Sonnen
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Definition & Überblick
Als Sonnen (englisch: sunbathing, basking) bezeichnet die Ethologie ein spezifisches Komfortverhalten, bei dem ein Tier gezielt eine Position einnimmt, die eine maximale Exposition gegenüber direkter Sonnenstrahlung ermöglicht. Dabei werden häufig Körperteile wie Flügel, Hautfalten oder Extremitäten abgespreizt, um die dem Licht ausgesetzte Körperoberfläche zu vergrößern. Das Sonnen gehört zusammen mit dem Baden, Staubbaden, Kratzen und der Gefiederpflege zu den Komfort- und Pflegeverhaltensweisen, die in der Verhaltensbiologie unter dem Oberbegriff der somatischen Pflege zusammengefasst werden.
Das Verhalten ist kein bloßes passives Verweilen in der Sonne, sondern eine aktiv eingeleitete, stereotyp ablaufende Verhaltenssequenz. Das Tier sucht gezielt sonnenbeschienene Plätze auf, nimmt eine charakteristische Körperhaltung ein und verharrt dort oft über längere Zeiträume. In der Literatur wird das Sonnen daher als appetitives Verhalten mit anschließender Endhandlung klassifiziert: Das Aufsuchen des Sonnenplatzes stellt die appetitive Phase dar, das eigentliche Verharren in der Sonnenhaltung die konsummatorische Handlung.
Biologischer Hintergrund
Die biologische Grundlage des Sonnens ist je nach Tiergruppe unterschiedlich, lässt sich aber auf zwei zentrale physiologische Mechanismen zurückführen: Thermoregulation und photochemische Prozesse.
Bei ektothermen (wechselwarmen) Tieren wie Reptilien und Amphibien dient das Sonnen primär der Aufnahme externer Wärmeenergie. Ihre Körpertemperatur hängt unmittelbar von der Umgebungstemperatur ab, weshalb Sonnenbaden für sie eine physiologische Notwendigkeit darstellt. Erst durch das Erreichen einer artspezifischen Vorzugstemperatur (preferred body temperature) werden Stoffwechselprozesse, Verdauung, Immunabwehr und Fortbewegung optimal möglich. Die Steuerung erfolgt über Thermorezeptoren in der Haut und im Hypothalamus, die ein instinktgebundenes Aufsuchverhalten auslösen.
Bei endothermen (gleichwarmen) Tieren wie Vögeln und Säugetieren ist die Lage komplexer. Hier spielt die Synthese von Vitamin D₃ eine zentrale Rolle: UVB-Strahlung wandelt in der Haut oder im Gefieder vorhandenes 7-Dehydrocholesterol in Prävitamin D₃ um. Bei Vögeln findet dieser Prozess teilweise auf den Federn und in der Bürzeldrüsensekret statt – das Vitamin wird dann bei der anschließenden Gefiederpflege oral aufgenommen. Darüber hinaus wirkt Sonnenstrahlung antimikrobiell und kann Ektoparasiten wie Federlingen und Milben zusetzen, indem diese durch die Wärme mobilisiert werden und vom Tier leichter entfernt werden können.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Sonnverhalten ist im Tierreich außerordentlich weit verbreitet und wurde bei zahlreichen Taxa dokumentiert:
- Reptilien: Nahezu alle Echsen, Schlangen und Schildkröten zeigen ausgeprägtes Basking-Verhalten. Bartagamen, Leguane und Europäische Sumpfschildkröten sind klassische Beispiele. Viele Arten nutzen dabei erhöhte, exponierte Plätze, die gleichzeitig als Ausgugg zur Feindvermeidung und Territorialmarkierung dienen.
- Vögel: Kormorane breiten nach dem Tauchgang ihre Flügel zum Trocknen und Wärmen aus. Amseln, Stare und Tauben legen sich mit gespreizten Flügeln flach auf den Boden – ein Verhalten, das von Laien gelegentlich mit Verletzung oder Krankheit verwechselt wird. Greifvögel und Geier zeigen ebenfalls ausgiebiges Sonnverhalten.
- Säugetiere: Katzen, Hunde und viele Wildtiere suchen gezielt Sonnenplätze auf. Flusspferde, Robben und Seelöwen sonnen sich an Land, wobei hier neben der Wärmeaufnahme auch die Hautregeneration eine Rolle spielt. Bei Primaten, einschließlich des Menschen, ist Sonnen als Komfortverhalten gut dokumentiert.
- Insekten: Schmetterlinge wie der Admiral oder das Tagpfauenauge richten ihre Flügel gezielt zur Sonne aus, um die Flugmuskulatur auf Betriebstemperatur zu bringen. Libellen zeigen den sogenannten Obelisken-Stand, bei dem das Abdomen senkrecht nach oben gerichtet wird – paradoxerweise handelt es sich dabei um eine Strategie zur Vermeidung von Überhitzung durch Minimierung der besonnten Fläche.
Auslöser & Funktion
Das Sonnverhalten wird durch eine Kombination aus externen Schlüsselreizen und internen Zustandsvariablen ausgelöst. Zu den externen Reizen zählen Lichtintensität, Strahlungswärme und die Verfügbarkeit geeigneter Sonnenplätze. Interne Auslöser sind vor allem eine niedrige Körperkerntemperatur, ein erhöhter Vitamin-D-Bedarf oder ein Parasitenbefall.
Funktionell lassen sich folgende Aspekte zusammenfassen:
- Thermoregulation: Aufwärmen des Körpers zur Optimierung physiologischer Prozesse
- Vitamin-D-Synthese: Förderung des Calcium-Stoffwechsels und der Knochengesundheit
- Parasitenbekämpfung: Mobilisierung und Abtötung von Ektoparasiten durch UV-Strahlung und Hitze
- Gefiederpflege: Aufweichen des Bürzeldrüsensekrets zur besseren Verteilung bei der Pflege
- Trocknung: Verdunstung von Feuchtigkeit nach Regen oder Tauchgängen
Aus ethologischer Sicht handelt es sich beim Sonnen um ein überwiegend instinktgesteuertes Verhalten mit festgelegter Erbkoordination, das jedoch durch individuelle Lernerfahrung – etwa die Kenntnis bevorzugter Sonnenplätze – moduliert werden kann. Junge Eidechsen etwa zeigen das Basking-Verhalten bereits unmittelbar nach dem Schlupf, verfein