Stieglitzbastard
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Steckbrief
- Bezeichnung: Stieglitzbastard (auch: Stieglitzmischling, Distelfink-Hybrid)
- Wissenschaftlicher Name: Carduelis carduelis × diverse (je nach Kreuzungspartner, z. B. × Serinus canaria)
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Finken (Fringillidae)
- Unterfamilie: Stieglitzartige (Carduelinae)
- Größe: 12–14 cm (je nach Kreuzung)
- Gewicht: 14–22 g
- Lebenserwartung: 8–12 Jahre in Gefangenschaft
- Lebensraum: Ausschließlich in menschlicher Obhut (Voliere, Käfighaltung)
Aussehen & Merkmale
Als Stieglitzbastard wird die Nachzucht aus der Kreuzung eines Stieglitzes (Carduelis carduelis), auch Distelfink genannt, mit einer anderen Finkenart bezeichnet. Der mit Abstand häufigste Kreuzungspartner ist der Kanarienvogel (Serinus canaria forma domestica). Dieser Hybrid wird in der Vogelzucht als „Stieglitz × Kanarien-Bastard" oder kurz als „Carduelit" geführt. Daneben existieren seltenere Kreuzungen mit Girlitz (Serinus serinus), Grünfink (Chloris chloris) oder Birkenzeisig (Acanthis flammea).
Das Gefieder des Stieglitzbastards zeigt in der Regel eine Mischung der elterlichen Merkmale. Bei der häufigen Stieglitz-Kanarien-Kreuzung dominiert oft ein bräunlich-olivfarbenes Grundgefieder, das heller ausfällt als beim reinen Stieglitz. Die charakteristische rote Gesichtsmaske des Stieglitzes ist beim Bastard meist abgeschwächt vorhanden – oft als verwaschen-rötlicher Anflug um den Schnabelansatz. Die gelben Flügelbinden des Stieglitzes treten häufig deutlich hervor, sind jedoch breiter und weniger scharf abgegrenzt als beim Elterntier. Der Schnabel ist konisch und liegt in Größe und Form zwischen dem feinen Kegelschnabel des Kanarien und dem etwas kräftigeren Schnabel des Stieglitzes. Die Augen sind dunkel, die Beine fleischfarben bis graubraun.
Da es sich um Hybriden handelt, variiert das Erscheinungsbild individuell stark. Kein Stieglitzbastard gleicht dem anderen exakt – die phänotypische Ausprägung hängt von der genetischen Durchmischung ab.
Lebensraum & Verbreitung
Der Stieglitzbastard kommt in freier Natur nicht vor. Er ist ein reines Produkt gezielter Zucht in menschlicher Obhut. Sein Habitat beschränkt sich auf Vogelvolieren und Zuchtanlagen. Geographisch ist er überall dort anzutreffen, wo die Stieglitz- und Kanarienzucht Tradition hat – vor allem in Mitteleuropa, dem Mittelmeerraum (besonders Italien und Spanien) sowie in Teilen Südamerikas. In der europäischen Vogelliebhaberei blickt die Bastardisierung von Stieglitz und Kanarienvogel auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Bereits im 17. und 18. Jahrhundert waren solche Kreuzungen an europäischen Höfen geschätzt.
Ernährung
Die Ernährung des Stieglitzbastards orientiert sich an den Bedürfnissen beider Elternarten. Grundlage bildet eine Samenmischung aus feinen Sämereien wie Nigersaat, Mohn, Salat-, Perilla- und Leinsamen sowie Kanariensaat (Glanz). Ergänzend sollten Grünfutter wie Vogelmiere, Löwenzahnblätter und halbreife Samenstände angeboten werden. Frisches Obst und geriebene Karotte runden die Kost ab. Während der Mauser und bei erhöhtem Energiebedarf ist die Gabe von Eifutter und keimfähigen Samen empfehlenswert. Frisches Trinkwasser und eine Sepiaschale zur Mineralstoffversorgung gehören zur Standardausstattung. Anders als reine Kanarienvögel zeigen viele Stieglitzbastarde eine deutliche Vorliebe für Distelsamen (Karden) und andere Wildkräutersamen – ein Erbe der Stieglitz-Elternlinie.
Verhalten & Lebensweise
Stieglitzbastarde gelten als lebhafte, neugierige Vögel mit einem ausgeglichenen Temperament. Sie vereinen häufig die relative Zutraulichkeit des domestizierten Kanarienvogels mit der Vitalität und Beweglichkeit des Stieglitzes. Im Vergleich zum reinen Kanarienvogel wirken sie oft aktiver und unabhängiger. Sie sind tagaktiv und zeigen ein ausgeprägtes Badebedürfnis.
Der Gesang des Stieglitzbastards ist der wesentliche Grund für seine Beliebtheit in der Vogelliebhaberei. Er verbindet Elemente des melodischen Kanarien-Gesangs mit den typischen Strophen und Rufen des Stieglitzes – dem hellen „stiglit"-Ruf und den perlenden Trillern. Das Ergebnis ist ein vielschichtiger, variantenreicher Gesang, der von Kennern als besonders ansprechend beschrieben wird. Die Gesangsqualität variiert stark von Individuum zu Individuum. Nur männliche Bastarde singen regelmäßig und ausdauernd.
In Gesellschaftsvolieren verhalten sich Stieglitzbastarde in der Regel verträglich gegenüber anderen Finkenvögeln. Revierverhalten tritt allenfalls während der Brutstimmung auf, bleibt jedoch meist auf Imponiergehabe und kurze Verfolgungsflüge beschränkt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Zucht von Stieglitzbastarden erfolgt in der Regel durch Verpaaren eines männlichen Stieglitzes mit einem weiblichen Kanarienvogel. Die umgekehrte Kombination – Kanarienhahn mit Stieglitzweibchen – gelingt seltener, da wildfangnähere Stieglitzweibchen die Annäherung domestizierter Kanarienmännchen häufig ablehnen.
Die Kanarienhennen bauen ein napfförmiges Nest, in das sie drei bis fünf Eier legen. Die Brutdauer beträgt etwa 13 bis 14 Tage. Die Jungvögel werden von der Henne und teils vom Stieglitzhahn mit einer Mischung aus Eifutter