so unterschiedliche Familien wie die Finken (Fringillidae), Drosseln (Turdidae), Meisen (Paridae), Rabenvögel (Corvidae), Schwalben (Hirundinidae), Lerchen (Alaudidae) und Stare (Sturnidae). Nicht jeder Sperlingsvogel ist automatisch ein Singvogel: Die Schreivögel (Tyranni) und die Leierschwänze (Menuridae) gehören zwar ebenfalls zu den Sperlingsvögeln, bilden jedoch eigene Unterordnungen.
Anatomie und körperliche Merkmale
Singvögel sind überwiegend klein bis mittelgroß. Die Körperlänge reicht vom etwa 8 cm kleinen Wintergoldhähnchen bis zum rund 65 cm messenden Kolkraben. Trotz dieser Größenunterschiede teilen alle Vertreter der Unterordnung wesentliche anatomische Gemeinsamkeiten.
Das zentrale Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Sperlingsvögeln liegt im Bau des unteren Kehlkopfs (Syrinx). Dieser befindet sich an der Aufzweigung der Luftröhre in die beiden Bronchien und verfügt bei Singvögeln über vier bis neun Paar Muskeln, die die Membranen des Stimmorgans unabhängig voneinander spannen können. Diese Muskulatur erlaubt eine differenzierte Stimmgebung, die bei einigen Arten bis zu zweistimmigen Gesängen führt – beide Bronchialhälften können gleichzeitig unterschiedliche Töne erzeugen.
Weitere körperliche Kennzeichen sind:
- Anisodactyle Fußstellung – drei Zehen zeigen nach vorn, eine nach hinten, was ein sicheres Greifen von Ästen und Zweigen ermöglicht.
- Zwölf Steuerfedern im Schwanz (bei den meisten Arten).
- Ein vergleichsweise großes Gehirn im Verhältnis zur Körpergröße, insbesondere in den Arealen, die für Lernen und Gedächtnis zuständig sind.
Gesang und Kommunikation
Der Gesang der Singvögel dient in erster Linie zwei Zwecken: der Reviermarkierung und der Partnerwerbung. Männchen singen in der Regel häufiger und ausdauernder als Weibchen, wobei es zahlreiche Ausnahmen gibt – bei einigen tropischen Arten singen beide Geschlechter im Duett.
Ein Großteil der Singvogelarten erlernt seinen Gesang. Jungvögel hören die Strophen erwachsener Artgenossen und üben sie in einer Phase, die als Subsong bezeichnet wird – vergleichbar mit dem Brabbeln menschlicher Kleinkinder. Dieses vokale Lernen ist im Tierreich selten und kommt außer bei Singvögeln nur bei wenigen Gruppen vor, darunter Papageien, Kolibris und einigen Meeressäugern. Manche Arten wie der Sumpfrohrsänger oder der Star sind zudem begabte Imitatoren, die Elemente aus dem Gesang anderer Vogelarten und sogar Umgebungsgeräusche in ihr Repertoire aufnehmen.
Neben dem Gesang nutzen Singvögel verschiedene Rufe zur Kommunikation: Warnrufe bei Fressfeinden, Kontaktrufe innerhalb von Schwärmen und Bettelrufe der Nestlinge. Diese Rufe sind im Gegensatz zum Gesang meist angeboren und weniger variabel.
Lebensweise und Ernährung
Die Ernährungsweisen innerhalb der Singvögel decken ein breites Spektrum ab. Viele Arten sind Insektenfresser (insektivor) und erbeuten Käfer, Fliegen, Raupen und Spinnen. Andere, wie Finken und Ammern, haben sich auf Sämereien und Körner spezialisiert und verfügen über kräftige, kegelförmige Schnäbel zum Knacken harter Schalen. Drosseln und Stare ernähren sich von Früchten und Beeren, während Nektarvögel auf Blütennektar angewiesen sind. Viele Arten wechseln ihre Ernährung je nach Jahreszeit: Meisen etwa fressen im Sommer vorwiegend Insekten, im Winter hingegen Samen und Nüsse.
Die Fortpflanzung der Singvögel ist durch den Bau von Nestern gekennzeichnet, die je nach Art in Baumkronen, Hecken, Felsspalten, Erdhöhlen oder an Gebäuden angelegt werden. Die Gelege umfassen bei den meisten Arten zwischen drei und sechs Eier. Die Jungen schlüpfen als Nesthocker – nackt, blind und völlig auf die Fütterung durch die Elternvögel angewiesen. Die Nestlingszeit dauert je nach Art zwischen 10 und 20 Tagen, danach werden die Jungvögel meist noch einige Wochen außerhalb des Nests weiter versorgt.
Ökologische Bedeutung
Singvögel nehmen in nahezu allen terrestrischen Ökosystemen eine zentrale Stellung ein. Als Insektenfresser regulieren sie die Populationen von Schadinsekten in Wald- und Agrarlandschaften erheblich. Eine einzelne Blaumeisenfamilie kann während der Brutzeit mehrere tausend Raupen vertilgen. Fruchtfressende Arten tragen durch die Verbreitung von Samen (Zoochorie) zur Ausbreitung zahlreicher Pflanzenarten bei. Nektartrinkende Singvögel fungieren in tropischen Regionen als Best